Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Klinikum darf weiter bauen

Neues Forschungsgebäude für Neurowissenschaftler auf dem Schnarrenberg

So erfreut reagieren Ratsmitglieder nur selten, wenn Bauherren ein Gelände außerhalb eines Baufensters ins Visier nehmen: Das Uni-Klinikum plant auf dem Schnarrenberg einen Neubau für die Alzheimer- und Parkinson-Forschung für über 16 Millionen Euro.

10.02.2010
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Der Dekan der Medizinischen Fakultät Ingo Autenrieth und Thomas Gauckler vom Vermögens- und Bauamt stellten das Projekt am Montag dem Planungsausschuss des Tübinger Gemeinderats vor. In der Gesundheitsforschung werde der Großteil der Mittel über die Helmholtz-Gesellschaft vergeben, sagte Prof. Autenrieth. Das Uni-Klinikum bekam den Zuschlag, Partner-Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zu werden. Das Zentrum hat seinen Hauptsitz in Bonn und Partner-Institute an verschiedenen Standorten. Nach Tübingen fließen nun fünf Millionen Euro institutionelle Förderung im Jahr.

Die Neurowissenschaftler werden auf dem Schnarrenberg vor allem die Alzheimer- und Parkinson-Forschung vorantreiben und auf diesem Forschungsfeld die Koordination für das ganze Demenz-Zentrum übernehmen. Sie sollen eng mit dem Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung und dem Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) zusammenarbeiten. Deshalb ist der Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft vorgesehen.

Es soll als dritter Bauabschnitt neben zwei bereits bestehenden Gebäuden errichtet werden und mehr als 16 Millionen Euro kosten. 7,5 Millionen Euro müssen Universität und Klinikum an Eigenmitteln aufbringen, 7 Millionen Euro kommen vom DZNE und 1,75 Millionen Euro als Ersteinrichtungsmittel vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Der Vertrag wurde im Dezember unterschrieben. Nun konkurriere das Uniklinikum mit anderen Standorten um Spezialisten, betonte Autenrieth. Die Wissenschaftler für die Institute in den beiden ersten Bauten des Komplexes seien mit Ausnahme einer Professur bereits in Tübingen und rückten gerade zusammen. „Wenn man ihnen nicht die Wurst vor die Nase hängt und sagt, in zwei Jahren ist es so weit, geht das nicht“, stellte der Dekan klar. Er sei allen Beteiligten dankbar, „dass es jetzt so zügig geht“. Man hoffe, 2014 in den Neubau einzuziehen.

Die Architektur des Kubus ist noch nicht genau festgeschrieben, sagte Thomas Gauckler vom Vermögens- und Bauamt. Das Terrain liegt außerhalb des im Bebauungsplan eingezeichneten Baufensters. „Wir sind hier im Grenzbereich dessen, was man als Ausnahme genehmigen kann“, erklärte Stadtplanungs-Chef Tim von Winning dem Ausschuss. Da jedoch kaum private Belange betroffen seien, sei es ökonomischer, das Projekt durch eine Befreiung als durch eine Bebauungsplanänderung auf den Weg zu bringen. „Das Geld ist da. Man könnte morgen loslegen“, sagte Baubürgermeisterin Ulla Schreiber. Das Uniklinikum wachse immer weiter, „wir kommen baurechtlich gar nicht nach“.

„Klar wollen wir das hier mit ermöglichen. Wir freuen uns, dass Investitionen und hochwertige Arbeitsplätze kommen“, sagte CDU-Fraktions-Chef Ulrich Latus. „Wir freuen uns immer, wenn die Uni boomt – und über den Auftrag, den sie bekommen haben“, schloss sich Helga Vogel (AL/Grüne) an. Ihre Fraktion sei Verdichtungen auf dem Schnarrenberg gegenüber aufgeschlossen und froh, dass es bisher gelungen sei, den Steinenberg von einer Bebauung frei zu halten.

„Hat die Uni noch mehr Flächen auf dem Kieker?“, erkundigte sich Klaus te Wildt (SPD) in diesem Zusammenhang. „Im Prinzip haben wir das, was wir vor 12, 13 Jahren auf den Weg gebracht haben, ziemlich ausgeschöpft“, sagte auch Dietmar Schöning (FDP): „Weitere Planungen des Klinikums erfordern eine Gesamtüberlegung.“

Wir stehen jetzt

erheblich unter Druck, damit wir die besten Köpfe nach Tübingen holen können.

Prof. Ingo Autenrieth Platz für 140 bis 150 neue Mitarbeiter

Das Universitätsklinikum will für das Demenz-Zentrum Arbeitsplätze für 140 bis 150 Mitarbeiter neu schaffen: 60 Wissenschaftler, 50 Doktoranden und 30 technische Mitarbeiter einschließlich Verwaltung und IT-Betreuung. Der Raumbedarf liegt bei zirka 2570 Quadratmetern Nutzfläche. Mit den Stellenausschreibungen wurde bereits begonnen. Voraussichtlich werden noch in diesem Frühjahr die ersten Arbeitsgruppen die Arbeit aufnehmen. Ab Mitte 2011 soll das Institut voll besetzt sein und 2014 von verschiedenen übergangshalber angemieteten Räumen an unterschiedlichen Tübinger Standorten an seinen künftigen Sitz umziehen.

Neues Forschungsgebäude für Neurowissenschaftler auf dem Schnarrenberg
Der neue Kubus (im Modell rechts) ergänzt das Forschungszentrum für Neurowissenschaften zwischen Ottfried-Müller-Straße (oben) und Schnarrenbergstraße um einen dritten Baukörper. Weil der Hang stark abfällt und sich das Grundstück verjüngt, soll das Gebäude kompakter werden als die beiden anderen und als eine Art Kopfbau den Komplex abschließen. Der Vorentwurf sieht drei Geschosse zur Ottfried-Müller-Straße und fünf zum Tal hin vor, außerdem ein Staffelgeschoss. Der erste Bauabschnitt (Hertie, links) ist bereits fertig, der zweite (CIN, Mitte) noch im Bau. Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.02.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball