Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Krim ohne Strom

Notstand nach Sabotageakt

Die von Russland annektierte Halbinsel Krim ist nach wie vor von der Ukraine abhängig. Nun wurde durch Sabotage die Stromversorgung gekappt.

23.11.2015
  • ANDREAS STEIN & WOLFGANG JUNG, BEIDE DPA

Der zerstörte Strommast liegt auf einem Acker in der Südukraine. Durch die Kabel, die von hier aus auf die Halbinsel Krim führen, fließt keine Energie mehr. Mit Sprengsätzen haben Unbekannte den mächtigen Mast zu Fall gebracht. Auf der vom Stromnetz abgeschnittenen Schwarzmeer-Halbinsel wird daraufhin der Notstand ausgerufen. Die Führung der Krim erklärt den Montag zum arbeitsfreien Tag.

Schlagartig sei der Strom weg gewesen, so schildern russische Medien den "Blackout". Internet, Fernsehen, Heizung: Nichts geht mehr unmittelbar nach dem Anschlag in der Nacht zum Sonntag. Rund zwei Millionen Menschen auf der Krim sitzen im Dunkeln. Zwar springen in Kliniken und Flughäfen Notstromaggregate an. Dieselgeneratoren und mobile Gasturbinen bringen zudem in den Morgenstunden einen Teil der Elektrizität zurück. Das kann aber nicht die 70 Prozent Energie ersetzen, die sonst durch vier Leitungen vom ukrainischen Festland auf die Halbinsel fließen.

Der Sabotageakt kommt nicht aus heiterem Himmel. Im Oktober hatte es einen ersten Anschlag gegeben. Noch deutlicher wurde die Gefahr am Freitag, als unweit der Grenze zur Krim zwei Strommasten nach Explosionen umstürzten. In zwei anderen Masten bei Tschaplynka klafften Löcher im Metall, ebenfalls von Detonationen. Aktivisten befestigten ukrainische Flaggen und eine Krimtataren-Fahne daran.

Seit Monaten blockieren Angehörige der Minderheit der Krimtataren und ukrainische Nationalisten Warentransporte auf die Halbinsel. Sie fordern von der prowestlichen Führung in Kiew auch das Kappen der Stromversorgung. Damit soll die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker auf die Krim erreicht werden. In einer Umfrage sprechen sich 48 Prozent der Ukrainer für eine Energieblockade aus.

Die Verantwortung für die Strommast-Sprengung hat niemand übernommen. Die Polizei weist Vorwürfe zurück, sie habe die Leitungen nur halbherzig bewacht. Moskau arbeitet derweil mit Hochdruck an der Errichtung einer Stromleitung von Russland zur Krim. Ein chinesisches Spezialschiff soll bereits mit der Verlegung eines Kabels beschäftigt sein, heißt es in Kiew.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

23.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball