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Ganz Unten

Nicht der Mensch, die Technik versagt

Es ist an der Zeit, den Menschen vor der Technik in Schutz zu nehmen. Wenn irgendwo etwas schiefgeht, denkt doch jeder gleich: Oh Mann, der Mensch hat’s mal wieder nicht geblickt. Dabei verhält es sich in Wahrheit umgekehrt: Die Technik hat’s nicht geblickt. Dabei glaubt kein Mensch mehr an die „technischer Defekt“-Durchsagen der Bahn.

14.11.2014

Insgeheim sieht jeder den Menschen als Verursacher der Bahnverspätungen. Doch alles wäre besser, wenn sich die Technik ein Beispiel am Menschen nähme und öfter mal nachdenken würde, dann würde sie sich und dem Menschen das Leben erleichtern.

Ein Beispiel, selbst erfahren: Die Kfz-Haftpflichtversicherung wollte plötzlich fast den doppelten Betrag von mir. Dabei hatten die Menschen, die das Auto nutzten, im vergangenen Jahr keinen Schadensfall produziert. Die Versicherung wusste das und belohnte dieses menschliche Nicht-Versagen mit einer niedrigeren Prozentzahl. Statt 48 Prozent wie 2014 sollte der über die Schadenfreiheitsklasse (SF) berechnete Beitrag für 2015 nur noch bei 45 Prozent liegen. Im Tabellen-Slang: Ich war von SF 4 nach SF 5 aufgestiegen. Das aber spiegelte sich nicht im Beitragssatz wider. Statt 393,14 Euro (2014) sollte ich nun 762,99 Euro (2015) zahlen.

Beim Durchforsten des Kleingedruckten kam ich auch nicht weiter, sondern versackte zwischen „Typenklassenzuordnung“, „Schadensbedarfsindexwert“ und „Deckungsänderungen“. Kein Mensch, höchstens ein technifizierter Unmensch, denkt sich doch solche Wörter aus! Nur einen Passus übersprang ich bei der Lektüre. Er war mit „Tarifierungsmerkmale“ überschrieben. Ich las ihn nicht, weil ich meinte, da habe sich außer dem in Normaltempo fortschreitenden Alter der Fahrer nichts geändert. Ein entschuldbarer Fehler, wie ich finde.

Der Sachbearbeiter musste mir das Ganze also telefonisch erklären. Und er erklärte es völlig logisch. Er stellte nämlich fest, dass einer der angegebenen Fahrer im nächsten Jahr ein Alter erreicht, das eine andere Berechnungsgrundlage erfordere. 2014 sei dieser Fahrer nämlich erst 16 Jahre alt gewesen, während er nun 2015 mit 17 Jahren in das „begleitete Fahralter“ eintrete. Das erhöhe den Tarif.

Der Sachbearbeiter wurde im Verlauf des Gesprächs leicht pampig. Für die Regeln könne er nichts, das entnehme er alles nur dem Computer. Und wie sollte der Sachbearbeiter auch wissen, wer wann mit meinem Auto fährt! Wenn also der Computer dem Halter für einen 16-jährigen Fahrer weniger Geld abknöpft als für einen 17-jährigen, dann sei das nicht riegeldumm, sondern entspreche statistischen Berechnungen. Schließlich einigte ich mich mit meinem Gesprächspartner auf einer schönen menschlichen Ebene auf einen Zahlendreher-Fehler des Computers. Das Geburtsjahr des Fahrers ist nämlich nicht 1998, sondern 1989. Ein Mensch hätte diesen Unsinn sicher gemerkt! Ulla Steuernagel

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14.11.2014, 12:00 Uhr

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