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Neustart für den HGV
Christian Riethmüller (r.) und Jörg Romanowski.
Kandidaten für Vorstand gefunden/Verkehrswende angekündigt

Neustart für den HGV

Es ist eine überraschende Wende, die erst den Tübinger Handel und dann die Innenstadt verändern könnte: HGV-Vorstand Christian Riethmüller hat seine Meinung in der Verkehrspolitik geändert. Er setzt sich nun für weniger Autos und mehr Fußgängerzone im Zentrum ein.

21.07.2012

Tübingen. Als Riethmüller seine persönliche Verkehrswende am Donnerstagabend auf dem TAGBLATT-Podium zum Thema „Welche Zukunft hat die Innenstadt?“ kundtat, ging kurz ein Raunen durch die Zuhörerreihen, das sogleich in Beifall mündete. Auch etliche Händler klatschten. Die Resonanz auch in Gesprächen danach habe ihn weiter ermutigt, berichtete der Mitvorstand des Tübinger Handel- und Gewerbevereins (HGV) gestern unserer Zeitung.

Doch wie kam er überhaupt zum Umdenken? Nach der Ankündigung, nicht mehr für den HGV-Vorstand zu kandidieren, habe er sich „gedanklich geöffnet“, erzählt Riethmüller. Als Buchhändler habe er in seiner Branche gesehen, dass man der Internet-Konkurrenz und dem Strukturwandel mit Service und „Emotionen und Überraschungen als Mehrwert“ begegnen müsse. Da habe er sich die Frage gestellt: „Warum gilt das eigentlich nicht für die ganze Stadt?“ Seine Antwort: Auch Tübingen muss vor allem mit einer „hohen Aufenthaltsqualität“ punkten. Einkaufen müsse Spaß machen.

Konkret heißt das für Riethmüller: Er will zum Beispiel die Neue Straße mit den angrenzenden Straßen zur Fußgängerzone machen, um eine Achse von der Neckargasse bis zum Markt am Nonnenhaus zu schaffen. Straßenasphalt und Autos würden die Menschen abschrecken. Der 37-Jährige beschreibt mit solcher Begeisterung den möglichen Pflasterbelag, die Bäume und Bänke, Kinderspielzonen und Wasserspiele, dass man den Bereich schon vor Augen hat. Auch das „Eingangstor in die Innenstadt“ müsse dringend verbessert werden, der Eintritt am Lustnauer Tor sei sehr schlecht.

Ganz einer Meinung mit Riethmüller ist Jörg Romanowski. Der Werbefachmann kandidiert ebenfalls für den HGV-Vorstand. Wie Riethmüller macht er die Verkehrspolitik zur Bedingung. Beide wollen nur gewählt werden, wenn der HGV ihre Linie trägt. Dazu gehört das Abrücken von der HGV-Forderung nach mehr Parkplätzen in der Innenstadt, ein Verbot jeden Lieferverkehrs zwischen 10 und 17 Uhr und die Forderung, die Tübinger „Stärken zu stärken“. Die anderen HGV-Forderungen bleiben.

„Die Diskussion war zu sehr auf Parkplätze fokussiert“, sagt Romanowski. Beide betonen, dass Autofahrer nicht ausgesperrt werden sollen. Sie sollen die Innenstadt besser erreichen: unter anderem durch eine bessere Lenkung zu Parkhäusern, durch geänderte Verkehrsführungen und durch mögliche Shuttlebusse. „Man darf den Leuten nicht die Mobilität nehmen, sie muss aber von einer indivuellen zu einer öffentlichen werden“, erklärt Romanowski.

Mit ihren Positionen rennen die beiden Kandidaten bei der Stadt ohnehin offene Türen ein, aber offenbar auch bei vielen Händlern. Riethmüller jedenfalls ist optimistisch: „Ich glaube, dass wir die Mehrheit des HGV dazu bekommen, dass sie uns sogar begeistert unterstützen.“ Bei einem Wahlergebnis von unter 70 Prozent will er gar nicht erst annehmen. Romanowski nennt keine Zahl, setzt aber ebenfalls einen klaren Rückhalt für seine Inhalte voraus.

Beide wollen auch Händler aus der Altstadt-Initiative für den HGV gewinnen. Deren Aktion mit gelben Plakaten „hat unabhängig vom Inhalt immerhin Politik wie HGV wachgerüttelt“, umgarnt Riethmüller die Teilnehmer und strebt an, die HGV-Mitgliederzahl bis Mitte 2013 von 160 auf 200 steigern zu können. Und wenn sich auch die Gemeinderatsfraktionen begeistern ließen, dann, so hofft der HGV-Vorstand, könnte schon 2013 eine Fußgängerzone um die Neue Straße entstehen und könnten die Lieferzeiten eingeschränkt werden.

Neustart für den HGV
Neustart für den HGV

Neustart für den HGV
Christian Riethmüller (r.) und Jörg Romanowski.

Christian Riethmüller ist Geschäftsführer der familiengeführten Buchhandlung Osiander. Im Vorstand des HGV ist er seit zehn Jahren. Im Frühjahr kündigte der 37-Jährige an, bei den Vorstandswahlen im Oktober nicht mehr antreten zu wollen, weil er mit den politischen Positionen keinen Erfolg habe. Nun hat der Händler umgedacht.
Jörg Romanowski ist Projektleiter der Werbeagentur Uhland 2. Der gebürtige Tübinger ist seit acht Jahren im HGV. Der 46-Jährige hat durch seine Arbeit schon lange viel mit dem Stadtmarketing zu tun.

Der neue HGV-Vorstand wird auf der Hauptversammlung am 23. Oktober gewählt. Er kann aus zwei oder drei Personen bestehen. Ihm steht ein größerer Beirat zur Seite.

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21.07.2012, 12:00 Uhr

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