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Nichts als die Wahrheit
Esperanza Aguirre. Foto: afp
Spanien

Nichts als die Wahrheit

Ein Politiker, der lügt, muss zurücktreten!" Das sind so Sätze, die Politiker ihren Gegnern vorhalten, wenn sie sich stark fühlen. Esperanza Aguirre, die Vorsitzende der konservativen Volkspartei (PP) in Madrid, ging noch weiter. "Sagen Sie mir, wann ich gelogen haben soll!", forderte sie vergangene Woche während einer Ratssitzung in Madrid, bei der sie den Rücktritt der Rathaussprecherin Rita Maestre wegen einer Unwahrheit forderte.

05.04.2016
  • MARTIN DAHMS

Und Aguirre beantwortete ihre eigene Frage auch gleich selbst: Kein einziges Mal in 33 Jahren aktiver Politik.

Die gewagte Behauptung war ein gefundenes Fressen für die Twittergemeinde. Esperanza Aguirre ist nicht irgendwer: Die ehemalige Senatspräsidentin, Kulturministerin und langjährige Madrider Regionalpräsidentin ist die einzige PP-Politikerin, die es einmal (wenn auch vergeblich) gewagt hat, ihren Parteichef Mariano Rajoy, den heutigen Ministerpräsidenten, herauszufordern. An Selbstbewusstsein fehlt es ihr nicht. Einst fuhr sie der Polizei davon, die sie wegen Parkens auf einem Busstreifen angezeigt hatte. Aguirre hält niemand auf.

Aber die Wahrheit sagt sie nicht immer. Kaum hatte sie sich am Dienstag einen lupenreinen Lebenslauf zugelegt, regnete es auf Twitter Beispiele ihrer gebrochenen Wahrheitsliebe. Vor allem will sie sich nie daran erinnern, wie gut sie mit so vielen Korruptionsverdächtigen befreundet ist. Niemals - "Verstehen Sie? Niemals!" - habe sie mit Luis Bárcenas gesprochen, dem Schatzmeister der PP, der angeblich ohne Wissen der Partei in der Schweiz ein Millionenvermögen hortete. Hat sie aber doch, wie sie Jahre zuvor eingestanden hatte. Den Bürgermeister eines Madrider Vorortes, kurz zuvor festgenommen wegen mutmaßlicher Bestechlichkeit, kenne sie nicht. Etliche Fotos belegen das Gegenteil. Sie habe während ihrer Politikkarriere "hunderte" Posten besetzen müssen, nur zwei der Kandidaten hätten sich später als Nieten erwiesen. In Wirklichkeit ermittelt die Polizei gegen 15 enge Vertraute von ihr.

Im September 2012 kündigte Aguirre übrigens ihren Rückzug aus der Politik an. Sie ist aber immer noch da.

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05.04.2016, 06:00 Uhr

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