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Noch immer glaubwürdig verzweifelt
Neues von Isolation Berlin: „Vergifte Dich“. Foto: Staatsakt
Isolation Berlin

Noch immer glaubwürdig verzweifelt

Neue Platte, neue Tour: Isolation Berlin haben nach dem ersten Hype nichts von ihrer Kraft und Poesie verloren.

26.03.2018
  • CLAUDIA REICHERTER

Berlin/Reutlingen. Mit dem zweiten Album ist das immer so eine Sache, besonders, wenn das erste gut ankam. Dann sprechen alle gleich von Hype. Und warten auf den Absturz. Die 2012 gegründete Berliner Postpunk-No-Wave-Band Isolation Berlin hat da vorgesorgt, indem sie 2016 Album eins und zwei gleich in einem Aufwasch erledigte: mit ihrem Longplayer-Debüt „Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit“ und „Berliner Schule/Protopop“, auf das sie die vorherigen EPs und Singles packte. Beide verbinden Eingängigkeit mit Intellekt („Fahr Weg“, „Isolation Berlin“) – da schrillen die Hype-Alarm-Glocken. Auch wenn die Konzerte, wie jenes vor zwei Jahren im Stuttgarter Goldmarks, durchaus zu Recht umjubelt waren.

Vor einem Monat nun hat die Band den Nachfolger vorgelegt: „Vergifte dich“ (Staatsakt). Das Cover – mit einer Figur in der Pose eines Junkies, der sich einen Schuss setzt – gestaltete erneut der Berliner Künstler Yannik Riemer. Der Inhalt klingt stellenweise ruhiger und gesetzter als zuvor, vor allem das an Hilde Knef erinnernde „Vergeben heißt nicht vergessen“ und die relativ versöhnliche Schlussballade „Mir träumte“. Themen sind weiterhin Großstadt, Liebe, Depression, verpackt in ungewöhnlich poetische Texte. Die Musik erinnert noch immer an Rio Reiser, DAF, die frühen Element of Crime und die späten Tocotronic.

Die dazugehörige Tour, die Isolation Berlin am Freitag zum distinguierten Indi(e)stinction-Festival in den Reutlinger Club franz.K im ehemaligen französischen Kino führte, zeigt die vier Musiker noch immer so eigen wie glaubwürdig verzweifelt. Auch wenn's mit „Kicks“ am Ende noisemäßig noch in Richtung Rammstein abgeht. Der 29-jährige Frontmann Tobi Bamborschke trägt das Haar heute länger, aber seiner krakelig mit dem Bandnamen beschrifteten Lederjacke und der Elbseglermütze blieb er treu. Gitarrist und Organist Max Bauer zeigt sich präsenter, virtuoser als bisher – was den Genuss noch erhöht. Dem Andrang nach ist der erste Hype verebbt. Den ersetzt jetzt eine treue, textsichere Fanschar. Claudia Reicherter

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26.03.2018, 06:00 Uhr

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