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Kritik an Polizeieinsatz

Nutzer vom Alten Bota fühlen sich ungerecht behandelt

Nach dem größeren Polizeieinsatz mit Platzverweisen in der vergangenen Woche melden sich nun Zeugen aus dem Park: Sie widersprechen der Darstellung der Beamten und fühlen sich auch durch wiederholte Kontrollen schikaniert.

03.09.2014
  • Jonas Bleeser

Tübingen. Am Montag vergangener Woche kam es im Alten Botanischen Garten zu einem größeren Polizeieinsatz: Zwei Männer hatten sich geprügelt, Besucher deshalb die Polizei alarmiert. Nachdem gegen 18 Uhr eine Streife vor Ort zur Ruhe gemahnt hatte, soll die Auseinandersetzung gegen 19.30 Uhr wieder aufgeflammt sein. Daraufhin waren fünf Streifenwagen angerückt. Auch mehrere Polizeihunde waren im Einsatz. Den Schläger entdeckten die Beamten nicht, aber sie verhängten Platzverweise gegen rund ein Dutzend Parkbesucher.

Nutzer vom Alten Bota fühlen sich ungerecht behandelt
Der Alte Botanische Garten ist für viele Tübinger ein beliebter Treffpunkt. In den vergangenen Wochen zeigt die Polizei dort verstärkt Präsenz und kontrolliert auch immer wieder Besucher auf Drogen. Archivbild: Metz

Eine 17-Jährige, so die Darstellung der Polizei, sei der Aufforderung nicht nachgekommen, habe sich heftig gewehrt und sei deshalb in Handschellen auf die Wache gebracht worden. Ein 36-Jähriger habe ihr helfen wollen und sei ebenfalls kurzfristig festgenommen worden.

Die beiden Betroffenen sowie zwei Zeugen schildern den Einsatz gegenüber dem TAGBLATT anders. Zu der Schlägerei sei es in einem anderen Bereich des Parks Richtung Rümelinstraße gekommen, berichtet die später in Handschellen abgeführte 17-Jährige (ihr Name ist der Redaktion bekannt). Zunächst habe sie zu schlichten versucht, was sie bereits sehr aufgewühlt habe. Als die Polizei dann ein zweites Mal angerückt sei, hätten die Streithähne voneinander abgelassen. „Die da rumgestresst haben, haben sich dann zu uns in die Gruppe gesetzt, um sich zu verstecken“, schildert die 17-Jährige die Situation. Sie selbst sei sehr aufgebracht gewesen und habe den einen angesprochen, was das solle. „Der hat mich dann übel beleidigt und da bin ich durchgedreht und hab‘ nur noch geheult.“

Sie warf sich auf den Boden und wollte nur noch ihre Ruhe. Von einem Platzverweis durch einen Polizisten habe sie zunächst gar nichts mitbekommen. Als ein Mann sie ansprach, warf sie mit herumliegendem Gras nach ihm: „Ich hab‘ erst gar nicht geschnallt, dass das ein Polizist war.“

Dann sei alles sehr schnell gegangen. Der Beamte habe gerufen „Du beißt mich nicht!“. Dann hätten mehrere Beamte sie gepackt, ihr Handschellen angelegt und sie in einen Streifenwagen geworfen. Auf der Wache wurde ihr Rucksack dann ergebnislos durchsucht, ebenso die Taschen einiger Freunde, die diese im Park zurückgelassen hatten. Später holten Ihre Eltern sie am Revier ab. Dass sie nun 92 Euro für die Arbeit der Polizei bezahlen soll, findet sie ungerecht: „Die sind ja nicht wegen mir gerufen worden.“

Ihre Darstellung bestätigt Werner Kleiner. Der 55-Jährige sitzt im Rollstuhl und verkauft am Nonnenhaus Postkarten. Er ist häufig im Alten Botanischen Garten und kennt die Clique, die sich dort regelmäßig trifft. Er wandte sich nach dem Einsatz vergangener Woche in einem Leserbrief ans TAGBLATT. Der Polizeieinsatz sei sehr rüde gewesen. „Der Haupttäter konnte einfach gehen. In was für einem Rechtsstaat leben wir denn?“ Auch der 28-jährige André S., der sich häufiger mit Freunden im Park trifft, kritisiert den Ablauf des Einsatzes: „Die Polizei reagiert immer über, wenn es um den Bota geht.“ In den letzten Wochen würden laufend Leute im Park von Beamten kontrolliert: „Die haben uns schon zehn Mal durchsucht und noch nicht einmal was gefunden.“

Die Polizei bleibt bei ihrer Darstellung: „Die Beteiligten haben sich unkooperativ verhalten“, sagt Polizeisprecher Michael Schaal. Die junge Frau habe außerdem sehr wohl versucht, seinen Kollegen in die Hand zu beißen, als der ihr Handschellen anlegte. Die Platzverweise seien „in klaren Worten angekündigt“ gewesen. Und irgendwann sei bei einem solchen Einsatz eben der Punkt erreicht, „an dem die Polizei nicht mehr diskutiert“.

Der Alte Botanische Garten gelte bei der Polizei nicht als Kriminalitätsschwerpunkt. Schaal bestätigt aber, dass die Polizei dort in den vergangenen Wochen verstärkt Präsenz zeigt: „Das gibt manchen Besuchern ein Gefühl der Sicherheit.“ Dabei würden auch immer wieder Parknutzer von Beamten in Uniform und in Zivil auf Rauschmittel überprüft: „Erst am Dienstag hat dabei ein Verdächtiger noch schnell Drogen heruntergeschluckt.“

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03.09.2014, 12:00 Uhr

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