Bundestagskandidatur

Michael König: „Nicht nur meckern, sondern anpacken“

Der junge Horber Michael König ist eigentlich Unternehmer. Warum will er im September für die FDP in den Bundestag einziehen? Wir haben nachgefragt.

12.08.2021

Von Benjamin Breitmaier

Interview mit dem FDP-Bundestagskandidaten Michael König
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Michael König, 28 Jahre alt, Unternehmernatur. Seit 2019 sitzt er im Horber Gemeinderat. Jetzt strebt er ein Bundestagsmandat an. Mit dem Listenplatz 19 – 2017 konnte die FDP ihre Leute aus dem Land bis Listenplatz 12 ins Parlament schicken – dürfte das zwar schwer werden, einen ordentlichen Versuch wagt König trotzdem.

14:21 min

Michael König, 28 Jahre alt, Unternehmernatur. Seit 2019 sitzt er im hier Gemeinderat. Jetzt strebt er ein Bundestagsmandat an. Mit dem Listenplatz 19 (2017 konnte die FDP ihre Leute aus dem Land bis Listenplatz 12 ins Parlament schicken) dürfte das zwar schwer werden, einen ordentlichen Versuch wagt König trotzdem.

SÜDWEST PRESSE: Lieber Michael, wir fangen mit einem Gedankenspiel an. Wir stellen uns vor, ich bin die 18-Jährige Yara, wir stehen an einer Bushaltestelle in Horb, der Bus kommt in zwei Minuten. Wie überzeugst Du mich, Dich im September zu wählen.

Michael König: Hi Yara, ich kandidier jetzt für den Bundestag im September. Wie du siehst, bin ich auch noch recht jung; mir ist es wichtig, dass wir was für die junge Generation tun. Mir ist es wichtig, dass wir allen den gleichen Zugang zu Bildung geben können. Dass jemand frei entscheiden kann, was er machen möchte, und auch wenn er später sich für etwas entscheidet, den Mut aufbringt, was Eigenes auf die Beine zu stellen, und auch mal scheitert, dass er dann wieder aufgefangen wird und wieder Gas geben kann. Für mich ist ganz wichtig, dass man sein Leben freiheitlich gestalten kann.

Lass uns noch eine klassische Vorstellungsrunde machen, du hast zwei Minuten …

Ich bin gelernter Physiotherapeut, mittlerweile eher Unternehmer in Horb am Neckar. Ich hab auf der Hauptschule begonnen, hab dann nach der Mittleren Reife die Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht, und irgendwann 2019 bin ich auf die Idee gekommen, mich politisch zu engagieren. Ich bin dann auch in den Horber Gemeinderat gewählt worden und versuche, mich politisch einzubringen, und hoffe, dass ich das dann auch ab September bundesweit tun kann.

Gab es denn ein Ereignis, das dich politisiert hat?

Ich bin ein Mensch, der gerne Lösungsvorschläge bietet,und ich bin oft ins Rathaus gegangen und hab mit Leuten aus der Politik gesprochen und vorgeschlagen: Mach das so, oder mach das so, das läuft blöd, kuck mal, dass das anders läuft. Das passt nicht und das passt nicht. Doch ich bin ein Mensch, der nicht nur meckern will, sondern bei mir ist es so, dass ich dann selber anpacke. Dann hat jemand zu mir gesagt: Hey du hast geile Vorschläge, aber ich krieg das nicht umgesetzt, mach du das doch. Dann hab ich gedacht, okay, das ist ein guter Gedanke. Jetzt versuche ich selbst, mich politisch zu engagieren. Das das hat gleich geklappt.

Die Frage eines jüngeren Horbers will ich dir einfach mal vorlesen: „Warum willst du als junger Mensch überhaupt in diesen Lackladen in Berlin, reicht dir der Horber Gemeinderat als Instrument der Selbstgeiselung nicht?“ Was sagst du ihm?

(lacht) Das ist eine gute Frage, aber Spaß beiseite. Bei mir ist es so, ich habe im Leben viel Glück gehabt. Ich habe eine Familie, die mich immer unterstützt hat. Ich weiß, wie es ist, in ärmeren Verhältnissen aufzuwachsen. Ich weiß, wie es ist, wenn Leute nicht an einen glauben, ich weiß wie es ist, sich dagegen zu wehren und einfach selber für sein Glück zu sorgen. Ich möchte den Kindern, den Jugendlichen und Erwachsenen etwas mitgeben, dass sie sagen: Man muss an seinen Traum glauben und darf sich nicht von äußeren Einflüssen beeinflussen lassen. Alles ist möglich, wenn man die nötige Unterstützung hat, das haben aber nicht alle Menschen. Ich möchte in der Bundespolitik dafür sorgen, dass alle Menschen die gleiche Unterstützung erhalten, egal aus welchen Schichten sie kommen. Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu werden und auf ein selbstbestimmtes Leben.

Was war denn dein größter Misserfolg?

Es gab jetzt nicht den einen Misserfolg, aber es gab so Sachen, die mich geprägt haben. Das hat bei mir in der Hauptschule angefangen. Ich hab da schon gesagt: Ich will Physiotherapeut werden, dann hat mein Lehrer gesagt: Das wirst du nie im Leben.

Warum?

Ich war nicht der beste Schüler. Ich war zwar im Sport sehr gut, aber in Fächern wie Mathe, Deutsch und Physik eher befriedigend bis ausreichend. Da hat er gesagt, mein Leistungsniveau reicht nicht aus, um Physiotherapeut zu werden. Ich hab ihm damals gesagt: Mach dir keine Sorgen, das werd ich schon schaffen. Ich hatte damals das Selbstbewusstsein, das so zu machen, aber andere Leute vielleicht nicht. Das war ein Knackpunkt im Leben, bei dem ich mir gesagt hab: Man kann alles schaffen, und ich werd mir nie wieder von irgendjemand was sagen lassen. Und klar, als Unternehmer gibt es jede Woche Niederlagen. Sachen die nicht klappen, wie man will. Ich hab schon 50 Sachen angefangen, davon sind 40 nicht gelungen. Davon weiß auch keiner, das ist vielleicht besser so (lacht). Aber zehn Sachen haben geklappt. Niemand sieht immer die Sachen, die nicht geklappt haben, die mir schlaflose Nächte bereitet haben. Leuten, denen ich davon erzählt habe, die haben sich manchmal sogar gefreut, dass Sachen nicht geklappt haben. Es fehlt hier in Deutschland manchmal an einer Kultur, dass, wenn man mal verliert, dass man den anderen nicht fertig macht.

Noch ein Gedankenspiel

O je (lacht) ...

Nehmen wir an, wir sind 15 Jahre in der Zukunft, du machst einen Spaziergang durch Horb und bist seit 15 Jahren Bundestagsabgeordneter, du schaust dich hier um. Was hast du verändert? Woran hast du mitgearbeitet, etwas besser zu machen für den Kreis Freudenstadt?

Ich sehe eine der schönsten Städte der ganzen Region, ich sehe ein verkehrsberuhigtes Horb, ich freue mich auf eine belebte Innenstadt mit Einzelhandel, mit Gastronomie, ich sehe sehr viele junge Menschen, ich sehe auch Sportangebote für junge Menschen, ich sehe Angebote für junge Menschen, die ihre Zeit gerne in Horb verbringen, und ich sehe ganz viele Möglichkeiten, um sich hier zu verwirklichen, auch, dass es Möglichkeiten für Start-ups gibt, für Familien zum Wohnen und natürlich auch ganz viele Möglichkeiten für Vielfalt in der Stadt.

Die ruhige Innenstadt, Stichwort Hochbrücke, war ja das Thema für den scheidenden MdB Hans-Joachim Fuchtel. Hast du dir mal Gedanken gemacht, was dein großes Thema sein könnte?

Für mich ist es wichtig, dass man den kleinen Einzelhandel nicht vergisst. Für mich ist in einer Innenstadt wichtig, dass Menschen dort leben und arbeiten. Das eine Innenstadt mit Leben gefüllt ist.

Was kann man da als Bundestagsabgeordneter machen?

Man muss dafür sorgen, dass die Einstiegshürden nicht zu hoch sind, wenn man beispielsweise einen kleinen Laden aufmachen will. Thema Bürokratie, wenn man sieht, was es braucht, um ein Gewerbe anzumelden, das könnte alles viel einfacher funktionieren. Ich hoffe, dass ich da angreifen kann, dass man die Bürokratie deutlich vereinfacht.

Wir haben ja im Kreis Freudenstadt, auch im Kreis Calw das Problem, dass junge Menschen in Scharen davonlaufen. Was kann die Bundespolitik tun, um den ländlichen Raum auch für junge Menschen attraktiver zu gestalten?

Wir haben hier im Kreis Freudenstadt und im Kreis Calw die besten Möglichkeiten für Entwicklung. Es wird immer so bleiben, dass junge Leute gerne zur Ausbildung oder zum Studium in Städte wie Stuttgart oder Berlin ziehen. Das Wichtige ist, dass sie wieder zurückkommen. Man muss ihnen zeigen, okay, hier gibt es Möglichkeiten für bezahlbaren Wohnraum, hier können sie mit ihrer Familie gut leben, hier gibt es ein gutes Bildungssystem, die Kinder sind hier gut aufgehoben. Darauf müssen wir setzen.

Das kostet viel Geld. Was spricht denn dagegen, beispielsweise die Gehälter von Pflegerinnen und Pfleger durch einen Bruchteil der Aktiengewinne von Milliardären zu finanzieren? Stichwort: Vermögensteuer.

Ich glaube, das ist nicht zielführend. Wenn man Beispiele aus anderen Ländern nimmt, gehen gerade die Leute, die die Aktienanteile haben, ins Ausland und suchen sich andere Möglichkeiten, wo sie ihr Geld parken können, am Ende verlieren wir eher noch Steuereinnahmen. Die meisten haben gar kein Problem damit, mehr Steuern zu zahlen. Sie wollen aber, dass sie gezielt eingesetzt werden. Beispiel: Autobahnmaut. Da denken sich die Leute, okay die zahlen viele Steuern, dann wird das verbraten, aber wenn wir jetzt sagen, wir nehmen einen gewissen Teil der Steuern und setzen das in der Bildung ein, ins Soziale direkt, dann wäre das okay. Ich glaube, dass viele einfach ein Problem mit Steuerverschwendung haben. Wenn es zum Beispiel das Schwarzbuch der Steuerverschwendung nicht mehr geben würde, dann wäre die Bereitschaft noch viel höher.

Kleines Blitzquiz: Wie heißt der oder die Kandidat oder Kandidatin der Linken für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt?

Gibt’s da schon einen?

Ich finde Annalena Baerbock stark, weil ...

... weil sie jetzt als relativ junger Mensch vieles erreicht hat, und wenn ich sehe, dass sie sich als Kanzlerkandidatin in dem Business Politik so hochgearbeitet hat, ist das wirklich eine Leistung.

Kurzfragen

Langhantel oder Kurzhantel?

Kurzhantel

Kubicki oder Lindner?

Kubicki

Grüne oder CDU

CDU

Der Markt regelt alles außer?

Infrastruktur

Lieber selbständig mit 1500 Euro netto im Monat oder angestellt mit 3000?

Selbständig

Lieber das Kapital lesen oder die Bibel?

Das Kapital

Flipflops oder Doc Martens?

Flipflops

Wir können alles außer?

Planwirtschaft

Was hat Horb, was Berlin nicht hat?

Die Menschen, die hier leben.

Bild: Karl-Heinz Kuball

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Erstellt:
12. August 2021, 17:00 Uhr
Aktualisiert:
12. August 2021, 17:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. August 2021, 17:00 Uhr

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