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Nichts ist mehr umsonst an Bord
Bei den Extragebühren sind die Airlines bisweilen erfinderisch: Die Geschäftsführung von Ryanair (Bild) hat nur halb im Spaß zusätzliches Entgelt für die Toilettennutzung im Flieger ins Spiel gebracht. Foto: Bildquelle
Billigairlines

Nichts ist mehr umsonst an Bord

Immer mehr Fluggesellschaften streichen Extras und versuchen, über kostenpflichtige Dienstleistungen ihre Einnahmen zu erhöhen. Das Ticket gibt es deshalb auch schon mal umsonst.

25.01.2017
  • DPA

Frankfurt. Nahezu jeder Passagier hat es schon einmal erlebt: Am Ende der Buchung ist die Flugreise deutlich teurer geworden als zunächst angenommen, nur weil man beispielsweise einen Koffer aufgeben, etwas trinken und neben seinem Partner sitzen wollte. Die Billigflieger haben es vorgemacht, längst haben die etablierten Airlines nachgezogen, wenn es darum geht, dem Fluggast neben dem Ticket zusätzliche kostenpflichtige Dienstleistungen zu verkaufen. Freigepäck und freie Platzwahl gehören auf den meisten Flügen längst der Vergangenheit an.

Die Gegenwart heißt Zusatzeinnahmen. Die Airlines wollen ihre Passagiere dazu bringen, die Services möglichst vor Flugantritt online zu bestellen. Die Beratungsgesellschaft IdeaWorks rechnet seit Jahren im Auftrag des Mobilitätsdienstleisters „Car-Trawler“ nach, wie viel Geld die Passagiere auf ihren Flugreisen ausgeben und welche Airlines davon profitieren. Die Geschäftsberichte von 135 Fluggesellschaften für das Jahr 2015 wurden ausgewertet, zwei Drittel nannten detaillierte Zahlen zu den Extra-Einnahmen. Sie erlösten 40,5 Mrd. US-Dollar (37,28 Mrd. EUR) zusätzlich, rund 8,7 Prozent ihres Gesamtumsatzes.

Mit fast 52 Dollar (48 EUR) pro Passagier war der US-Billigflieger Spirit im Jahr 2015 Weltmeister der Zusatzeinnahmen. Fast die Hälfte seines Umsatzes (43 Prozent) macht der Billigheimer aus Florida mit den zusätzlichen Gebühren. Im radikalen Spirit-Konzept „Bare Fare“ (Nackter Preis) gibt es den Transport von A nach B und einen zugeteilten Sitz. Bereits das Handgepäck kostet extra. Das scheint niemanden zu stören: Spirit hat seine Passagierzahlen von 5,5 Millionen (2008) auf 18 Millionen (2015) gesteigert.

Schon auf Platz zwei des Pro-Kopf-Rankings findet sich mit Jet2.com eine europäische Airline, die mit 29,4 Prozent mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit den Zusatzgebühren macht. 50,84 Dollar (47,3 EUR) gaben die 6 Mio. Kunden des britischen Ferienfliegers im Schnitt zusätzlich aus.

In dem Report finden sich weitere imposante Zahlen: So hat der US-Billigflieger Allegiant mehr als 450 000 Hotelzimmer und mehr als 1,2 Mio. Mietwagenverträge vermittelt. Qatar Airways hat nach eigenen Angaben mehr als eine halbe Milliarde Dollar (465 Mio. EUR) mit dem Verkauf zollfreier Waren erlöst.

Mit dem Schlachtruf „No Frills“ (keine Mätzchen) hat der irische Billigflieger Ryanair seit 1997 den europäischen Markt aufgerollt. Chef Michael O‘Leary hat nur halb im Spaß Extra-Gebühren für die Toilettennutzung ins Gespräch gebracht. Nicht zuletzt wegen der eingeplanten Zusatzeinnahmen (2015: umgerechnet 15,2 EUR pro Passagier – 24 Prozent des Umsatzes) sind die Iren in der Lage, Flüge für wenige Euro oder gar zum Nulltarif anzubieten.

Mit geschätzten 13,87 Dollar (12,9 EUR) Zusatzerlös pro Passagier und einem Umsatzanteil von 5,5 Prozent findet sich die Lufthansa-Gruppe auf einem der hinteren Ränge. Wie alle Netz-Airlines mit hohem Anteil an teuren Langstreckentickets tut sie sich schwer, die Zusatzerlöse stark zu steigern. Trotzdem sollen weit intensiver als bislang Upgrades, Lounge-Zugänge und andere Annehmlichkeiten auch einzeln vermarktet werden. Das Unternehmen erwartet bis zu 300 Mio. EUR zusätzliche Erlöse jährlich, was einer glatten Verdreifachung der Marke von 2015 entspräche.

Jay Sorensen, Autor der CarTrawler-Studie, rechnet mit intensiven Bemühungen und neuen Ideen der Airlines um die längst unverzichtbaren Zusatzeinnahmen. Ein Schub stehe bevor, weil die Gesellschaft Norwegian die Low-Cost-Idee konsequent auch auf ihren Überseeflügen umsetzt. Selbst der Elf-Stunden-Flug von Stockholm nach Los Angeles wird ohne Verpflegung und aufgegebenes Gepäck angeboten – Upgrades gibt es nur in kostenpflichtigen Service-Paketen. Bislang sind diese Leistungen bei den meisten Interkontinentalflügen noch inbegriffen. dpa

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25.01.2017, 06:00 Uhr

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