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Thomas Gottschalk

Nur geplaudert

„Gottschalk liest?“ heißt die neue Literatursendung im Bayerischen Fernsehen, und das Fragezeichen signalisiert sofort, dass es nicht wirklich um Literatur geht, sondern um Thomas Gottschalk.

21.03.2019

Von Jürgen Kanold

Redet eher: Thomas Gottschalk. Foto: Bayerischer Rundfunk/dpa

Und, ja, er hat drei Bücher gelesen – und einen Bildband angeschaut. Ehedramen waren nicht darunter – die Sendung war noch vor der spektakulären Nachricht aufgezeichnet worden, dass sich Gottschalk und seine Frau Thea nach 40 Jahren getrennt haben.

Was weiß man sonst so über einen lesenden Gottschalk? Dass er Germanistik auf Lehramt studierte, dass ihm Großkritiker Marcel Reich-Ranicki einst das Du anbot und seine Frau aus der brennenden Villa in Malibu lieber die Katzen samt den Katzenklos rettete statt einer Handschrift des „Panther“-Gedichts von Rainer Maria Rilke.

Bertolt Brecht liest der 68-Jährige eher nicht. Augsburg sei in der Literatur „häufig erwähnt“ worden, von Goethe bis Ringelnatz, erklärte die Showmaster-Legende den Schauplatz der Sendung – der Name Brecht fiel nicht, er ist ja auch nur Augsburgs größter literarischer Sohn. Wichtiger: dass Frank Elstner ihm, Gottschalk, in Augsburg die Nachfolge von „Wetten, dass . . ?“ angetragen habe. „Damit schließt sich ein Kreis, die Aussöhnung von Literatur und Unterhaltung.“

Schön wär's ja. Nicht nur der Buchmarkt giert danach: nach populären Sendungen mit interessanten Menschen, die etwas zu sagen und zu erzählen haben und damit Lust aufs Lesen machen. „Das Literarische Quartett“ im ZDF tut sich oft schwer, Denis Scheck bleibt mit „Druckfrisch“ der singuläre Unterhaltungsheld unter den gewichtigen Literaturkritikern.

Gottschalk hakte in seiner Sendung dann Sarah Kuttner, Ferdinand von Schirach, Vea Kaiser und Daniel Biskup mit ihren Büchern ab: leider mit viel Gottschalk, der sich plaudernd dümmer stellte, als er ist. Immerhin beglückte er den melancholischen von Schirach: „Sie sind lustig, auch wenn Sie es nicht sein wollen.“ Und las ihm lange aus seinem neuem Buch „Kaffee und Zigaretten“ vor – ohne Fragezeichen. Der Bestsellerautor dankte: „Das ist das größte Kompliment, das ich je bekommen habe, dass Gottschalk zu mir sagt, das ist lustig.“ Ernsthaft.

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Erstellt:
21. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 06:00 Uhr

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