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No Man's Land

Schützengraben-Kasperletheater mit netten Gags und propagandistischer Schlagseite.

Schützengraben-Kasperletheater mit netten Gags und propagandistischer Schlagseite.

NO MAN'S LAND
Bosnien

Regie: Danis Tanovic
Mit: René Bitorajac,Branko Djuric,Filip Sovagovic

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015
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Gerade hatte er einen großen Auftritt bei der Berlinale-Gala „Cinema for Peace“. Gleich nach der flammenden Rede Dustin Hoffmans kam "No Man's Land" als Film gewordene Friedensliebe zum Einsatz. Der Tübinger Arsenal-Verleih nutzte die Gunst der Stunde, um ihn als „Film gegen den Krieg“ in die deutschen Kinos zu bringen. Aber ist er das wirklich? Immerhin kritisiert Regisseur Danis Tanovic klipp und klar die lasche Haltung der UNO-Soldaten während des Bosnien-Kriegs, hätte sich also ein robusteres Auftreten der Blauhelme gewünscht. Darf man da an George Bush denken, der gegen Saddam Hussein jetzt ganz Ähnliches im Schilde führt?

Dem weltweiten Triumphzug des Films haben solche Überlegungen nicht geschadet. Er gewann einen Oscar, einen Hauptpreis in Cannes und wohl noch ein Dutzend weiterer Festivalpreise (darunter den der Jugendjury bei den Französischen Filmtagen). 90 Prozent aller Kritiker bejubelten ihn als eine grandiose Antikriegs-Satire.

Tatsächlich wird man Regisseur Tanovic unterstellen dürfen, dass er den Krieg verachtet. Sein Schauplatz ist ein Schützengraben, in den sich während des jugoslawischen Bürgerkriegs zwei verfeindete Soldaten, ein Serbe und ein Bosnier, verirren. Dass sie in einem früheren Leben mal mit der selben Frau geschlafen haben, hindert sie nicht daran, sich Hass-erfüllt zu belauern und zu beharken. Als die Chaoten von der UNO ins Spiel kommen, wird alles nur noch schlimmer; ebenso, als eine Medienmeute die Chance wittert, live aus dem Schützengraben zu berichten.

Aus dieser Grundkonstellation (die sehr dem Theaterstück „Picknick im Felde“ von Fernando Arrabal ähnelt) kann Tanovic einige gut kabarettistische Funken schlagen, die den Krieg als absurde Sache bloßstellen. Mehr aber auch nicht. Analytische Substanz, die die vielfältigen Kriegsursachen und -interessen mitbedenkt, ist beim besten Willen nicht zu entdecken. Wen ein so dünnes Satirchen, wie es nun allenthalben heißt, „zum Nachdenken anregt“, der muss die Jahre davor an Hirnstarre gekrankt haben.

Ein Grund für den Wertschätzungs-Tumult mag auch sein, dass es der Film allen ein bisschen recht macht. Man kann mit ihm irgendwie für den Krieg sein (Bomben auf Belgrad, wegen der armen Albaner) als auch irgendwie dagegen (stoppt Bush, wegen der armen Iraker). Insofern passt er zur Weltstimmungslage wie das Giftgas zum Saddam.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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07.11.2003

12:00 Uhr

schrieb:

ein unglaublich guter Film, der viel wagt.



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