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TTIP-Diskussion

Nichts zur Verteilung

Zur Diskussion um das Freihandelsabkommen zwischen EU und USA mit Herta Däubler-Gmelin (SPD) und Joachim Starbatty (AfD).

17.12.2014

Das Publikum lachte über die Aussage, alle Ökonomen seien sich einig, eine Ausweitung der Märkte führe zu mehr Wohlstand. Dabei hat Starbatty „theoretisch“ Recht. Zumindest, wenn Wohlstand – wie in der sogenannten „Wirtschafts-Wissenschaft“ – ausschließlich als mehr Konsum definiert wird und wenn die Umwelt ebenso außer Acht gelassen wird wie Zeitwohlstand oder die Qualität von Arbeitsverhältnissen. Auch sagt der AfDler nichts zur Verteilung des „Wohlstands“, also darüber, wer sich diesen aneignet.

Schon Marx und Engels würdigten 1847/48 im kommunistischen Manifest die rein ökonomischen Leistungen der wirtschafts-liberalen Elite (französisch: Bourgeosie): In ihrer kaum hundertjährigen Herrschaft habe diese „kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen.“

Der intellektuelle Horizont der Manifest-Autoren endet aber nicht – wie der Starbattys – an der Innenwand des Elfenbeinturms heutiger wirtschaftswissenschaftlicher Fakultäten: „Die bürgerlichen Produktions- und Verkehrsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor“. Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen, außer dem Wunsch, es mögen sich immer mehr Gesellschafts- und Wirtschaftsformen durchsetzen, die sich ideell zum Beispiel am Vorbild der Zapatisten und ihrer caracoles, dem Mietshäuser-Syndikat oder der kurdischen Selbstverwaltung in Rojava orientieren.

Tobias Kröll, Tübingen

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Erstellt:
17. Dezember 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Dezember 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2014, 12:00 Uhr

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