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Der alte Palmer im jungen

Oberbürgermeister entschuldigt sich und erklärt sein Verhalten

Boris Palmer hat sich beim Betreiber der Discounthalle am Bahnhof entschuldigt und Erklärungen für sein Verhalten im Nägelehaus auf der Schwäbischen Alb gegeben.

27.08.2014
  • Gernot STegert

Tübingen. Oberbürgermeister Palmer möchte, dass der Club „Schwarzes Schaf“ Platz in der jetzigen Discounthalle findet. Doch hatte er darüber mit deren Geschäftsführer Vedat Dagarslani kein Wort gewechselt, sondern obendrein noch Aufnahmen mit dem Smartphone im Laden gemacht, ohne um Erlaubnis zu fragen (wir berichteten). Für beides hat sich der OB jetzt entschuldigt, wie der Betriebswirt bestätigt.

Palmer ist in den Laden gegangen und hat eine Stunde mit Dagarslani gesprochen, wie beide dem TAGBLATT sagten. Über die Entschuldigung ist der Discounthallenbetreiber froh, in der Sache aber nicht. 300 Unterschriften für den Verbleib der Discounthalle habe er bereits gesammelt, so Dagarslani.

Palmer habe ihm den „Schlachthof“ und den „Zoo“ als Alternativstandorte angeboten. Das sei aber zu weit außerhalb. Palmer erklärte auf Nachfrage, diese Botschaft Dagarslanis habe er verstanden. Er habe schon zwei, drei weitere Standort-Ideen. Einen Platz für eine Discounthalle zu finden sei leichter als für einen Studentenclub.

Dass auch sein Auftritt im Nägelehaus ein Fehler war, sieht Palmer mittlerweile ein: „Wenn ich gewusst hätte, wie die Reaktion ist, dann hätte ich das besser gelassen.“ Diesen Wirbel habe er nicht vorhergesehen. Künftig wolle er sich häufiger bremsen und „an der richtigen Stelle einen Konflikt suchen, nicht an der falschen“. Die Risiken der schnellen Kommunikation über Facebook kenne er und lerne dabei. Aber Palmer will weiterhin „nicht der OB über allem, sondern mittendrin“ sein, auch in Diskussionen.

Dass er auf die Weigerung des Wirts, ihm im Freien eine Apfelschorle zu geben, emotional reagiert hat, räumt Palmer ein und erklärt dies mit der Situation und seiner Persönlichkeit. „Ich kann so wenig aus meiner Haut wie jeder andere auch“, sagt der 42-Jährige. „Da ist mir halt der Gaul naus. Ich weiß, dass ich ihn zügeln muss. Daran werde ich mein Leben lang arbeiten müssen.“

Aber Palmer rechtfertigt sich auch mit der Lage. Er sei nach einer anstrengenden Steigung mit dem Rad kaputt und durstig gewesen. Unterwegs sei ihm ein Onstmettinger begegnet, der ihm schon vorhergesagt habe, dass er draußen nicht mehr bedient werde. Und dann sei das eingetroffen. Palmer: „Es gehören immer zwei zum Streit.“ Der Wirt sei schroff gewesen.

Eines aber bestreitet der Tübinger OB: Dass er sein Amt ausnutzen wollte. Der „Reutlinger General-Anzeiger“ zitierte Augenzeugen der Auseinandersetzung. Demnach hat Palmer gesagt: „Wissen Sie nicht, wer ich bin.“ Auch habe er mit der Veröffentlichung auf Facebook gedroht.

Gegenüber dem TAGBLATT räumte Palmer ein: „Ich habe gesagt, wer ich bin und dass ich den Vorfall öffentlich mache.“ Aber nicht am Anfang, sondern am Ende des Streits. Dabei habe er sich keine Vorrechte herausnehmen, sondern „mit offenem Visier“ gehen wollen.

Palmer sieht zwei unterschiedliche Perspektiven beim Konflikt. „Ich begehre gegen Schikanen auf, das habe ich von meinem Vater.“ Er habe sich auf der Alb nicht als OB gesehen. Er wolle auch sonst keine Sonderbehandlung. Aber er habe erkannt, dass andere das so sehen. Sein Verhalten sei missverständlich gewesen. Künftig werde er sich „lieber mal die Zunge abbeißen“.

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27.08.2014, 12:00 Uhr

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