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Das wahltaktische Kalkül sprach für Lisa Federle

Nicht nur Dettinger CDU-Mitglieder gaben der Tübinger Stadträtin die Stimme

Es waren nicht nur Dettinger CDU-Mitglieder, die ausRottenburg dazu beitrugen, die Tübingerin Lisa Federle zur CDU-Landtagskandidatin zu machen. Auch Leute wie Winfried Löffler, GabrieleHagner oder Gunther Diehl warben für Federle.

28.09.2010
  • GErt fleischer

Rottenburg. Oberbürgermeister Stephan Neher und weitere CDU-Mitglieder erwägen, die Bodelshäuser Wahl anzufechten (siehe erste Lokalseite). Dass Dettingen die Wahl entschied, wie es Roland Doschka am Freitagabend nach der Wahl gesagt haben soll, als der Baisinger Ortsvorsteher Horst Schuh knapp gegen Federle unterlag, ist zahlenmäßig möglich: Dettingen war mit 19 seiner 23 CDU-Mitglieder vertreten, Federle siegte mit 11 Stimmen Vorsprung.

„Dettingen war stark vertreten, und die Wahl war geheim“, sagte Doschka gestern zurückhaltend. Er hatte für Federle Stimmung gemacht. Ihr Lebenslauf imponiere ihm und auch, wie sie bei den Menschen ankomme. „Ich traue ihr zu, im Wahlkampf zu punkten.“ Er selbst habe „mit der Tübinger Intelligenzia gestimmt“, mit Leuten wie Staatssekretär Hubert Wicker, Klinikchef Michael Bamberg, dem Chemiker Walter Jäger. Taktisches Kalkül stecke dahinter, sagte Doschka, „ich bin froh, dass wir in Dettingen die Tendenz dazu hatten.“

Mindestens zwei Dettinger waren für Schuh: Ortsvorsteher Hubert Walz und Dierk Albus, stellvertretender Vorsitzender im neuen CDU-Ortsverband Rammert. Albus ist aber nach der Wahl zum Federle-Unterstützer geworden. „Es geht um die CDU“, sagte er. Ihrem Auftritt in Bodelshausen zollte er „Hochachtung – sie war lockerer“.

Walz war es überhaupt nicht recht, dass es so aussieht, als hätte der Stadtteil Rottenburger Interessen verraten. „Ich halte das für unseren Ort für fatal“, meinte er zu diesem Signal; „ich muss diesen Makel wegkriegen.“ Als Ortsvorsteher fürchtet Walz, dass sein Flecken schlecht wegkommen könnte, da doch die CDU die stärkste Fraktion ist und weil auch der OB für Schuh war. Walz ist mit Schuh befreundet und habe ihn gewählt. Er halte aber auch Federle für eine integre Person, „als Polizist weiß ich, wie gut sie als Notärztin ist“.

Walz bedauerte, dass Schuh und Federle schließlich „so scharf gegeneinander standen“. Der Kreisvorsitzende Klaus Tappeser habe es „hervorragend gemacht“, habe sich jeglicher Empfehlung für Federle oder Schuh enthalten. Doch dies, so Walz, „hat uns die Entscheidung schwer gemacht – viele hätten gern ein Signal gehabt“.

Mehr Signale scheinen aus allen Regionen der Partei gekommen zu sein, und das offenbar verstärkt pro Federle. Dass der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel sie selbst ermuntert habe, erneut zu kandidieren, habe sie bewusst erst nach ihrer Wahl gesagt, so Federle gestern. Sie sei befreundet mit ihm, war schon bei ihm zu Hause zum Kaffee. Aber sie wollte es dann doch gesagt haben, um denjenigen, die sie verbal durch den Schmutz gezogen hatten, zu demonstrieren, dass selbst so ein gradliniger Politiker wie Teufel zu ihr steht.

Sie habe vier Kinder von vier verschiedenen Männern, sie habe ein Verhältnis mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, sie sei eine Schlampe – von diesem Kaliber war es, was gegen Federle kolportiert wurde. Verschiedene Mitglieder bestätigen, dass es solche Entgleisungen gab. „Unqualifizierte, bodenlose Unterstellungen“ nannte Gunther Diehl solche Aussagen. Dieses „ganz gewisse Umfeld“ habe nicht versucht, nach der Wahrheit zu forschen.

Er selbst, sagte Diehl, habe Federle aus guten Gründen gewählt: „Ich verspreche mir, dass sie für den gesamten Wahlkreis möglicherweise mehr Stimmen sammeln kann. Mit Doschka habe er beim Wurmlinger Weinfest beobachtet, dass Federle „an jedem Tisch, an dem sie vorbei kam, Leute kennt und die Leute sie grüßen. Das ist die Diskrepanz zwischen Delegiertenmeinung und Wählerschaft.“ Da habe gedacht: „Die Frau bringt Schwung rein.“

„Rein wahltaktisch“, nicht auf die Personen bezogen, begründete auch Alt-OB Winfried Löffler, weshalb er Lisa Federle empfahl. Der Artikel am Samstag im TAGBLATT, dass der Wahlkreis Tübingen für die CDU gefährdet sei und das Direktmandat an die Grünen gehen könnte, habe ihn nur bestärkt, nicht an Personen zu denken, sondern an die CDU. Löffler: „Für mich ist immer das beste Ergebnis entscheidend, regionale Gesichtspunkte sind zweitrangig.“

Gabriele Hagner ist CDU-Stadträtin, Stimmenkönigin und ehrenamtliche Stellvertreterin des OB in Rottenburg. Sie wählte Federle. Sie habe ihr bereits ihre Unterstützung zugesagt, bevor Schuh seine Kandidatur erklärte. Sie sei überrascht gewesen von ihrer Ausstrahlung, von ihrer Art. Federle sei „einfach prädestiniert“ für diesen Posten unter dem Gesichtspunkt, Wählerstimmen einzufangen. Eventuell mangelnde politische Erfahrung könne sie ausgleichen: Wenn sie, Hagner, sich Federles Vita ansehe, wie sie das wurde, was sie ist, dann sage sie sich: „Die Frau hat was los.“

Nicht nur Dettinger CDU-Mitglieder gaben der Tübinger Stadträtin die Stimme
Roland Doschka

Nicht nur Dettinger CDU-Mitglieder gaben der Tübinger Stadträtin die Stimme
Winfried Löffler

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28.09.2010, 12:00 Uhr

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