Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Nunca vas a estar solo

Nunca vas a estar solo

Das Drama aus Chile thematisiert nach wahrer Begebenheit die brutale Attacke auf einen jungen Homosexuellen.

Nunca vas a estar solo

00:55 min

Chile 2016

Regie: Alex Anwandter
Mit: Sergio Hernández, Andrew Bargsted, Jaime Leiva

81 Min.

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
12.01.2016
  • Klaus-Peter Eichele

Der Debütfilm des Chilenen Alex Anwandter bezieht sich auf ein wirkliches Verbrechen: 2012 wurde der junge Homosexuelle Daniel Zamudio in Santiago totgeschlagen – aus keinem anderen Grund als blankem Schwulenhass.

Im Film heißt Daniel Pablo. Der 18-Jährige tanzt gern in Frauenkleidern zu Schmachtfetzen und hat ein Verhältnis mit einem gleichaltrigen Jungen aus der Nachbarschaft. An die große Glocke hängt er seine sexuelle Orientierung jedoch nicht, und das aus gutem Grund: In der Macho-Gesellschaft Chiles leben bekennende Schwule gefährlich. Doch trotz seiner Vorsicht wird Pablo am helllichten Tag und auf offener Straße von einem Trupp junger Männer, darunter auch sein heimlicher Liebhaber, ins Koma geprügelt.

Überraschenderweise interessiert sich der Film von da an weder für das Opfer noch für die Täter, sondern fokussiert auf Pablos Vater. Eingeführt als konservativer Knochen, dem Arbeit und die Liebe zum Vaterland das höchste der Gefühle sind, verliert der ältere Herr von einem Tag auf den anderen den Boden unter den Füßen. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden eher angedeutet als ausgeführt. Zum Schock, dass sein Sohn schwul war und er nichts davon gewusst hat, gesellt sich die Gleichgültigkeit, wenn nicht gar das stillschweigende Einverständnis seines Umfelds mit der Tat. Zudem bedrohen die Krankenhauskosten, die ihm achselzuckend aufgebürdet werden, seine Existenz.

Anwandters Ansatz, Homosexualität und Homophobie aus der Perspektive eines die gesellschaftliche „Normalität“ repräsentierenden Dritten zu zeigen, der unversehens mit beidem konfrontiert wird, ist ein cleverer Schachzug. Allerdings verzettelt sich der Regisseur zu oft in randständigen Details des väterlichen Erkenntnis- und Wandlungsprozesses. Die Charaktere aller Beteiligten bleiben derweil so verschwommen wie das Bild der Stadt Santiago, die fast immer durch den Grauschleier des Smogs zu sehen ist.

Blickt aus ungewöhnlichem Winkel, aber zu statisch auf ein Hassverbrechen.

Spielplan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.01.2016, 11:11 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige