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Kommentar

Ochsentour statt Jakobsweg

Eigentlich, sagt Klaus Krumrey, hätte er im Herbst mit seiner Frau den Jakobsweg von Frankreich nach Santiago de Compostella laufen wollen – doch die Pilgerreise ist jetzt gestrichen: Bis Januar gibt es für den Karlsruher keinen Urlaub mehr, sondern die Reutlinger Ochsentour mit 16 Stunden pro Tag plus zwei Stunden An- und Abreise.

14.06.2012
  • Thomas de Marco

Warum aber tut sich der Mann, der schon zweimal den Ruhestand verschoben hat, um erst 2006 die Tagungszentren Böblingen und Sindelfingen zu fusionieren und dann 2008 das Wissenschafts- und Kongresszentrum in Darmstadt zu retten, nun den Feuerwehrjob in Reutlingen an? „Weil es mir ganz einfach Spaß macht in dieser turbulenten Branche“, sagt der 70-Jährige, „ich nehme gerne Herausforderungen an – und Reutlingen ist eine echte Herausforderung!“ Krumrey redet Klartext, verbreitet Aufbruchstimmung und hat fest umrissene Vorstellungen, was jetzt zu tun ist, um das Projekt in einen vernünftigen Betrieb zu führen.

Er will nicht warten wie sein gescheiterter Vorgänger Volker Schmidtke, bis der Halle die Kunden von sich aus ins Haus flattern, sondern will für die künftige Belegung selbst die Akzente setzen – vor allem bei der Akquise von Tagungen und Seminaren, aber auch beim Zuschnitt des Kulturprogramms. Er träumt sogar davon, den Geiger David Garrett oder die Opernsängerin Cecilia Bartoli nach Reutlingen zu holen notfalls auch mit Hilfe von Sponsoren.

Ganz wichtig ist dem Karlsruher dabei die Dienstleistungsfunktion der Stadthalle: „Ich setzte auf drei S: Service, Service, Service. ,Man muss euch am Telefon lächeln hören’, sage ich meinen Mitarbeitern.“ Als erste Sofortmaßnahme will der Interims-Geschäftsführer die Vermarktung der Halle, für die es noch nicht einmal einen Prospekt gibt, voranzutreiben.

„Diese Imagewerbung hätte früher gemacht werden müssen“, kritisiert Krumrey, „wir müssen die Halle sowohl überregional im gesamten deutsch-sprachigen Raum als auch in der Stadt selber bekannt machen. Aber da ist schon noch viel zu retten.“ Reutlingen etwa könne nicht fehlen, wenn sich Mitte Juli in Esslingen bei der Messe „Locations“ außergewöhnliche Veranstaltungsräume und Eventservices der Region Stuttgart vorstellen – bisher war Reutlingen dafür nur mit seinem Stadtmarketing und zwei Hotels gebucht.

Für die Vermarktung der Halle will Krumrey nicht nur durch die Republik touren, sondern auch vor Ort beim Stadtfest Hallen-Postkarten unter die Leute bringen und damit Karten fürs Neujahrskonzert verlosen. Auch einen Tag der Vereine plant er – und warum, fragt Krumrey, soll nicht mal der singende Bürgermeister Peter Rist bei einem Tag der Offenen Tür auftreten?

Bei all’ der Schlagkraft, die der Krisenmanager gestern versprühte, drängt sich die Frage auf, warum er eigentlich nicht viel früher von OB Barbara Bosch mit dieser Hilfsmission beauftragt worden ist. Immerhin will Krumrey mit seinen Kontakten in die Veranstalterszene auch mithelfen, seine Nachfolge zu regeln. Damit er im Frühjahr 2013 die Wanderung auf dem Jakobsweg endlich antreten kann. Denn aus dem Reutlinger Rettungsjob sollen keine zweieinhalb Jahre wie in Darmstadt werden.

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14.06.2012, 12:00 Uhr

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