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Ausbildung

Noch massig freie Stellen

Bei den neuen Lehrverträgen schwächelt das Handwerk in Teilen seines Kammerbezirks, Industrie und Handel verzeichnen leichte Zuwächse.

16.11.2016
  • Matthias Reichert

Auch im neuen Ausbildungsjahr, das im September begonnen hat, gibt es im Bezirk der Arbeitsagentur Reutlingen, der die Landkreise Tübingen und Reutlingen umfasst, mehr freie Stellen als Bewerber/innen. „Seit 2011 haben wir einen Bewerbermarkt“, sagt Agenturchef Wilhelm Schreyeck – die Kandidaten können sich Unternehmen aussuchen und nicht umgekehrt.

Ende September waren in den beiden Landkreisen mehr als 300 Lehrstellen unbesetzt. In Reutlingen ist die Bewerberzahl um 5,8 Prozent gestiegen, während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen minimal gesunken ist. Im Kreis Tübingen war es umgekehrt: 4,6 Prozent weniger Bewerber, dafür 3,1 Prozent mehr freie Lehrstellen. Sowohl Bewerber wie auch freie Stellen sind zu zwei Dritteln in Reutlingen und zu einem Drittel in Tübingen.

Vor allem im Handwerk sind Lehrstellen unbesetzt geblieben. Die Reutlinger Handwerkskammer (HWK) vermeldet im neuen Ausbildungsjahr 2,1 Prozent weniger Neuverträge als im Vorjahr. Bis Ende Oktober hatten 2131 junge Leute Ausbildungen im Handwerk begonnen.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Rainer Neth, der für die Ausbildung zuständig ist, spricht von regionalen Unterschieden. Vor zwei Jahren sei Reutlingen als einziger Kammerbezirk bundesweit im Plus gewesen, da sei es „nicht überraschend, dass auch mal ein Rückschritt kommt“. Auch ein Grund sei, dass vor allem kleine Betriebe nicht in jedem Jahr ausbilden, so Neth.

Im Gegensatz zur Arbeitsagentur ist die HWK für fünf Landkreise zuständig. Am drastischsten ist der Rückgang mit 8,7 Prozent im Kreis Freudenstadt. Der Kreis Tübingen weist 0,7 Prozent Plus auf, dort gibt es jetzt 437 Lehrlinge im Handwerk. Im Kreis Reutlingen ist die Zahl um 2,4 Prozent auf jetzt 685 gesunken. Rund 40 Prozent aller neuen Handwerks-Azubis lernen einen Metall- und Elektroberuf. Hier sind die Zahlen leicht gestiegen, während sie im Baugewerbe, dem zweitwichtigsten Ausbildungsbereich, um 8,8 Prozent eingebrochen sind. Bei den kaufmännischen Berufen, die 8 Prozent aller Ausbildungsplätze im Handwerk ausmachen, gibt es sogar zehnprozentige Rückgänge.

Banken weniger beliebt

Die Industrie- und Handelskammer Reutlingen (IHK) musste im Vorjahr 4,9 Prozent Rückgang bei den neuen Ausbildungsverträgen verbuchen. Dieses Jahr ist das Niveau wieder um 0,7 Prozent auf jetzt 2570 neue Lehrverträge angestiegen. In absoluten Zahlen hat die IHK 17 Ausbildungsplätze mehr besetzt als im Vorjahr. Landesweit liegen die Zuwächse bei nur 0,1 Prozent, sagt die Bereichsleiterin Ausbildung Petra Brenner.

Unter den drei Landkreisen im Kammerbezirk der IHK hat Tübingen leicht verloren und liegt 0,8 Prozent im Minus. Ende Oktober wurden hier 610 neue Verträge gezählt. Diese Zahl ist im Kreis Reutlingen um 0,9 Prozent auf jetzt 1177 gestiegen.

Am gefragtesten sind wieder Berufe der Metall- und Elektrotechnik, schließlich sei etwa die Laufbahn als Fachinformatiker eine Schlüsselqualifikation für Industrie 4.0. Bei den kaufmännischen Berufen liegen Groß- und Einzelhandel deutlich vorn. Rückgänge gibt es laut Brenner bei Banken und Versicherungen. Die bieten zum einen weniger Lehrstellen an. Zudem sind sie offenbar auch nicht mehr so beliebt bei den jungen Leuten, da laut Brenner die Chance auf Übernahme als eher unsicher gelte. Hotels und Gastronomie hätten die 40-prozentigen Einbrüche vom Vorjahr hingegen wieder aufgeholt.

Die Handwerkskammer hat noch mehr als 300 freie Lehrstellen, die IHK über 500. Man kann auch nachträglich einsteigen. Knapp die Hälfte aller Schulabgänger beginnt eine Ausbildung. 5,6 Prozent der Bewerber landen in Fördermaßnahmen der Arbeitsagentur. Diese jungen Leute würden zu mehr als 70 Prozent in Ausbildung vermittelt. 3,9 Millionen Euro Förderung seien gut investiert, sagt Agenturchef Schreyeck.

Bisher kaum Flüchtlinge in Ausbildung

Nur die wenigsten Flüchtlinge haben im neuen Lehrjahr eine Ausbildung angefangen. In den fünf Landkreisen der Handwerkskammer sind es 47, in den drei Landkreisen der Industrie- und Handelskammer sogar nur 18. Laut Wilhelm Schreyeck, Leiter der Reutlinger Arbeitsagentur, liege das vor allem daran, dass die Flüchtlinge erst die Sprache beherrschen müssten. Schreyeck erwartet, dass die Zahl im kommenden Lehrjahr steigt, wenn mehr Flüchtlinge ihre Vorbereitungskurse abgeschlossen haben. Zudem fehlten oft Nachweise für Qualifikationen, obwohl Kompetenzen vorhanden seien.

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16.11.2016, 01:00 Uhr

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