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Genossen lassen nicht locker

Noch etliche Hürden bis zum Laden im „Löwen“ zu nehmen

Rund 600 Tübinger wollen sich an einer Genossenschaft beteiligen, die im „Löwen“ einen Lebensmittelladen einrichten soll. Das wird nicht ganz einfach – trotzdem sagten die Unterstützer am Dienstagabend: Weitermachen!

23.10.2014
  • WOLFGANG ALBERS

Tübingen. Lebensmittel einkaufen in der Altstadt – das wird schwieriger werden, wenn zum Jahresende der Netto-Laden im Keller unter der H&M-Filiale in der Langen Gasse schließt. Deshalb hat sich eine Initiative Genossenschaftsladen gegründet, die im „Löwen“ in der Kornhausstraße ein Lebensmittelgeschäft einrichten möchte.

Noch etliche Hürden bis zum Laden im „Löwen“ zu nehmen
Der Wunsch nach einem Lebensmittelladen im „Löwen“ ist groß – groß sind aber auch die Schwierigkeiten auf dem Weg dahin.

Das Interesse daran ist groß. Nicht einmal Donner, Regengüsse und Sturm konnten die Unterstützer des Gemeinschaftsprojekts am Dienstagabend von einer Info-Veranstaltung abhalten: Der Kino-Saal war fast so voll wie bei einem Blockbuster. Dem entsprechen die Zahlen, die Bruno Gebhart-Pietzsch, einer der Initiativen-Anschieber, bekanntgab: 600 Menschen sind bis jetzt daran interessiert, Mitglieder einer Genossenschaft zu werden, und würden dafür 1326 Anteile erwerben. 83 von ihnen wollen ehrenamtlich im Laden mitarbeiten.

Damit würden sie eine Tradition wiederbeleben. Bruno Gebhart-Pietzsch ist ins Stadtarchiv gegangen und hat dort einen Ordner zur „Löwen-Geschichte“ gefunden, die dem stattlichen Gebäude eine lange Genossenschafts-Geschichte bescheinigt. 1907 gründete sich dort, im Saal der Gastwirtschaft, eine Genossenschaft mit dem Ziel, einen Laden mit günstigen Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen. Mit Erfolg: Als die Genossenschaft 1932 ihr 25-jähriges Bestehen feierte, hatte sie schon 14 Läden in Tübingen und Umgebung. Und den Bescheiden über die Gewerbesteuer, die nur bei Gewinn fällig wurde, entnahm Bruno Gebhart-Pietzsch: „Die Läden standen immer auf gesunden Beinen.“

Erstmal müsste man den Altbau komplett sanieren

Im Jahr 1962 baute die Genossenschaft am Kelternplatz den ersten Supermarkt in der Tübinger Region auf. Und 1969 richtete sie dann – nach der Aufgabe der dortigen Gastwirtschaft – im „Löwen“ ein Lebensmittelgeschäft ein, das immerhin sechs Vollzeit-Beschäftigte hatte. Erst 1985, als der Mietvertrag auslief, wurde der Löwen-Laden wieder geschlossen.

Für einen neuen Anfang bräuchte man wieder einen Mietvertrag. Besitzer ist die städtische Baugesellschaft GWG. Deren Geschäftsführer Gerhard Breuninger sagte: am Dienstagabend: „Wir würden das Projekt gerne unterstützen, wie wir das auch mit dem Laden auf dem Herrlesberg tun.“

Allerdings ist es in diesem Fall wie bei Radio Eriwan: Dem „im Prinzip ja“ folgen ein Aber nach dem anderen. Zunächst mal ist das Erdgeschoss derzeit vermietet. Eine Kündigung wäre möglich, aber bevor dann im „Löwen“ etwas geht, braucht das Gebäude eine Komplett-Sanierung. Brandschutz, Haustechnik, Fluchtwege, Barrierefreiheit. Und der Statiker hat schon erklärt: Die Erdbebenzone Drei schafft der Altbau nicht mehr.

Der Architekt Gottfried Haefele hat in den „Löwen“-Unterlagen ein Gedicht gefunden mit den Zeilen: „Nur das Eine ist fatal: Dass es am Ende heißt – zahl!“ Bei den vielen Baustellen, die sich auftun, wird die Rechnung also deftig, und die würde dann auf die Miete durchschlagen, sagt Gerhard Breuninger: „Auch die GWG muss rechnen.“

Das ist schon nicht schön, aber nicht das einzige Problem. Vor dem Umbau muss geklärt werden, in welche Richtung er gehen soll. Soll sich der Laden über mehrere Geschosse ausdehnen? Kommen Wohnungen rein? Wird aus dem Kino ein Veranstaltungssaal? Das wiederum lässt sich nur sagen, wenn die Stadt mit ihrer Kulturkonzeption zu Potte kommt.

Bis es soweit ist und dann umgebaut ist, gehen mindestens noch zweieinhalb Jahre ins Land. Für die Initiative heißt das: Entweder warten oder schon mal rein und dann zum Umbau wieder raus – auch nicht gerade eine verlockende Perspektive. Deshalb sagte Gottfried Haefele: „Traumhaft wäre es, wenn der Beschluss der Stadt bald vorliegt.“ Und Susanne Diez-Eichert von der Initiative fordert: „Die Stadt soll das beschleunigen.“

Genug Kundschaft für den kleinen Laden

Immerhin: Die Initiative könnte loslegen. Einrichtung und Erstausstattung mit Waren würden 60.000 Euro kosten, rechnete Bernhard Fiderer aus Ochsenhausen vor, dessen Firma solche Läden beliefert. Das käme mit den bereits zugesagten Genossenschaftsanteilen locker rein. Und rentabel sei der Laden auch: Im Einzugsgebiet leben 6800 Menschen, die 16 Millionen Euro pro Jahr ausgeben. Für einen kleinen Laden bleiben fünf Prozent hängen: „Man kann also mit 800.000 Euro rechnen.“

Dann gingen die Hände im Saal hoch. Ohne Gegenstimmen signalisierte das Publikum in einer unverbindlichen Abstimmung: Weitermachen! Die Initiative nahm den Auftrag dankend an.

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23.10.2014, 12:00 Uhr

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