Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kiebingen 21 angedroht

OB Neher macht eine B 28-Bürgerversammlung

Einmal durften die Zuhörer bei der Kiebinger Bürgerversammlung am Dienstagabend in der Sülchgauhalle sogar abstimmen: Über 200 Hände hoben sich für eine flache Brücke über die geplante B 28, keine einzige fürs geplante Überführungsbauwerk, bei dem die Stadtverwaltung noch Verbesserungen erreichen möchte.

16.09.2010
  • willibald ruscheinski

OB Neher macht eine B 28-Bürgerversammlung
„Es geht uns nicht um Verzögerungstaktik, sondern um den Zugang zu Gewerbegebiet, Festplatz und Neckar“, beteuerte Ortsvorsteherin Elisabeth Schröder-Kappus (im Bild rechts) in der Sülchgauhalle. Am Tisch vorn sitzen (von links) Tiefbauamtsleiter Manfred Wanner, Bürgermeister Volker Derbogen und OB Stephan Neher.Bild: Mozer

Kiebingen. Dabei hatte OB Stephan Neher schon bei der Ortschaftsratssitzung im Mai klipp und klar gesagt, dass er keine Chance mehr sieht, die ungeliebte Überführung noch abzuwenden. Im August, so erklärte Neher den Kiebingern nun, habe er die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens von Tanja Gönner „schwarz auf weiß“ bestätigt bekommen. Die Verkehrsministerin schrieb, das Land sehe auch nach Überprüfung der Verkehrsmengen „keine neuen Erkenntnisse, die eine Finanzierungsbeteiligung des Bundes an den erheblichen Mehrkosten rechtfertigen würden.“

Gemeint ist die vom Rottenburger Gemeinderat seit 2008 geforderte Planvariante 3 b, die die künftige B 28 vorm Kiebinger Bahndamm in einen 450 Meter langen Trog absenken will, um eine 20 Meter breite Brücke als ebenerdige Querung zwischen Dorfkern und Festplatz samt Neckar möglich zu machen. Von den geschätzten Mehrkosten von 4,8 Millionen Euro würde die Stadt 1 Million übernehmen.

Damit soll eine Überführung der Neckarstraße mit 6 Prozent Steigung auf den Rampen und vier rechtwinkligen Kurven verhindert werden, die den Bahndamm weit überragen würde. Anders als Ortschaftsrat und Interessengemeinschaft B 28 will die Stadtverwaltung Modifikationen an diesem Bauwerk erreichen, die Tiefbauamtsleiter Manfred Wanner erläuterte.

Demnach wird es nichts mit der Absicht, die Trasse wenigstens 70 Zentimeter in den Boden zu drücken, weil das Regierungspräsidium auch da schon um die Grundwassersicherheit fürchtet. Möglich sei aber, so Wanner, den Baukörper der Überführung mit Hochleistungsbeton nur einen halben statt geplanter 1,50 Meter dick werden zu lassen und beim Lichtraumprofil weitere 20 Zentimeter abzuzwacken.

Im Endeffekt würde der Brücken-Bügel 1,20 Meter weniger hoch aufragen. Die Rampen ließen sich um jeweils 25 Meter verkürzen, bei einer gleichzeitig verringerten Steigung von noch 5 Prozent. „Das“, so Wanner, „ist es, was wir beim RP aushandeln konnten.“ Die Mehrkosten von insgesamt 650 000 Euro würden von der Stadt getragen.

Dem setzt die Interessengemeinschaft B 28 einen Vorschlag entgegen, der beim RP als „Lohmiller-Variante“ gehandelt wird. Demnach würde es reichen, die B 28 auf Höhe Neckarstraße nur 3,50 Meter tief abzusenken, sofern man die Brücke nicht ganz ebenerdig baut, sondern einen Meter anhebt. So entstünden zwar Rampen mit 5 Prozent Steigung zum Ort und 2 Prozent zum Neckar hin.

Doch rechnet man eine Absenkung der Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 70 Stundenkilometer ein, erklärte IG-Mitglied Guido Lohmiller, müsste der Straßen-Trog dann bloß noch 310 statt 450 Meter lang sein. Im Endeffekt, so Lohmiller, ergäbe das für den Bund Mehrkosten von nur 1,9 Millionen statt 3,8 Millionen Euro bei der Variante 3 b. Die Stadt hatte 2,8 Millionen errechnet.

In der Fragerunde versuchten Bürger ihre Zweifel an den Grundlagen der fast eineinhalb Jahrzehnte alten Planung wiederholt auch mit Zahlen zu untermauern. Anders als das RP errechnet Lohmiller 10 Prozent Verkehrszuwachs seither; es wurde wiederholt auf bis zu 1700 Menschen verwiesen, die täglich zwischen Ortschaft und Neckar unterwegs seien; speziell bei Festen müssten Tausende von Besuchern künftig die „gefährliche“ Überführung benutzen, sagte etwa Musikvereins-Chef Rudolf Herrmann. Und immer wieder äußerten Redner, dass sie dem OB nicht zutrauen, die Sache Kiebingens mit Engagement zu vertreten und „politischen Einsatz“ zu zeigen, statt auf anscheinend unverrückbare Rechtspositionen zu verweisen.

„Wollen Sie ein Kiebingen 21? Das können Sie bekommen, wenn Sie Ihr Meinungsbild nicht ändern“, drohte Guido Lohmiller. Den OB focht das nicht an. „Es wäre ein Fehler der Landesregierung, wenn sie 5 bis 6 Milliarden Euro an Bundesmitteln aus den Fingern gleiten ließe“, kommentierte er das umstrittene Stuttgart-21-Projekt und zeigte ähnliches Unverständnis für die Kiebinger Haltung: „In anderen Ortschaften wird die Diskussion anders geführt. Da ist man froh, wenn der Bund Geld in die Hand nimmt.“

Am Ende aber gelobte Neher, sich für die Rottenburger Interessen „mit allen Mitteln“ zu verkämpfen, selbst wenn der Gemeinderat im Oktober bei seiner bisherigen Linie in Sachen B 28 bleiben sollte. Unbedingt zu verhindern gelte es ferner, dass ein Bau der Straße in Abschnitten „die volle Verkehrsbelastung auf die Kiebinger Ortsdurchfahrt bringt.“

Info: Der Kiebinger Ortschaftsrat berät am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im Rathaus erneut über die B 28.

Siehe auch

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball