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„Nur eine Tüte Gesundheit“
Pastor Book (Tom Fedder) fühlt sich im dritten Teil der TV-Reihe als würden alle Lasten bei ihm abgeladen werden. Auch im wahren Leben gibt Fedder oft den Zuhörer. Foto: NDR Presse und Information NDR P
Schauspieler Jan Fedder

„Nur eine Tüte Gesundheit“

Der Schauspieler gilt als Freund klarer Worte. Ehrlichkeit sei ihm wichtig, sagt er. Nur bei seinen Krankheiten habe er manchmal schummeln müssen.

13.10.2016
  • DPA

Wenn man länger im Krankenhaus liege, erzählt Jan Fedder, habe man viel Zeit zum Nachdenken. Seit einer Krebsdiagnose musste der „Großstadtrevier“-Star in den vergangenen Jahren bisweilen Zwangspausen beim Drehen einlegen. Aufhören zu arbeiten könne er trotzdem nicht. Sein neuer Film „Der Hafenpastor und das Blaue vom Himmel“ ist an diesem Freitag im Ersten zu sehen.

Im Film stürzt eine Beichte den Pastor in einen Gewissenskonflikt. Haben Sie mal eine Beichte abgelegt oder würden einen Grund dazu sehen?

Jan Fedder: Ich hab mir noch nie was zu Schulden kommen lassen, also muss ich auch nix beichten. Aber viele Leute haben bei mir schon gebeichtet. Ich weiß nicht, warum mir – auch fremde Menschen – so viel anvertrauen, darüber haben sich manche von denen selbst gewundert. Ich kann einfach ein guter Zuhörer sein – das hat man oder man hat es nicht.

Bekannt sind Sie für deutliche Worte, gelten als Kodderschnauze mit klarer Ansage. Waren Sie immer gnadenlos ehrlich?

Ja, fast immer jedenfalls. Wenn es um meine Krankheiten ging, habe ich manchmal ein bisschen geschummelt. Da habe ich nicht immer ganz die Wahrheit gesagt. Muss man ja aber auch nicht allen auf die Nase binden. Aber sonst immer absolut ehrlich. Damit kann man viele Leute auch verstören, weil es grausamer sein kann, als jemanden zu beleidigen.

Wenn man Sie heute bitten würde, der TV-Branche die Leviten zu lesen, was würden Sie ihr sagen?

Schauspieler wie ich sterben aus, die gibt's bald nicht mehr. Den Typus Volksschauspieler findet man kaum noch. Ich suche seit 20 Jahren den jungen Jan Fedder oder die junge Janine Fedder – völlig vergeblich. Volksschauspieler werden irgendwie nicht mehr hergestellt. Die jungen Kollegen heute ähneln sich auch alle sehr. Guck dir mal „Das Boot“ an, die Mannschaft – diese Fressen kriegst du heute gar nicht mehr zusammen.

„Das Boot“ soll 2018 als neue Serie wieder in See stechen. Sie waren in Wolfgang Petersens Klassiker von 1981 als Bootsmaat Pilgrim an Bord – was halten Sie von den Plänen?

Das ist wirklich eine Verunglimpfung eines Kunstwerks! Man kann an einen solchen Film genauso nicht mehr rangehen wie an „Dinner for One“. Das ärgert mich wirklich! Ich bin mal sehr gespannt auf die Gesichter, die sie dafür vor die Kamera holen. Aber solche Typen wie Martin Semmelrogge, Claude-Oliver Rudolph, Ralf Richter, das pockennarbige Gesicht von Jürgen Prochnow und selbst Grönemeyer hatte damals noch eine geile Fresse – so etwas kriegt man nicht mehr heutzutage.

Trotz Ihrer schweren Erkrankungen in den vergangenen Jahren sind Sie immer wieder schnell zum Filmset zurückgekehrt. Sich zur Ruhe zu setzen, können Sie sich nicht vorstellen?

Wenn man länger im Krankenhaus liegt, hat man viel Zeit zum Nachdenken. Und ich kann für mich sagen: Ich habe alles erreicht und gemacht und getan. Jetzt wünsche ich mir nur noch eine Tüte Gesundheit. Aber ich lebe noch – das ist das Wunderbarste von allem. Auch wenn mir jemand die Treppe hochhelfen muss, eines Tages wird es bestimmt wieder besser. Nur wenn ich nicht mehr drehen darf, dann falle ich tot um. Dann ist es vorbei. dpa

Info Jan Fedder ist morgen, 20.15 Uhr in der ARD in „Der Hafenpastor und das Blaue vom Himmel“ zu sehen.

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13.10.2016, 06:00 Uhr

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