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Große Solidarität mit dem zweijährigen Rottenburger

Nicht nur der kleine Berat könnte von Typisierungsaktion profitieren

624 Menschen kamen am Samstag in die Rottenburger Festhalle, um sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Viele von ihnen waren türkischer Abstammung. Anlass war der zweijährige, an Thalassämie erkrankte Berat.

12.10.2014
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Die Stimmung am Samstag in der Festhalle erinnerte eher an ein türkisches Fest als an eine Registrierungsaktion für lebensbedrohlich erkrankte Menschen. Die Leute saßen an den Tischen im Foyer und aßen Kuchen. Das Kuchenbüfett war so reichhaltig, dass es bis um 16 Uhr nicht geleert werden konnte.

Berats Mutter Dilek Güney strahlte über das ganze Gesicht. „Ich bin happy“, sagte sie. Mit so vielen hilfsbereiten Menschen hatte sie nicht gerechnet. An fast allen Tischen sowohl zur Datenerfassung als auch zur Blutabnahme saßen mögliche Stammzellspender. Etwa fünf Minuten dauerte das ganze Prozedere. Dann rückten schon die nächsten nach.

Viele von ihnen kennen die Familie Güney persönlich. Unermüdlich hatte die Mutter mit zahlrechen Verwandten und Freunden für diese Registrierungsaktion geworben. Sogar in Reutlingen und Tübingen hatte sie Plakate mit dem Bild ihres Sohnes aufgehängt. Sie war auch dafür verantwortlich, die Helfer hinter den Tischen zu organisieren. Mehr als sechzig seien es geworden, sagte sie.

Auch Heinke Scholdai-Taut von der DKMS war von der „tollen Resonanz“ und den vielen ehrenamtlichen Helfer angetan. „Sie bekommen nichts dafür, außer ein gutes Gefühl“. Ein Anliegen der Aktion in Rottenburg war es, Menschen mit türkischer Abstammung auf die Möglichkeit einer Spende aufmerksam zu machen. Es sei ganz wichtig, dass Menschen dieser Kulturgruppe sich bereit erklärten, Stammzellen zu spenden, sagte sie. Bisher bestehe noch ein Missverhältnis zwischen der Zahl der in Deutschland erkrankten Türken und möglichen Spendern.

Am Samstag überwog die Anzahl der Spendewilligen mit türkischer Herkunft die derer aus anderen Nationen. Man stehe nicht gut da, wenn man die Familie kenne und nicht komme, sagte Helfer Kemal Burgazli. Dabei wäre es ihm lieber, wenn die Kultur bei der Spendenbereitschaft gar keine Rolle spielte. „Mensch ist Mensch“, sagte er und bezeichnete sich als ein in Deutschland Geborener mit türkischer Abstammung. Es müsste viel öfter solche Aktionen geben, findet er. Es gehe nur um etwas Gutes. „Da ist nichts Schlechtes dabei.“

Sven Sinner hatte von der Typisierungsaktion über Facebook erfahren. Er fand die Aktion so gut, dass er noch ein Dutzend Vereinskameraden des Flugsportvereins Rottenburg-Horb – „alle jung und gesund“ – motivierte, mitzukommen. War es schlimm? „Nö“, sagte er. Sollte er als Spender passen, müsse er sich mehr Gedanken machen. „Aber das passt dann auch.“

Es seien sogar Menschen da gewesen, die Angst vorm Blutabnehmen hatten, sagte Monika Riempp, die Blut abnahm. „Ich finde toll, dass sie trotzdem kommen.“ Umso größer sei die Chance, einen Spender zu finden, sagte sie. Die Arztpraxis, in der sie arbeitet, habe für einen Patienten auch schon mal eine Registrierung organisiert. Damals sei kein passender Spender gefunden worden. Das Kind starb. Die medizinische Fachangestellte schaffte am Samstag sechs Stunden ehrenamtlich. Für einen guten Zweck mache es ihr nichts aus, ihre Freizeit zu opfern, sagte sie.

Berats Onkel Mustafa Güney hielt das Geschehen in der Festhalle mit der Digitalkamera fest. Es seien sogar Spendewillige von Daimler und aus zahlreichen Fußballvereinen gekommen, sagte er. Diesen Erfolg will er zeigen. Er stellt die Bilder auf die gängigen Plattformen und will damit auch junge Menschen über die Möglichkeit der Stammzellenspende informieren. Es brauche viele helfende Hände, sagte er. „Eine Hand wäscht die andere.“

Info Jede Typisierung kostet die DKMS 50 Euro. Am Samstag kamen 8000 Euro zusammen. Das Spendenkonto bei der VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten läuft weiter: IBAN: DE80 6406 1854 0230 5790 00

Nicht nur der kleine Berat könnte von Typisierungsaktion profitieren
Arzthelferin Antonella Faggiano nahm Basri Avci bei der Registrierungsaktion für Stammzellenspender in der Festhalle Blut ab.Bild: Sommer

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12.10.2014, 12:00 Uhr

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