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BASF

Noch größere Katastrophe verhindert

Die akute Gefahr ist gebannt, doch der Brandherd auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen ist weiter unerreichbar. In diesem Jahr gab es in dem Werk schon sechs meldepflichtige Vorfälle.

19.10.2016
  • WOLFGANG RISCH

Nach der verheerenden Explosion auf dem Gelände der BASF vom Montag haben gestern Nachmittag sowohl die Stadt Ludwigshafen als auch die Stadt Mannheim ihre Warnungen an die Bevölkerung in den nördlichen Stadtteilen aufgehoben. Es seien weder erhöhte Schadstoffwerte noch ein Niederschlag von Ruß festzustellen gewesen, teilte die Mannheimer Verwaltung mit.

Die Stadt Ludwigshafen hatte am Montag noch gegen Mittag, 50 Minuten nach dem Ausbruch des gewaltigen Feuers, die Sirenen heulen lassen, als sich der Brand zum Großbrand entwickelte, um die Bevölkerung auf die Gefahr hinzuweisen. Wo die Rußwolke, die nordöstlich in Richtung Bergstraße zog, niederging, sei nicht bekannt, sagte der Leiter der Ludwigshafener BASF-Niederlassung, Uwe Liebelt, gestern Mittag. „Feuer aus“ meldete die Ludwigshafener Berufsfeuerwehr schon am Montag gegen 21.30 Uhr.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat die Mannheimer Feuerwehr eine noch größere Katastrophe verhindert, weil ihr Feuerlöschboot ein im Ludwigshafener Nordhafen am Pier fest vertäutes Tankschiff mit Wasser kühlte. Von diesem stammt auch die weiterhin vermisste Person, die im Hafenbecken vermutet wird und noch immer nicht geborgen werden kann. Taucher stünden bereit und würden die Suche umgehend starten, sobald die nach wie vor gefährliche Situation dies zulasse, sagte der Ludwigshafener Feuerwehrkommandant Peter Friedrich.

Auch Staatsanwaltschaft und Polizei können sich dem eigentlichen Brandherd noch nicht nähern. Ein weiteres, mit Ethylmethanol beladenes Schiff konnte beim Ausbruch des Brandes noch aus dem Hafen ausfahren. Ausgebrannt sind mehrere Autos und Feuerwehrfahrzeuge.

Suche nach Vermisstem

Die beiden Toten sind Angehörige der BASF-Werksfeuerwehr, die beim Löschen des am Montag gegen 11.20 Uhr ausgebrochenen, zunächst kleinen Brandes von der durch die Flammen ausgelösten Explosion erfasst wurden. Von einem „schrecklichen Ereignis“ sprach der Ludwigshafener Beigeordnete Dieter Feid, die Stadt hat Trauerbeflaggung angeordnet.

Ihre Betroffenheit drückte auch Margret Suckale, Vorstandsmitglied der BASF, aus. „Oberste Priorität hat nun die Suche nach dem Vermissten“, sagte Suckale, die aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeit der Toten und deren Familien keine Angaben zu den Verunglückten machen wollte. Den Angehörigen werde Beistand durch den psychologischen Dienst des Chemieunternehmens zuteil.

Eine erst als vermisst geltende Person sei in die Klinik gebracht worden, sagte gestern BASF-Arbeitsmediziner Stefan Lang. Sie sei dort mittlerweile „eindeutig identifiziert“ worden. Lang begründete diesen Fall mit dem „ersten Durcheinander“ nach der Explosion. Die große Zahl der Rettungsfahrzeuge lässt plausibel erscheinen, dass dieser Mitarbeiter „durchgeschlüpft“ sei, so Lang.

Einige der mehr als 20 Verletzten befinden sich weiter in kritischem Zustand. Der Leitende Notarzt hatte die Kliniken abgefragt, so Feuerwehrchef Friedrich. Sechs Patienten lägen auf der Intensivstation. BASF-Mediziner Lang nannte es einen glücklichen Umstand, dass die Rauchsäule senkrecht in höhere Luftschichten aufstieg. Gleichwohl lobte er die Vorsicht der Städte beidseits des Rheins, die Bevölkerung gewarnt zu haben. Sie ist sensibilisiert. Gestern wurde der Feuerwehr „Kohlgeruch“ gemeldet. Die Ursache war Kohl, den ein Bauer auf seinem Anhänger geladen hatte.

„Es fehlt noch jegliche Erkenntnis über die Ursache des ersten Brandes“, sagte Liebelt. Vor vier Jahren seien die Rohrleitungen in dem betroffenen Werksareal zuletzt untersucht worden, räumte er ein. Die nächste Inspektion wäre „demnächst“ fällig geworden. Einen Zusammenhang zwischen diesem Umstand und dem Brand sieht er nicht.

Seit Tagen sei an den Rohren geschweißt worden. Ob dies den Brand verursacht hat, sei derzeit nicht zu klären. Noch liegt meterdick Löschschaum über dem Brandherd. Liebelt gab auch zu, dass es in den letzten Jahren bei der BASF in Ludwigshafen eine ganze Serie von Vorkommnissen gegeben habe, allein in diesem Jahr seien es sechs „meldepflichtige Vorfälle“ gewesen, die Explosion vom Montag eingeschlossen. Ein Muster sei aber nicht erkennbar. Suckale sagte, eine Schadensbegrenzung sei „die größtmögliche Herausforderung, doch zuerst kommen die Menschen“.

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19.10.2016, 06:00 Uhr

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