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Durchfahrt nur noch mit Tempo 30 und Grüner Plakette

© Ziehe 02:00 min

Fahrradhelm und Vertrauen in die Netiquette zerstört

OB Palmer wird in Netz und Stadt heftig angefeindet

„Idiot“, „Palmer raus“, „Spinner“, „Ökofaschist“ – der Tübinger OB hat es in Internet-Debatten oft nicht leicht. Boris Palmer polarisiert, und das bekommt er zu spüren. Am Mittwochabend wurde sein Fahrradhelm von Unbekannten ruiniert.

22.11.2012
  • Matthias Stelzer

Tübingen. Die Bändel abgerissen, die Schale ruiniert – als Boris Palmer in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, nach der Büroarbeit, in der Tiefgarage unter dem Blauen Turm ankam, fand er seinen roten Radhelm zerstört in einer Ecke.

OB Palmer wird in Netz und Stadt heftig angefeindet

Eine Sachbeschädigung, die der Tübinger Oberbürgermeister, wie er dann auch auf seiner Facebook-Seite mitteilte, als Anschlag versteht. Zumal er am Mittwoch auf eben jener Seite auch schon kräftig Beschimpfungstiraden einstecken musste. Die Netzgemeinde machte ihn für die Anordnung weiterer Tübinger Tempo-30-Zonen durch das Regierungspräsidium verantwortlich. Innerhalb kürzester Zeit erntete Palmer gut 150 – überwiegend negative – Kommentare zu einem Eintrag, in dem er die Ausweisung von weiteren Tempo-30-Straßen ankündigte und lobte. „Es geht voran. Nicht schneller, aber umwelt- und menschenfreundlicher“, hatte er geschrieben.

Woraufhin sich die Wut in einem so genannten Shitstorm entlud – vor allem auch gegen den autofeindlichen und fahrradfreundlichen Oberbürgermeister. Die Sachbeschädigung an seinem Radhelm in der für die Öffentlichkeit eher unzugänglichen Tiefgarage unter dem Interims-Rathaus hält Palmer nicht für Zufall.

„Ich staune. So kannte ich Tübingen nicht“, kommentierte der 40-Jährige den Anschlag auf seiner Seite. Dabei kennt Palmer die aggressive Seite Tübingens sehr wohl. „Klar bekomme ich immer wieder Drohungen“, sagt er. Und räumt auch ein, dass er eine „leichte Zielscheibe“ sei. Er habe als Person natürlich auch mit „pathologischen Fällen“ zu tun. „Es gibt beispielsweise einen, der mich bei Begegnungen immer massiv bedroht und auch schon handgreiflich wurde.“

Mit solchen Anfeindungen müsse er wohl leben, meint Palmer. Zumal Erklärungen ja schnell gefunden seien. „Dass ich einen offensiven Diskussionsstil pflege, das weiß ich ja selbst“, sagt er. Dennoch setzen ihm die aktuelle Heftigkeit und Gewaltbereitschaft zu. „Ich habe schon geschluckt.“

Beachtlich findet Palmer auch, dass er bei der Debatte um mehr Tempo-30-Straßen in der Innenstadt ja auch nur eine „ideale Projektionsfläche“ gewesen sei. Er hätte die Geschwindigkeitsreduzierungen zum aktuellen Zeitpunkt nicht angeordnet, sagt der Oberbürgermeister. Und das nicht, weil er das Vorgehen für falsch hielte. Nein, der „politische Preis“ wäre ihm zu hoch gewesen. „Ich bin als grüner OB nirgends vorsichtiger als beim Verkehr“, sagt er.

Aus dem Anschlag auf seinen Helm und den wüsten Beschimpfungen auf seiner Facebook-Seite will Palmer nun Konsequenzen ziehen. Er wird Kommentatoren, „die erkennbar gegen alle Regeln der Netiquette verstoßen“, künftig blockieren. Sie also nicht mehr an seine Seite schreiben lassen.

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22.11.2012, 12:00 Uhr

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