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Leitartikel Krankenkassen

Nicht ohne Verlierer

Privatpatienten haben's leicht. Auf Arzttermine müssen sie nicht so lange warten wie Kassenpatienten. Im Krankenhaus liegen sie im Ein- oder Zweibettzimmer, und der Chefarzt bemüht sich persönlich um sie. Privatpatienten haben's aber auch schwer. Zum Jahreswechsel erhöhen viele private Krankenversicherer ihre Beiträge drastisch, teilweise um dreistellige Beträge pro Monat.

28.12.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Mancher kann sie sich kaum noch leisten.

Doch Mitleid mit Privatversicherten ist nicht der Grund für die SPD – und ähnlich für die Grünen und die Linke –, die Einführung einer Bürgerversicherung zu fordern, also ein Einheitssystem für alle: das der gesetzlichen Krankenkassen. Bei den Bürgern stößt das in Umfragen auf große Sympathie, schon weil die meisten Kassenversicherte sind und sich als Patienten zweiter Klasse fühlen. Doch als Schlager hat sich dieses Thema schon im letzten Bundestagswahlkampf nicht erwiesen. Das dürfte 2017 nicht viel anders sein.

Die merkwürdige Zweiteilung der Krankenversicherung ist nur historisch zu erklären: Ursprünglich waren nur Arbeitnehmer verpflichtet, sich überhaupt für den Krankheitsfall abzusichern. Selbstständige konnten darauf verzichten, was angesichts der Behandlungskosten für manche Krankheiten heute mindestens fahrlässig wäre. Erst vor einem Jahrzehnt wurde endlich eine Versicherungspflicht für alle Bürger eingeführt.

Heute sind etwa 70 Millionen gesetzlich krankenversichert und neun Millionen privat. Die Hälfte der Privatversicherten sind Beamte. Sie müssen – mit besonders günstigen Tarifen – nur den Teil absichern, den die staatliche Beihilfe nicht abdeckt. Das Problem der alternden Bevölkerung gehen beide Systeme ganz unterschiedlich an: Während die gesetzlichen Kassen ihre laufenden Kosten auf ihre Kunden verteilen und keine Vorsorge betreiben, bilden die Privaten Rücklagen für ihre Versicherten. Das ist auch einer der Gründe für die Beitragserhöhungen: Die 200 Milliarden Euro, die sich angesammelt haben, werfen derzeit kaum noch Zinsen ab. Trotzdem könnte dies langfristig der nachhaltigere Ansatz sein.

Auf Dauer birgt die unterschiedliche Behandlung von Kassen- und Privatpatienten zweifellos viel Sprengstoff. Aber zwei Systeme unter einen Hut zu bekommen, ist schwierig. Es ist leicht zu sagen, dass sich alle Berufsanfänger gesetzlich versichern müssen. Aber was ist mit all den vorhandenen Kunden? Private Anbieter in gesetzliche umzubauen, klingt nur in der Theorie einfach. In der Praxis könnte es viele Verlierer geben.

Viel wichtiger wäre es, auf der Leistungsseite anzusetzen. Es ist schwer zu begründen, warum Ärzte oder Krankenhäuser für Privatpatienten deutlich mehr Geld bekommen als für Kassenmitglieder, und das nach ganz unterschiedlichen Systemen. Mediziner behaupten zwar gern, nur durch die höheren Einnahmen könnten sie ausreichend investieren und verdienen. Doch damit sägen sie letztlich an dem Ast, auf dem sie derzeit sitzen, und das recht komfortabel.

leitartikel@swp.de

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28.12.2016, 06:00 Uhr

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