Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Der BVV ist Palmer lieb – aber zu teuer

Noch kein Konzept für die Nutzung des Foyers im sanierten Rathaus

Auch wenn man sich das als Laie bei einem Blick auf die Baustelle kaum vorstellen kann – im nächsten Sommer sollen die Handwerker mit der Sanierung des historischen Rathauses fertig sein. Bis dahin ist allerdings noch eine wichtige Frage zu klären: Wie soll das in neuem Glanz erstrahlende Foyer im Erdgeschoss künftig genutzt werden? Dazu gibt es bislang kein tragfähiges und finanzierbares Konzept.

16.12.2014
  • Sepp Wais

Tübingen. Wenn der Zeitplan von Hochbau-Chef Andreas Haas aufgeht, dann werden die Stadtverwalter in den Sommerferien 2015 vom Blauen Turm in ihr angestammtes Domizil am Marktplatz zurückkehren. Aller Voraussicht nach führt ihr Weg in die oberen Stockwerke des dann für neun Millionen Euro sanierten Fachwerkbaus durch ein leeres oder nur provisorisch möbliertes Erdgeschoss. Darauf wollte OB Boris Palmer den Verwaltungsausschuss am Montagabend schon mal vorsorglich hinweisen: „Am Anfang ist im Foyer ein Leerstand zu erwarten.“

Anders als der Oberbürgermeister, für den es durchaus „kein Drama wäre, wenn da unten mal eine Zeit lang nichts drin ist“, fand Ingeborg Höhne-Mack (SPD) diese Vorstellung ziemlich daneben: „Das ist doch keine gute Situation, wenn wir das sanierte Rathaus feierlich eröffnen – und im Erdgeschoss steht alles leer.“ Deshalb verlangte sie: „Die Verwaltung soll sich anstrengen, um da bald eine sinnvolle Lösung zu finden.“

Das Problem dabei: Die Verwaltung hat sich bereits angestrengt und dabei auch schon etliche mehr oder weniger überzeugende Ideen entwickelt – aber eben, wie Palmer einräumte, „noch kein fertiges Konzept“ für die 200 Quadratmeter große und dank einer raumhohen Glasfront lichte Eingangshalle. Unter anderem hält man es für denkbar, dass das Bürgeramt eine Zweigstelle im Rathaus aufmacht und dort einen Teil seiner Service-Leistungen anbietet. Das Spektrum reicht vom Verkauf von Stadtplänen, Müllsäcken und Mietspiegeln bis zur Annahme von Fundsachen und zur Ausgabe von Hundesteuermarken. Dieser Vorschlag stieß im Ausschuss auf wenig Gegenliebe – schließlich, so wurde eingewandt, sei das Bürgeramt kaum 300 Meter vom Rathaus entfernt.

Auch die im Eisenhut residierenden Stadtwerke könnten im Foyer einen zentralen Stützpunkt aufmachen und dort Bustickets sowie Strom- und Gasverträge verkaufen. Wenn überhaupt, dann will der Versorgungsbetrieb jedoch nur an einzelnen Tagen – versuchsweise – im Rathaus Präsenz zeigen. Der Grund: Die Stadtwerke hatten 2011 schon mal eine Außenstelle im Bürgeramt eingerichtet – und 2012 wegen mangelnder Nachfrage wieder aufgegeben.

Bleibt als Ankernutzer derzeit nur noch der Bürger- und Verkehrsverein, den OB Palmer am liebsten im Rathaus ansiedeln würde, und zwar mit Infotheke und Büro in der südlichen Hälfte des Foyers. Dort könnten die BVV-Mitarbeiter auch gleich „die Rolle der Lotsen fürs Rathaus“ übernehmen. In der nördlichen Hälfte des Saals bliebe Platz für kleinere Ausstellungen, für sporadische Serviceangebote der Verwaltung und für einen interaktiven Multimedia-Tisch, an dem sich einzelne Touristen oder kleine Gruppen aktuelle und stadtgeschichtliche Infos besorgen können.

Grundsätzlich wäre der BVV für dieses Konzept schon zu haben, aber nur wenn die Stadt für die Kosten aufkommt. Darauf besteht Michael Lucke, der frühere Finanzbürgermeister und jetzige Vorsitzende des Touristikvereins. In den 1990er Jahren hatte der BVV in der Haaggasse schon einmal eine Altstadt-Filiale auf- und damit erhebliche Verluste gemacht. Eine solche Pleite will Lucke nicht nochmal riskieren. Für ihn macht der Stützpunkt im Rathaus nur dann Sinn, wenn er werktags sieben, samstags sechs und an 22 Sonntagen im Jahr mindestens jeweils fünf Stunden geöffnet und durchgängig mit zwei Mitarbeitern besetzt ist. Die dafür fälligen Personalkosten beziffert Lucke auf 120.000 Euro pro Jahr. Sie müssten ebenso von der Stadt übernommen werden wie sämtliche Gebäudekosten und die erstmalige Ausstattung der BVV-Filiale.

Dieses „seriöse Angebot“ (Lucke) erscheint Palmer entschieden zu teuer. Seiner Ansicht nach müsste es um einiges günstiger gehen. Etwa dann, wenn der BVV zumindest einen der beiden im Rathaus gebrauchten Service-Mitarbeiter kostenneutral von der Hauptstelle abziehen würde. Angesichts des großen Andrangs im Kupferhäusle am Neckar hält Lucke dies für ausgeschlossen. Trotzdem will der OB mit seinem früheren Vize noch einmal darüber verhandeln. Das ist durchaus im Sinne der Stadträte im Verwaltungsausschuss, die Palmer am Montag folgende drei Wünsche mit auf den Weg gaben: Erstens soll sich die Verwaltung weiterhin um eine Kooperation mit dem BVV bemühen, zweitens soll der elektronische Multimedia-Tisch ins Foyer rein und drittens sollen die Rathaus-Besucher in der Eingangshalle, in der es keine Pforte mehr gibt, weiterhin von lebendigen Menschen und nicht nur von elektronischen Anzeigetafeln empfangen werden.

Noch kein Konzept für die Nutzung des Foyers im sanierten Rathaus
Sieben Monate bleiben den Handwerkern noch, danach sollen die neun Millionen Euro für die Sanierung des historischen Rathauses komplett verbaut sein. Unklar ist derzeit allerdings noch, wie die 200 Quadratmeter große Eingangshalle (siehe Bild) im Erdgeschoss künftig genutzt wird.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.12.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball