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Volleyball hat einen Orden verdient

Noch rosarote Löcher

Malala Yousafzai, die Europäische Union, Nelson Mandela – alles mit Sicherheit Menschen und Organisationen, die sich ihren Friedensnobelpreis irgendwo verdient haben. Aber eigentlich ist es an der Zeit, mal einer Sportart – vielleicht in Vertretung deren Weltverband – diesen Orden zu verleihen: dem Volleyball. Denn wo sonst umarmen sich immer alle Gruppenmitglieder nach jedem Punkt, ob sie diesen nun saudoof versemmelt oder supertoll erspielt haben?

15.11.2014

Statt den Gegner mit Schmährufen zu überziehen („Ihr seid Sch… wie der Verein XY!“), skandieren die Fans immer politisch unproblematisch „Punkte, Punkte“ oder „Doppelpack, Doppelpack“. Auf die Füße treten sich die Spieler wenn, dann nur aus Versehen. Ja, sie berühren sich im Normalfall nicht einmal! Und nach den Spielen klatschen sich Verlierer und Sieger alle brav ab, in der Bundesliga wählen die Trainer jeweils einen vom Gegner noch zum besten Spieler.

Müsste also doch ne dufte Sache sein, so ein Volleyball-Besuch, zumindest für Familien: trotzdem – oder auch deshalb? – kämpft der TV Rottenburg immer noch darum, bei den Heimspielen die „nicht so schönen rosaroten Löcher“ in der Tübinger Paul-Horn-Halle, wie TVR-Pressesprecher Philipp Vollmer sagt, zu stopfen. Zu den bisherigen zwei Heimspielen sind pro Partie noch keine 2000 Leute gekommen. Und das, obwohl der TVR nicht nur auf höchster deutscher Ebene spielt, sondern dort auch Tabellenzweiter und als einziger Bundesligist bisher noch ungeschlagen ist. Dazu protzt die große Tübinger Hallenkonkurrenz zurzeit nicht mit sportlichen Glanzstücken: Die Tübinger Tigers verlieren wieder mal fast jedes Spiel, obwohl doch (wieder mal) alles besser werden sollte als in der Vorsaison. Und die Handballer des TV Neuhausen sind Mittelmaß in der Zweiten Liga.

Die Partie morgen gegen Düren wird für den TVR ein erster echter Gradmesser sein, welchen sportlichen Wert die bisherigen fünf Saisonsiege haben, und ob die Erfolge tatsächlich auch für einen Zuschauerschub sorgen. Denn die bisherige Siegesserie ist zwar lobenswert. Doch die Rottenburger gewannen ihre Spiele meist nicht nur knapp sondern auch gegen Teams, die so auf dem selben Niveau wie sie einzuschätzen sind.

Und von der Sorte gibt’s in dieser Saison viele, da Topklubs wie Haching und der Moerser SC sich zurückgezogen haben. SWD Düren mit den Nationalspielern Sebastian Gevert, Marvin Prolingheuer oder Jaromir Zachrich ist der erste Saisongegner, der eigentlich über dem TVR stehen müsste. Sollte der TV Rottenburg da mithalten, ist ihm tatsächlich ein Platz unter den Top 4 zuzutrauen.

Wenn der Zuschauerschnitt dann nicht größer wird, liegt’s tatsächlich an der Sportart. Im zweiten Heimspiel vor zwei Wochen gegen Lüneburg war’s immerhin schon so, dass sich kurz vor dem Anpfiff meterlange Menschenschlangen an der Abendkasse bildeten, da so viele noch ein Ticket kaufen wollten. Kurz hatten die Verantwortlichen Sorge, den Spielbeginn deshalb etwas verschieben zu müssen.

Doch pünktlich zum ursprünglichen Zeitpunkt waren alle drin. Dennoch verweist Philipp Vollmer darauf, bitteschön im Vorfeld Karten zu kaufen. Im Sportpark des TVR ist dies sogar noch am Spieltag möglich. Und billiger ist’s dort auch: Ab 6,50 Euro gibt’s Tickets für friedfertige Spiele.

Tobias Zug

Noch rosarote Löcher

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15.11.2014, 12:00 Uhr

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