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Rottenburg

Neues Rasthaus für Obdachlose in der Stadtlanggasse

In der Stadtlanggasse wird es künftig ein „Rasthaus“ geben in dem Obdachlose Unterschlupf, Beratung und Kleidung bekommen.

18.06.2012
  • Martin Zimmermann

Rottenburg. Ein Kruzifix und zwei Kerzen stehen in einem Stuhlkreis. Das Zimmer riecht muffig. „Wir haben das Haus schon einmal warmgebetet. Der Heilige Geist ist schon eingezogen“, sagt Elke Mildner. Für die Rottenburgerin mit dem großen Herz für Bedürftige geht ein Traum in Erfüllung: Sie hat endliche ein Haus für ihr Obdachlosen-Rasthaus.

Bedarf sei in Rottenburg seit langem vorhanden. „Es gibt in Rottenburg weder ein Männerwohnheim noch ein Frauenhaus“, sagt Mildner. Seit 30 Jahren betreut die Theologin und trockene Alkoholikerin mit ihrer Tochter Julia Mildner-Powell zusammen in der therapeutischen Wohngemeinschaft Oase Mehrfachabhängige. Sie betreibt eine Kleiderkammer sowie einen Unterschlupf für Obdachlose. „Die Kleiderkammer und der Unterschlupf gehören aber nicht in die Oase“, stellt Mildner fest. „Bisher kümmern sich die trockenen Alkoholiker der Oase um den Unterschlupf. Die bekommen aber den Koller wenn da Bierflaschen herumstehen“, sagt Elke Milder. „Was ein trockener Alkoholiker nicht tolerieren kann sind nasse Alkoholiker“, sagt Mildner. „Ein Alkoholiker, der rückfällig wird, fliegt bei mir in zehn Minuten raus und bekommt ein Krankenhausbett für den Entzug.“

Auch Bernd Tack, Ex-Trinker und Oasenbewohner, der sich als Hausmeister um das Rasthaus kümmern wird, nickt zustimmend. Ein Bier bei einem, der kein Alkoholiker sei, werde man im Rasthaus vielleicht noch tolerieren; nasse Alkoholiker auf keinen Fall.

Vor einem Jahr gründete Elke Mildner den Verein Rasthaus, der mittlerweile 75 Mitglieder hat. Darunter sind mehrere Bewohner der Oase und auch Weihbischof Thomas Maria Renz. Seither suchen Mutter und Tochter Mildner nach einem Haus, um ihr gutes Werk in die Tat umzusetzen. Das war zunächst nicht einfach. „Man darf eigentlich nicht nach einem Haus suchen, wenn man kein Geld hat, um es zu bezahlen“, sagt Julia Mildner-Powell. Nun half die Stadt Rottenburg. Sie kaufte das Eckhaus in der Stadtlanggasse, um langfristige städtebauliche Pläne zu verfolgen. Zunächst wird das Haus jedoch für fünf Jahre „zu günstigen Konditionen“, so Mildner-Powell, an das Rasthaus vermietet. Die Kirche wird einen Mietzuschuss für die neue Kleiderkammer in der Stadtlanggasse bezahlen.

Außer der Kleiderkammer soll in dem Haus auch ein Büro für Beratungsgespräche Platz finden. Hierfür laufen Gespräche mit der Caritas und Diakon Matthias Schneider. Außerdem sollen im Haus kurzfristig Unterkünfte für Menschen ohne Dach zur Verfügung gestellt werden. Zeit, um Entscheidungen zu treffen, sollen die Menschen dort bekommen.

Viele Bedürftige werden dem Rasthaus von der Polizei zugeführt. „Wer in Rottenburg in Not gerät, geht zur Polizei. Dort wird viel Sozialarbeit gemacht“, sagt Mildner. Bettelnde Menschen von der Straße aufsammeln will Mildner nicht.

Bei der Betreuung des Rasthaus werden auch zahlreiche Oasenbewohner mithelfen, denn wie Elke Mildner sagt: „Helfen steckt an. Wem geholfen wurde, der hilft auch anderen.“

So hat Oasenbewohner Gerhard Kränzler das Rasthaus bereits voller Vorfreude als Miniaturmodell nachgebaut und in das Schaufenster des Oasencafés an der Oberen Brücke in der Königstraße gestellt. Dort stehen bereits die anderen Häuser der Oase in Miniaturausgabe. Für Elke Mildner aber ist auch das Rasthaus nur „ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Denn ein Frauenhaus für Frauen, die von ihren Männern verprügelt werden, habe Rottenburg dann noch immer nicht. „Aber“, so hofft sie, „vielleicht fühlt sich ja jemand von mit inspiriert und gründet ein Frauenhaus.“

Neues Rasthaus für Obdachlose in der Stadtlanggasse
Julia Mildner-Powell, Elke Mildner und Bernd Tack vor dem zukünftigen Rottenburger „Rasthaus“ in der StadtlanggasseFoto: Zimmermann

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18.06.2012, 12:00 Uhr

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