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Diözesanmuseum rüstet sich zum 150-jährigen Bestehen

„Nicht todte Schätze . . .“

Eine kleine Sensation bahnt sich im Diözesanmuseum an. Zum 150-jährigen Bestehen präsentiert dieses Schätze aus seiner Sammlung in einer Sonderausstellung, darunter auch nie gezeigte Werke wie die oben abgebildete Renaissance-Madonna.

02.08.2012
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Angesichts der Madonna mit Kind kommt Diözesankonservator Wolfgang Urban regelrecht ins Schwärmen und spricht sogar von einer „Rottenburger Mona Lisa“. Jahrzehntelang hing das Bild, das zwischen 1520 und 1530 von einem oberitalienischen Künstler gemalt wurde, im Lager des Diözesanmuseums, weil die ständige Ausstellung des Museums auf schwäbische Kunst des Mittelalters ausgerichtet ist.

Vatikanmuseum forscht nach Bildherkunft

Doch nun soll die Rottenburger „Frau mit dem rätselhaften Lächeln“ erstmals in der Sonderschau „Glaubenshorizonte – Sammlungshorizonte“ gezeigt werden, die am 3. Oktober öffnet. Die kunsthistorischen Nachforschungen nach der Herkunft des Bildes laufen auf Hochtouren, auch der stellvertretende Direktor des Vatikanmuseums, Prof. Arnold Nesselrath, ist darin eingeschaltet. Laut Urban vermutet er in Jacopo da Pontormo (1494 bis 1557) den Urheber, einen der Hauptvertreter des Florentiner Manierismus. Wie viele andere Kunstwerke kam das Bild als Schenkung in den Besitz des Diözesanmuseums. Das aus einer Medici-Villa stammende Gemälde wurde Bischof Carl Josef von Hefele zu seiner Wahl 1869 von privater Seite gestiftet.

Die Wurzeln des Diözesanmuseums reichen indes viel weiter zurück. Bereits seit 1835 trug der Wurmlinger (bei Rottweil) Pfarrer und Dekan Georg Martin Dursch eine umfangreiche Sammlung an Bildern und Skulpturen zusammen. Dadurch fühlte sich der bedeutende Tübinger Pastoraltheologe Johann Baptist Hirscher seinerseits zu drei großen Sammlungen mittelalterlicher Kunst angeregt, von denen heute noch Exponate in den Museen von Berlin, Stuttgart, Karlsruhe und Nürnberg existieren.

1862 erwarb der damalige Rottenburger Bischof Joseph von Lipp 62 Gemälde aus dieser Sammlung und neun Skulpturen für seinen Privatbesitz. Das war die Geburtsstunde des Diözesanmuseums – damals noch untergebracht im ehemaligen Jesuitenkolleg –, die nun gefeiert wird.

Längst hat das Rottenburger Diözesanmuseum, das 1996 zusammen mit der Diözesanbibliothek in die ehemalige Karmeliterkirche umzog, einen national und international wohlklingenden Namen. Es verfügt über einen Gesamtbestand von rund 3000 Objekten klerikaler Kunst – Bilder, Kultgegenstände aus Silber und Gold, Münzen, Reliquien und Objekte der Volkskunst. Bedeutende Ausstellungen waren in Rottenburg schon zu sehen wie jene über Martin von Tours im Jahr 1999 oder, 2005, eine Ausstellung von Ikonen des Belgrader Nationalmuseums. Bilder aus dem Diözesanmuseum wiederum wurden an Museen in ganz Europa ausgeliehen.

Neuer Bestandskatalog erscheint zum Jubiläum

Neu herauskommen soll zum Jubiläum auch ein Bestandskatalog des Museums, in dem alle Bilder und Gegenstände verzeichnet und wissenschaftlich beschrieben sind. Daran arbeiten derzeit Diözesankonservator Wolfgang Urban und die Kunsthistorikerin Melanie Prange, die zusammen auch die Sonderausstellung vorbereiten. In dieser sollen Gemälde und Skulpturen aus der Zeit von 1250 und 1550 unter religiös-thematischen Aspekten gezeigt werden – denn dies sei der Entstehungszusammenhang der Werke, so müssten diese entschlüsselt werden, meint Wolfgang Urban.

Auf jeden Fall können sich die Besucher darauf einstellen, dass sie die Bilder des Diözesanmuseums in neuen, überraschenden Blickrichtungen und Kontrastierungen präsentiert bekommen. Damit nehmen Urban und Prange eine Devise des früheren Rottenburger Bischofs Paul-Wilhelm von Keppeler auf, der 1894 schrieb, dass im Diözesanmuseum „nicht todte Schätze . . . aufgestapelt werden“ sollen und der Musentempel keine „Todtenkammer alter Kunst“ sein solle.

„Nicht todte Schätze . . .“
Wolfgang Urban und Melanie Prange zeigen eine italienische Madonna aus der Frührenaissance, die erstmals im Diözesanmuseum ausgestellt wird. Bild: Eisele

„Glaubenshorizonte – Sammlungshorizonte“ heißt die Ausstellung zum 150-jährigen Bestehen des Diözesanmuseums, die am 3. Oktober eröffnet wird. Sie zeigt Gemälde und Skulpturen aus der Zeit von 1250 und 1550 unter thematischen Aspekten.
Zugleich mit der Ausstellungseröffnung findet in der Rottenburger Festhalle ein Festakt mit Bischof Gebhard Fürst und 700 geladenen Gästen statt.

Parallel zur Ausstellung gibt es eine kunsthistorische Vortragsreihe. Zwei der Vorträge – einer über die Herstellung von Tafelgemälden und gefassten Skulpturen im Mittelalter am 27. September und ein weiterer am 22. Januar 2013 über die Theologie in den Bildern des Diözesanmuseums – finden in Rottenburg statt.

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02.08.2012, 12:00 Uhr

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