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Nichts als die Wahrheit
Daniel Abbou. Foto: dpa
BER

Nichts als die Wahrheit

Eigentlich glaubt in Berlin und Brandenburg fast niemand mehr daran, dass der Pannenflughafen BER Ende 2017 eröffnet wird. Zu gewaltig sind die Probleme bei der Brandschutzanlage, zu groß der Rückstand bei den anderen Umbauarbeiten.

12.04.2016
  • PETER GÄRTNER

Daniel Abbou kennt seit 100 Tagen all diese Schwierigkeiten um den unvollendeten Großflughafen. So lange ist der Stuttgarter nun beim BER dabei, als Sprecher von dessen Chef Karsten Mühlenfeld. Abbou, der von 2011 bis 2014 für Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid arbeitete, sollte die übliche helle Aufregung um den Skandal-Airport in ruhigere Bahnen lenken. Da dachte er wohl, dass es kurz vor der nächsten Aufsichtsratssitzung an der Zeit sei, mal Klartext zu reden.

So bereitete Abbou die erwartete Absage des BER-Starts 2017 mit den Worten vor, diese wäre nur halb so schlimm, weil die tatsächliche Eröffnung dann ja "relativ zeitnah" käme. Erwartet werde eben ein Flughafen, "der funktioniert und nicht mit großen Pannen startet". Derart offen und ehrlich hat jedenfalls noch kein Verantwortlicher zuvor über den politischsten Flughafen in Deutschland gesprochen.

Im Interview mit dem "PR Magazin" zeigte Abbou beispielhaft, was es heißt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. "Glauben Sie mir, kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen." Die alte Crew habe "zu viel verbockt", meinte er, und bei den Kommunikationspannen seines Chefs habe er erst "mit der Stirn gerunzelt" und beim nächsten Patzer "meinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen". Berliner und Brandenburger hätten "ein Recht zu sehen, wo Ihre Milliarden versenkt worden sind". Während früher gesagt wurde, es sei alles gut, halte er es mit: "Bekenne dich dazu, wenn etwas scheiße gelaufen ist".

Für BER-Chef Mühlenfeld waren diese Aussagen zu freimütig und wohl auch zu drastisch. Zwar bescheinigte Abbou seinem Vorgesetzten "absolut lern- und kritikfähig" zu sein, doch der stellte seinen Sprecher umgehend frei. Das Interview sei nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt, hieß es zur Begründung. Auch dies dürfte tatsächlich die Wahrheit sein.

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12.04.2016, 06:00 Uhr

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