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Das Elend am Rande Europas

Nicht nur mit Spenden will eine Initiative den Flüchtlingen in Griechenland helfen

Unter der Krise in Griechenland leidet nicht nur die einheimische Bevölkerung. Viele hundert Flüchtlinge erreichen jeden Tag das Land, das damit völlig überfordert ist. Vielerorts sind die Zustände unhaltbar. Eine Tübinger Initiative sucht nun Freiwillige, um daran etwas zu ändern.

20.07.2015
  • Philipp Koebnik

Tübingen.„Die Situation der Flüchtlinge, gerade auch im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise, ist eine absolute Katastrophe“, sagt Argiris Balomatis im Gespräch mit dem TAGBLATT. Der Tübinger Rechtsanwalt mit griechischen Wurzeln sorgt sich um die Zukunft des krisengebeutelten Landes. Dass nicht zuletzt Flüchtlinge, die in Europa Schutz suchen, massiv unter der gegenwärtigen Krise leiden, erfuhr Balomatis vor einigen Wochen aus erster Hand.

Das Thema Flucht und Migration beschäftigt Balomatis seit Längerem. Der Fachanwalt für Familienrecht hat gelegentlich auch mit Asylverfahren zu tun, kennt daher die deutsche und die europäische Rechtslage – und die damit verbundenen Probleme. So ist laut Dublin-III-Verordnung für die Bearbeitung eines Asylverfahrens der Staat zuständig, über den der Flüchtling die EU erreicht hat. „Aber Griechenland hat praktisch keinerlei Strukturen, um all diese Verfahren zu führen, eine ordentliche Unterbringung der Flüchtlinge zu garantieren und so weiter.“ Denn Griechenland sei nie ein Einwanderungsland gewesen – eher umgekehrt, erklärt Balomatis.

Seit ein paar Jahren versuche eine größere Zahl von Schutzsuchenden, vor allem aus den Krisenherden des Mittleren Ostens, über Griechenland nach Europa zu gelangen. Vor ein paar Jahren hat der griechische Staat damit begonnen, einen großen Zaun an der Landgrenze zur Türkei zu errichten. Aus diesem Grund haben sich die Fluchtrouten aufs Meer verlagert – für viele endet die Überfahrt tödlich. „Kaputte Schlauchboote und Schwimmwesten liegen am Strand herum“, erzählt der Anwalt.

„Griechenland ist mit den Flüchtlingsströmen völlig überfordert“, sagt Balomatis. Er konnte das mit eigenen Augen sehen, als er im Mai bei einer Tagung auf der Insel Lesbos war. Da einige ägäische Inseln nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegen, sind sie das Ziel vieler Flüchtender. „Die Dimensionen sind unvorstellbar: Zurzeit erreichen täglich tausend Flüchtlinge allein die Insel Lesbos.“ Kaum anders sehe es auf den Nachbarinseln Limnos, Samos, Kos und Rhodos aus. Mittlerweile stranden mehr Flüchtende in Griechenland als in Italien.

Trotz aller Not der griechischen Bevölkerung zeigen sich viele Einheimische hilfsbereit. So lernte Balomatis Leute kennen, die im Frühjahr eine Initiative gründeten, die sich um Flüchtlinge kümmert. „Dabei geht es vor allem um zwei Dinge: Die Asylsuchenden mit Essen und Trinken zu versorgen und sie in die Hauptstadt der Insel zu bringen, von wo sie aufs Festland verbracht werden.“

Sind die Mittel auch sehr begrenzt, so wurde doch schon einiges erreicht. Die Initiative hat ein Grundstück angemietet, wo nun einige Asylsuchende untergebracht sind. Auch Toiletten und Duschmöglichkeiten wurden eingerichtet. „Dringend benötigt werden außerdem Schuhe, denn die meisten Flüchtlinge haben gar nichts mehr.“ Auch die Sicherheit der eigenen Leute nehmen die Organisatoren ernst. Sie besorgten beispielsweise Handschuhe, damit die Helfer vor ansteckenden Krankheiten geschützt sind, wenn sie verletzte Flüchtlinge berühren.

Balomatis, der auch Vorsitzender der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Tübingen-Reutlingen ist, hat nun ein Projekt ins Leben gerufen, um die Flüchtlingsinitiative zu unterstützen. „Jeweils vier junge Leute sollen für vier Wochen nach Lesbos reisen und in dem Hafenort Molyvos bei der Basisversorgung der Flüchtlinge helfen.“ Unterkunft und Verpflegung sind sichergestellt. Ein paar Interessierte – vor allem Studierende – hätten sich bereits gemeldet.

Um die humanitäre Aktion zu finanzieren, bittet die Deutsch-Griechische Gesellschaft um Spenden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir im August die erste Gruppe runterschicken können.“ Nicht zuletzt, so Balomatis, könnte dieser freiwillige Einsatz junger Deutscher in Griechenland auch dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Griechen und Deutschen zu verbessern. Archivbild: Metz

Info: Spenden kann man auf das IBAN-Konto DE33 6415 0020 0001 6266 27 bei der Kreissparkasse Tübingen, Stichwort: „Flüchtlingshilfe Lesbos“. Potenzielle Helfer wenden sich an die Deutsch-Griechische Gesellschaft.

Nicht nur mit Spenden will eine Initiative den Flüchtlingen in Griechenland helfen
Argiris Balomatis

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20.07.2015, 12:00 Uhr

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