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Kuchen von der Tunnelpatin

OB Barbara Bosch feierte mit Bergarbeitern den Barbara-Tag

So langsam wird Reutlingen noch zur Bergbaustadt: Nach dem Anschlag für den Scheibengipfeltunnel vor knapp einem Monat ist gestern erneut ein Bergarbeiter-Ritual am Achalm-Großprojekt gefeiert worden.

05.12.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Während für die Arbeiter und Mineure gestern am Barbara-Tag traditionell die Arbeit ruhte, übernahm Reutlingens OB Barbara Bosch eine tragende Rolle: Als Tunnelpatin überbrachte sie fünf große Zitronenkuchen, alle mit dem Schriftzug „Scheibengipfeltunnel“ verziert. Auch wenn sie für Glück und Schutz der Arbeiter sorgen müsse, sei ihr wohler, die Reutlinger Feuerwehr mit deren guten Ruf an ihrer Seite zu haben, sagte Patin Bosch.

Ihr Großvater, der in Schlesien im Bergbau tätig gewesen war, hatte ihre Eltern zum Vornamen inspiriert, erklärte die OB. „Er würde sich freuen, wenn er das erleben könnte“, sagte Bosch und wünschte unfallfreies Arbeiten bei dem schweren Geschäft. „Die Leute freuen sich auf den Tunnel. Wir sind stolz in Reutlingen, dass er wächst“, betonte die OB.

Seit dem Anschlag sind 120 Meter Tunnel aus der Achalm gebrochen worden, erklärte Projektleiter Mathias Mondel von der Münchner Firma Max Bögl. Im Hinblick auf den kürzlich eingestürzten Tunnel in Japan sagte Mondel hinterher, bei so einem Unglück zeige sich, wie wichtig Planung und statische Berechnungen seien. „So ein Unglück sollte hier später einmal ausgeschlossen sein“, meinte Mondel und lobte die enge Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Tübingen.

Was in den vergangenen sechs Monaten in Gang gekommen sei, verdiene höchsten Respekt, sagte Norbert Heinzelmann, der Projektleiter des Regierungspräsidiums. An die mitfeiernden Tunnelbrecher gewandt, rief er: „Arbeiter und Mineure, das ist Ihr Fest! Vielen von Ihnen ist die Feier der Schutzpatronin tiefer und gelebter Glaube.“ Deshalb werden fast überall auf der Welt an diesem Tag Tunnel- oder Bergbauarbeiten eingestellt, sagte Mondel.

Ansonsten ist die Scheibengipfel-Baustelle in Reutlingen an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr in Betrieb. Nur an Weihnachten und Ostern machen die Arbeiter und Mineure Pause.

Einer der Arbeiter bat in einem Gedicht um den Schutz der Patronin: „Sankt Barbara, bei Tag und Nacht, fahr‘ mit dem Vater in den Schacht! Steh Du ihm bei in jeder Not, bewahr‘ ihn vor dem jähen Tod!“

Die Schutzheilige selbst hat einiges durchmachen müssen, was sie nun zur Patronin eignet: Aus einem Turm, in dem sie gefangen war, gelang ihr die Flucht, bevor sie erneut gefangen, danach gefoltert, gesteinigt und enthauptet sowie anschließend verherrlicht wurde. „Ich hoffe, dass sich ihr Weg gelohnt hat“, sagte der katholische Dekan Robert Widmann, bevor er den Segen sprach.

OB Barbara Bosch feierte mit Bergarbeitern den Barbara-Tag
Über 60 Arbeiter sind gestern zur Feier ihrer Schutzpatronin an der Baustelle des Scheibengipfeltunnels zusammengekommen. Reutlingens OB Barbara Bosch hatte für sie nicht nur Worte mitgebracht.Bild: Haas

Am 4. Dezember werden nicht nur die Barbara-Zweige geschnitten, der Barbara-Tag ist vor allem der Gedenktag an Barbara von Nikomedien, die im 3. Jahrhundert als Märtyrerin in Nikomedia (dem heutigen Izmit in der Türkei) gestorben ist. Die Heilige Barbara ist eine der Vierzehn Nothelfer und gilt als Schutzpatronin der Geologen, der Sterbenden, der Artillerie, der Feuerwehr und der Mädchen, als Helferin gegen Blitz- und Feuergefahr sowie als Patronin der Bergleute, der Schlesier, der Gefangenen, der Glöckner, der Architekten und der Helfer des Technischen Hilfswerks (THW). Die Barbara-Zweige, die bis Weihnachten blühen sollen, werden im Übrigen deshalb seit Jahrhunderten geschnitten, weil die heilige Barbara bei ihrer Flucht an einem Ast hängen blieb, der daraufhin Blüten trieb, wie der katholische Dekan Robert Widmann gestern in seiner Predigt erklärte.

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05.12.2012, 12:00 Uhr

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