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Es waren die Jäger

Neues zum Verschwinden der Mammuts

Den Mammuts erging es vor 30.000 Jahren ähnlich wie den nordamerikanischen Bisons im vorletzten Jahrhundert: Nicht die Klimaveränderung war schuld an ihrem Verschwinden, sondern die intensive Jagd, die auf sie gemacht wurde. Das belegen neueste Forschungen mit Beteiligung Tübinger Wissenschaftler.

17.12.2014
  • upf

Tübingen. Da die Mammuts als große pflanzenfressende Tiere von einer ausreichenden Vegetation für ihre Ernährung abhängig waren, wurden bisher in der urgeschichtlichen Forschung vor allem Klimaveränderungen für ihr Aussterben verantwortlich gemacht. Forscher der Uni Tübingen sowie der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung kommen in einer neuen Studie jedoch zu der Erkenntnis, dass der Mensch als Jäger den Rückgang der Mammutpopulation in Westeuropa verursacht hat.

Die klimatischen Bedingungen und die Versorgung mit Nahrung und Trinkwasser waren vor 30.500 bis 22.000 Jahren, in der Phase des sogenannten Gravettien, nämlich für die Bedürfnisse der Mammuts ausreichend und stabil. Dies wiesen die Wissenschaftler um die Biogeologin Dorothée G. Drucker anhand der Analyse von Knochen, Zähnen und Mammutelfenbein aus dieser Periode nach. Ihre Forschungsergebnisse wurden soeben im Fachmagazin „Quaternary International“ publiziert.

Dennoch ist während des Gravettiens ein deutlicher Rückgang von Gebrauchs- oder Kunstgegenständen aus Mammutknochen oder -elfenbein festzustellen, was auf das Verschwinden der Spezies hindeutet. Drucker und der Tübinger Biogeologe Prof. Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment (HEP) werteten dazu vor allem Funde von der Schwäbischen Alb aus sowie aus dem Tal der Dordogne in Südwest-Frankreich. Mit Unterstützung durch Forscher des Nationalmuseums für Naturgeschichte in Paris fanden Drucker und Bocherens nun weitere Hinweise für die These, dass das langsame Verschwinden der großen Pflanzenfresser mit einer intensiven Bejagung zusammenhing.

Dazu analysierten sie die stabilen Isotopenzusammmensetzungen von Mammut-, Pferde- und Rentierknochen. Die Verhältnisse der Kohlenstoff-, Schwefel- und Stickstoffisotope geben Hinweise auf die Stabilität der ökologischen Nische. Bei allen drei Tierarten fanden die Forscher überwiegend konstante Isotopenkonzentrationen während des Gravettiens; die ökologischen Bedingungen für die Arten waren also intakt.

Eine auffällige Veränderung zeigte sich bei den Überresten der Pferde von der Schwäbischen Alb. Hier stieg die Konzentration des Stickstoff-Isotops 15N allmählich an und näherte sich während des Gravettiens den Werten des Mammuts an. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass die Pferde hier allmählich die ökologische Nische des Mammuts einnahmen.

Da sich jedoch keine wesentlichen Hinweise auf dramatische klimatische Veränderungen in dieser Epoche fanden, hält Drucker es für „sehr wahrscheinlich, dass der Rückgang der Mammutpopulation in Südwestdeutschland durch den Menschen verursacht wurde“. Schon die eiszeitlichen Jäger griffen also vor mehr als 20.000 Jahren ganz erheblich in das von ihnen bewohnte Ökosystem ein.

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17.12.2014, 12:00 Uhr

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