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Bergung

Oben gucken, unten schnüffeln

Die Rettungs- und Suchhundegruppe Heidenheim hat seit kurzem eine Drohne im Einsatz. Das Zusammenspiel von Tier und Technik soll das Auffinden vermisster Personen beschleunigen.

26.04.2017
  • AMREI GROSS

Rettungshunde sind unsere Kompetenz“. Mit diesem Slogan bewirbt der Bundesverband Rettungshunde (BRH) als älteste und größte rettungshundeführende Organisation in Deutschland seine Dienste. Seit rund einem Jahr geht er jedoch auch neue Wege: Moderne Drohnen unterstützen die Hundeteams im Einsatz. Drei von ihnen betreibt der BRH im ganzen Bundesgebiet; eine von ihnen ist bei der Rettungs- und Suchhundegruppe in Heidenheim stationiert.

Seit wenigen Tagen ist sie offiziell einsatzbereit. Das knapp fünf Kilogramm schwere Gerät ist mit einer Digitalkamera und einer leistungsstarken Wärmebildkamera ausgestattet. „Sie ergänzt unsere derzeitigen Einsatzoptionen optimal“, erklärt Uwe Köninger, der erste Vorsitzende der Heidenheimer Staffel. Während die zehn geprüften Flächensuchhunde des Teams vorwiegend für Personensuchen in dicht bewachsenen und unwegsamen Waldflächen zum Einsatz kommen, kann die Drohne bei Tag und bei Nacht offenes Gelände mit Feldern und Wiesen abdecken – quasi wie ein Polizeihubschrauber im Kleinen.

Für Köninger ist die Technik daher ein weiterer Baustein, der es ermöglicht, vermisste und in Not geratene Menschen in der Fläche schnellstmöglich zu finden. Im dichten Wald sei die „biologische Komponente“ Hund jedoch nach wie vor die erste Wahl: „Im dichten Bewuchs hat eine Wärmebildkamera in der Regel keine Chance, aus der Luft bis zum Boden durchzudringen“, sagt er. Attraktiv für die Rettungshundestaffel sind jedoch auch die zusätzlichen Einsatzfelder der Drohne.

„Das ist eine ganz tolle Geschichte“, sagt der Leiter des BRH-Referats Einsatz national, Detlef Kabelmacher. Seine eigene Staffel Holstein setzt eine Drohne vom selben Typ wie die Heidenheimer bereits seit einem Jahr erfolgreich ein. Er sagt: „Unsere Erfahrungen sind durch die Bank positiv.“ Die Drohne eigne sich neben Flügen bei der Suche nach Vermissten auch optimal für die Erkundung und Dokumentation komplexer Lagen, etwa bei Großbränden, schweren Verkehrsunfällen oder Schäden an Gebäuden; sie leiste zudem wertvolle Dienste bei der Erfassung von Hochwasserausdehnungen und im Katastrophenschutz.

Billig sind die Geräte jedoch nicht: „Da fliegt rein finanziell gesehen ein VW Passat in der Luft“, zieht Kabelmacher einen scherzhaften Vergleich. Rund 40 000 Euro koste eine Drohne, allein die an Bord befindliche Wärmebildkamera verschlingt in der Anschaffung eine Summe im niedrigen fünfstelligen Bereich. Dennoch will der Bundesverband Rettungshunde sein Drohnennetz in den nächsten Jahren ausbauen – „wenn die entsprechenden Einsätze nachweislich da sind“, wie Kabelmacher erklärt.

Vier Piloten geschult

Für die Rettungs- und Suchhundestaffel Heidenheim hat mit der Einsatzbereitschaft der Drohne eine spannende Zeit begonnen. Wann und wie oft die Technik zum Einsatz kommt, müsse die Zukunft zeigen, sagt Uwe Köninger. Fest steht: „Unser primäres Einsatzgebiet erstreckt sich im Umkreis von zweieinhalb bis drei Stunden rund um Heidenheim“.

Derzeit stehen vor Ort in Heidenheim vier eigens geschulte Drohnenpiloten zur Verfügung. Sie haben eine intensive Ausbildung in Theorie und Praxis durchlaufen und treffen sich regelmäßig zu Trainings. Neue Mitglieder, die Interesse an der Arbeit mit Hunden und Drohnen haben, sind herzlich willkommen – in Heidenheim ebenso wie in jeder anderen der bundesweit über 70 BRH-Staffeln.

Info Weitere Informationen unter bundesverband-rettungshunde.de

Hilfsorganisationen schlagen Alarm

Herausforderungen Hilfsorganisationen mit Rettungshundestaffeln schlagen Alarm. Zum einen gehen Spenden und Mitgliedsbeiträge deutlich zurück. Damit fehlt Geld für Rettungseinsätze. Zum anderen fordern Organisationen wie Arbeiter- Samariterbund, Johanniter, Malteser oder der Bundesverband für Rettungshundestaffeln eine gesetzliche Gleichstellung. Dazu sagte Björn Vetter vom Deutschen Roten Kreuz: „Wir fordern schon lange eine gesetzliche Gleichstellung mit der Feuerwehr. Gehen ein Freiwilliger Feuerwehrmann und eines unserer Mitglieder in den selben Einsatz, muss der Arbeitgeber den Feuerwehrmann freistellen. Unser Mitarbeiter ist vom guten Willen des Arbeitgebers abhängig. Und darf er dann gehen, muss er oft die Zeit nacharbeiten. Das ist für unsere Leute natürlich sehr demotivierend, wenn sie sehen, beim Feuerwehrmann geht das problemlos, bei mir nicht.“

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26.04.2017, 06:00 Uhr

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