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Frohsinn und Verantwortung

OB Barbara Bosch stellt Flüchtlings-Schicksale in den Mittelpunkt ihrer Schwörtagsrede

Flüchtlinge und Auskreisung als Redethemen, Schwaben-Rock und Mittelalter-Markt im Unterhaltungsprogramm: Die Stadt Reutlingen hat am Wochenende den elften Schwörtag neuer Zeitrechnung gefeiert.

13.07.2015
  • Matthias Reichert

Reutlingen.Oberbürgermeisterin Barbara Bosch brachte es in ihrer Schwörtagsrede im Hof des Friedrich-List-Gymnasiums auf den Punkt: Es sei ein Tag des demokratischen Frohsinns, aber auch ein Tag demokratischer Verantwortung. Die Verwaltungschefin hat das Schicksal der vielen Flüchtlinge in den Mittelpunkt ihrer gestrigen Schwörtagsrede gestellt. Weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Folter und Terror – „wir würden uns in dieser Situation ebenfalls auf die Flucht begeben.“ Die Menschen unterzubringen und zu integrieren „werden wir nur gemeinsam schaffen“. Das gelte für die Kernstadt wie für die Bezirksgemeinden. In Zeiten „digitaler und analoger Empörungswellen“ brauche es eine nüchterne, sachliche Diskussion. Bosch: „Wer beim Thema Flüchtlinge Öl ins Feuer gießt, spielt mit den Grundwerten unserer demokratischen Gesellschaft.“

Realitäten nicht aus den Augen verlieren

Die Stadt werde wohl übergangsweise Turnhallen belegen und Zelte für die Flüchtlinge aufstellen müssen, so die Oberbürgermeisterin. Man dürfe die Realitäten nicht aus den Augen verlieren. Das sagte sie an die Adresse der Linken, die ihrer Ansicht nach Wohnformen verlangen, die weder bezahlbar noch schnell zu erstellen seien.

Bosch verlangte ein Bündnis für preiswertes Wohnen, lobte die städtische Wohnungsgesellschaft GWG für ihr Wohnbauprogramm, das „bis an die Grenzen des Machbaren“ gehe. Im Storlach plane die Stadt parallel eine Flüchtlingsunterkunft und ein Studentenwohnheim. Bosch dankte aber auch den Ehrenamtlichen für die Hilfen bei der Integration der Flüchtlinge.

Neben dieser engagierten Worte lief das Zeremoniell beim elften Schwörtag neuer Zeitrechnung ab wie gewohnt. Die Stadtkapelle stand still und rührte sich, der Chor des Friedrich-List-Gymnasiums ließ sein „FLG“ hochleben, Fahnenflaiger Thomas Walker schwenkte die Stadtfahne auf der Bühne. Und Oberbürgermeisterin Bosch schwor wieder, „innsgemein das Beste zu thun, nach meinem besten Verständtnuß“.

Seit 2010 im Volkspark gedeiht der Mittelalter-Markt zum Schwörtag zum Szene-Treff. Eine große Zeltstadt hatten die Händler und Mittelalter-Nostalgiker wieder aufgebaut. Schwerter klirrten, Eulen und Adler schwangen sich in die Lüfte. Es gab Kleider, Schmuck, „Beerenweine und feinste Elixiere“.

Wahlweise Gürtel und Methörner, leicht verbrannt riechende Fleischspieße. Eine Schalmeientruppe am Pavillon in der Mitte intonierte ausdauernd „Hey, Pippi Langstrumpf“. Dazu Kerzen, Kräuter und dreierlei Pfeffer, Hufeisen-Wettwerfen und Fußbäder, anschließendes „Kneten“ im Preis inbegriffen. Wie man sich das Mittelalter halt vorstellt. Die Gäste kamen bis aus Berlin. Markus Wiedenhöfer aus Stuttgart hatte das Kreuzritter-Kostüm angelegt: „Davon träumt jedes Kind.“ Seit drei Jahren zieht die Familie auf Mittelalter-Märkte im Umkreis von 150 Kilometern. Sie lobten die friedliche Atmosphäre. „Wir haben auf so einem Markt noch nie eine Schlägerei oder Reibereien erlebt“, so Wiedenhöfer.

Rund tausend Leute hörten am Samstagabend die Schwaben-Altrocker von Grachmusikoff. Und am Freitag eröffnete Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly die Festlichkeiten mit seinem Schwörtagsvortrag im Rathausfoyer.

gSiehe „Mit Engelszungen“

OB Barbara Bosch stellt Flüchtlings-Schicksale in den Mittelpunkt ihrer Schwörtagsrede
Vom Gottesdienst in der Marienkirche zogen die Handwerker mit Zunftfahnen zum List-Gymnasium, wo Oberbürgermeisterin Barbara Bosch auf die Stadt schwor. Bild: Haas

OB Barbara Bosch stellt Flüchtlings-Schicksale in den Mittelpunkt ihrer Schwörtagsrede
Wie man sich das Mittelalter so vorstellt: Der Markt im Volkspark als Szene-Treff. Bild: Haas

Barbara Bosch thematisierte in ihrer Schwörtagsrede auch die städtischen Auskreisungspläne. Wohl weil der Reutlinger Landrat Thomas Reumann anwesend war, entschärfte die Oberbürgermeisterin den Text gegenüber der Vorlage leicht. Sie unterstrich aber, die Kreisangehörigkeit Reutlingens sei „keine frei gewählte Partnerschaft auf Augenhöhe“. Der Stadtkreis bringe Reutlingen einen Zugewinn an Selbstständigkeit und Selbstverantwortung. „Wir wollen Gleichbehandlung, auch in Finanzfragen“, so Bosch.

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13.07.2015, 12:00 Uhr

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