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OB Palmer will Altstadthändler unterstützen
Hängen in vielen Geschäften: Plakate der „Altstadt-Initiative“, auf denen über 150 Händler fordern: „Runter mit den Parkgebühren!“
HGV fordert Vorfahrt fürs Auto

OB Palmer will Altstadthändler unterstützen

Die von OB Boris Palmer losgetretene Debatte um die City-Maut war der Auslöser: Etliche Händler haben Angst ums Tübinger Image – als „autofeindliche Stadt“, wie auch der HGV beklagt. Palmer erwidert: „Ich will den Handel in der Innenstadt stützen.“ Das funktioniere aber nicht, indem man möglichst viele Autofahrer anlocke.

26.05.2012
  • Volker Rekittke

Tübingen. So ganz glücklich ist Christian Riethmüller nicht mit den vielen knallgelben Plakaten, die derzeit die gesamte Altstadt überfluten. „Runter mit den Parkgebühren!“ und „Nein zur City-Maut!“ heißt es dort kämpferisch. Zwar kann Riethmüller, der im Vorstand des Tübinger Handel- und Gewerbevereins (HGV) sitzt, den Unmut der mehr als 150 Innenstadthändler verstehen.

Allerdings findet er die „potthässlichen Plakate“ nicht gerade förderlich fürs Image – und stellt die Frage, warum die Händler nicht erst das Gespräch mit der Stadt suchten. „HGV und Altstadt-Initiative sind nicht dasselbe“, betont Riethmüller – auch wenn man „grundsätzlich ähnliche Interessen“ habe.

Da ist was dran: In einem Diskussionspapier des HGV-Vorstands, das noch gar nicht zur Veröffentlichung gedacht war und irrtümlich ans TAGBLATT geschickt wurde, wird die Diskussion um die City-Maut scharf kritisiert.

Die Debatte suggeriere, „dass Autofahrer in Tübingen nicht willkommen sind“. „Autofeindliche Aktionen“ wie hohe Parkgebühren im Straßenraum, zu wenig Parkplätze und zu kurze Ampel-Grünphasen würden vor allem Auswärtige davon abhalten, mit dem Auto nach Tübingen zu kommen: „Dies schadet dem innerstädtischen Einzelhandel immens!“

Zwar wird in dem HGV-Papier auch kurz „die drohende Klimakatastrophe“ und die Notwendigkeit zum Klimaschutz („Tübingen macht blau“) erwähnt. In dem folgenden, umfangreichen Forderungskatalog dreht sich aber alles um das Thema Autoverkehr. So fordert der HGV von der Stadt:

Autofreundlichere und damit CO2-einsparende Ampelschaltungen. Riethmüller: „Man steht von der Blauen Brücke bis zum Lustnauer Tor nur noch im Stau.“

Mehr Parkplätze und niedrigere Parkgebühren. „Seit die Parkgebühren im Straßenraum so stark erhöht wurden, merken viele Händler, dass die Umsätze zurückgehen“, so Riethmüller.

Ein modernes Parkleitsystem sowie die Umbenennung der Parkhäuser, damit die Nähe zur Alt- und Innenstadt aufgezeigt wird.

Und schließlich: „Schluss mit der Diskussion um die City-Maut“. Palmers Vorschlag, dafür die erste Stunde Parken kostenlos zu machen, bringe nichts, „weil die City-Maut als ’Bestrafung‘ psychologisch im Vordergrund steht“, heißt es in dem HGV-Papier.

Boris Palmer hält die Diskussion „autofreundlich oder autofeindlich“ indes für völlig verfehlt: „So kommen wir nicht zueinander.“ Dass der angesichts von Konkurrenz in Internet, Discountern und Läden auf der grünen Wiese darbende Innenstadthandel gestärkt werden muss, steht für den grünen Oberbürgermeister außer Frage: „Ich will auch, dass die Händler Umsatz machen.“

Dissens gebe es über den richtigen Weg: „Das Einkaufserlebnis für Tübingen-Besucher ist viel wichtiger, als zwei Parkplätze in der Neuen Straße zu erhalten.“ Für Palmer ist ein viel größeres Problem als hohe Parkgebühren im Straßenraum („dafür sind die Parkhäuser günstig und dort ist immer was frei“): Tag für Tag würden Einheimische und Touristen in malerischen Altstadtgassen durch 1200 Fahrten von Autos, Lieferwagen und Baufahrzeugen vom Pflaster gescheucht.

Zu den einzelnen HGV-Forderungen sagt Palmer:

An vielen Ampeln haben Busse Vorrang vor Autos – so beschloss es der Gemeinderat vor Jahren. Wegen technischer Anlaufschwierigkeiten wird das System erst jetzt voll in Betrieb genommen. Hinzu kommt: Stauten sich Busse und Autos einst die Mühlstraße hinunter über die Neckarbrücke, werde der Stau durch andere Ampelphasen nun auf eine längere Strecke – von der Blauen Brücke bis zum Lustnauer Tor – verteilt.

Die Parkgebühren so stark senken wie vom HGV gefordert (immer die ersten zwei Stunden sowie samstags ab 14 Uhr kostenlos), würde ein Loch von mehr als einer Million Euro in die Stadtkasse reißen. Palmer: „In der Finanzkrise in Tübingen alles teurer machen, nur das Autofahren wird jetzt billiger – das geht mit einem grünen OB nicht.“

Palmer ist wie der Gemeinderat für ein Parkleitsystem, allerdings für ein modernes („das kommt 2014“).

Bei den Argumenten des HGV gegen die City-Maut geht es für Palmer „ausschließlich um Psychologie“. Fakt sei: „Überall dort, wo die City-Maut eingeführt wurde, hat der Innenstadthandel profitiert.“

OB Palmer will Altstadthändler unterstützen
AUF DEN FETTEN Tübinger Altstadtweiden.

OB Palmer will Altstadthändler unterstützen
Fußgänger und Fahrradfahrer, Autos und Busse auf der blumengeschmückten Neckarbrücke – wer bringt wohl mehr für den Innenstadthandel?

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26.05.2012, 12:00 Uhr

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