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Rakete für den Rektor

Neustettens Schulleiter Martin Kuohn wurde in den Ruhestand verabschiedet

28 Jahre lang war der Musik- und Naturbegeisterte Martin Kuohn Rektor der Grundschule Neustetten. Am Montag wurde er mit großem Bahnhof verabschiedet.

29.07.2014
  • Frank Rumpel

Neustetten. Normalerweise, sagte Martin Kuohn, der sich auf der Bühne gerade das Akkordeon umgeschnallt und kurzerhand zum Mikrophon gegriffen hatte, spiele er ja nur Volkslieder. Dass er nun ausgerechnet bei seiner eigenen Verabschiedung mit seiner vielköpfigen Mundharmonika-AG das Kirchenlied „Amazing Grace“ anstimmte, fand er dann doch erklärungsbedürftig. Eine „erstaunliche Gnade“, wie der Titel des Liedes übersetzt lautet, sei es, wenn der Enkel mit einem auf die Bühne könne, „wenn man 28 Jahre lang Schulleiter an seinem Heimatort sein darf, ohne dass in dieser Zeit etwas Schlimmes passiert wäre“. Eine Gnade, sagte Kuohn, sei es auch, im Kalten Hof in Wolfenhausen aufgewachsen zu sein und es bis zum Schulleiter gebracht zu haben. „Das war mir nicht in die Wiege gelegt.“ Dann trat er mit dem Rücken zum Publikum vor seine Gruppe und zusammen spielten sie „Amazing Grace“.

Die Gemeinde hatte zur Verabschiedung in die Stäblehalle geladen. Gut 250 Gäste waren gekommen. Entsprechend voluminös klang dann auch die Rakete, zu der Schulamtsdirektor Roland Hocker die anwesenden Kinder und mit ihnen das Publikum animierte. Sie klatschten, trampelten mit den Füßen und johlten. „Ich habe Sie als einen sehr engagierten Mann kennengelernt“, sagte Hocker und erntete etwas später beim Publikum sachte Empörung, als er meinte: „Wir brauchen drei Frauen, um Sie zu ersetzen.“ Denn Kuohns Stelle bleibt vorerst vakant. Die Leitung übernehmen für ein Jahr kommissarisch die Lehrerinnen Karin Sauter, Ruth Wahl und Monika Körner.

Einer der damals jüngsten Schulleiter in der Region sei Martin Kuohn gewesen, als er im September 1986 mit 35 Jahren die Stelle als Rektor an der Grundschule Neustetten antrat, sagte Bürgermeister Gunter Schmid. Zuvor sei die Stelle 18 Monate unbesetzt gewesen. Neben Kuohn, der zunächst Mechaniker gelernt und erst danach auf Lehramt studiert hatte, bewarb sich seinerzeit noch ein erfahrener Kollege auf die Stelle. Der aber hatte im Gemeinderat keine Chance gegen ein ausschlaggebendes Argument: Kuohn stammte aus einer „Stäblesfamilie reinsten Wassers“. So hat es Schmid in den alten Protokollen nachgelesen. Kuohn trat seine Stelle als Rektor an, wurde aber zunächst wie ein Lehrer bezahlt. Erst drei Jahre später hob das Besoldungsamt das Gehalt an. Da waren die Schülerzahlen von 124 im Jahr 1986 auf rund 200 gestiegen. Heute sind es wieder 115.

1000 Neustetter gingen bei ihm zur Schule

Schmid lobte die gute Zusammenarbeit mit Kuohn, den er immer als pflichtbewussten Rektor erlebt habe. „Ihr Weggang ist eine Zäsur in der Chronik unserer Schule, die sie stark geprägt haben“, sagte Schmid. So entwickelte Kuohn etwa die beiden Schulprofile Umwelt und Musik mit. Wenn man mit 35 Kindern pro Jahrgang rechne, seien in Kuohns Amtszeit rund 1000 Neustettener durch seine Schule gegangen. „Das sind rund 30 Prozent der hiesigen Bevölkerung“, meinte Schmid und ergänzte: „Ihr Name bleibt mit der Grundschule verbunden.“ Dafür sorgt Kuohn zunächst noch selbst, denn ab Herbst will er „mit denen, die großes Interesse haben“, weiter mit der Mundharmonika üben. „Ich hatte das nicht vor“, sagte der 63-jährige auf der Bühne. „Da ist mein Sendungsbewusstsein mit mir durchgegangen.“ Aber das Musizieren sei ihm nun mal so wichtig, dass er dafür noch ein bisschen länger dableibe.

Kuohns ehemaliger Kollege Wolfgang Pantalitschka, der die Kreuzerfeld Grundschule leitete, hielt eine pointierte Rede auf die Schwierigkeit, im Rektorenberuf das richtige Maß zu finden. Elternbeiratsvorsitzende Regine Katz überreichte als Geschenk eine Musikreise nach Slowenien. Die, sagte Kuohn noch am selben Abend, werde er gerne antreten. Pfarrer Matthias Steinhilber übermittelte seinen Segensvers mit der Posaune. Bei einem Rätsel der Natur-Ag musste Kuohn unter anderem den Standort eines Laubhaufens bestimmen, lag richtig und die Schülerin sagte: „Sie sind nicht nur im Rechnen gut.“ Dazu gab’s reichlich Musik, bevor das Publikum nach gut zwei Stunden ans kalte Buffet strömte.

Neustettens Schulleiter Martin Kuohn wurde in den Ruhestand verabschiedet
Martin Kuohn nahm bei seiner Verabschiedung seinen 17 Monate alten Enkel David mit auf die Bühne. Bild: Rumpel

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29.07.2014, 12:00 Uhr

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