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Lebenslust am Limes

Öhringen ist vom 22. April an Schauplatz der Landesgartenschau

Die 26. Landesgartenschau kommt für Öhringen zur rechten Zeit. Die Stadt befindet sich im Aufwind und erhofft sich vom 171-Tage-Spektakel auf Dauer noch mehr Beachtung auch außerhalb Hohenlohes.

12.04.2016
  • HANS GEORG FRANK

Öhringen. Thilo Michler, seit sieben Jahren parteiloser Oberbürgermeister von Öhringen, ist kaum zu bremsen in seiner Schwärmerei. Als Gastgeber der 26. Landesgartenschau ist er selber "wirklich begeistert, was man hinbekommen hat". Für das 171 Tage dauernde Parkfest sei "alles traumhaft schön" geworden, wirbt er für die "Lebenslust am Limes", wie das Spektakel zwischen Altstadt und Neubaugebieten propagiert wird. Auf einem 30 Hektar großen Areal seien für 28 Millionen Euro - davon die Hälfte aus diversen Fördertöpfen des Landes - in rekordverdächtiger Zeit Naturräume geschaffen und Gartenträume erfüllt, dass Hubert Möhrle als der Chef der landeseigenen Fördergesellschaft bwgrün von "Verzaubern" spricht. Öhringen sei "ein traditionsreicher und gleichzeitig moderner Botschafter" für das ganze Land, stellte Alexander Bonde als zuständiger Garten-Minister mittels Ferndiagnose fest.

Der Schauplatz der "Laga" (offizielles Kürzel) gliedert sich in drei Bereiche, die auch "gärtnerische Highlights" bieten sollen. Der 300 Jahre alte Hofgarten wurde erheblich aufgehübscht, das Flüsschen Ohrn plätschert jetzt ohne Korsett durch die idyllische Cappelaue, ein verschlossenes Hofgut mit barockem Lustgarten mutierte zum zugänglichen Kleinod. Quer durch das Gelände verläuft der seit 2005 zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Limes, der mit sieben Meter breiter Hecke und Blumenbeeten auf 440 Meter von seiner Unsichtbarkeit befreit worden ist. Landart also mit historischem Bezug.

Dem römischen Grenzstreifen ist das Logo der Laga gewidmet: 19 bunte Stelen, die an die Palisaden der Besatzer vor 19 Jahrhunderten erinnern sollen. Dieses Erkennungszeichen ist in diversen Ausprägungen an allen Orten des kleinsten Landkreises Baden-Württembergs zu finden. Landrat Matthias Neth (CDU) sieht in der Gartenschau denn auch "eine großartige Chance, die Vielfalt unseres Kreises zu zeigen".

Nirgendwo waren die Identifikation und Vorfreude auf eine Landesgartenschau größer als in Öhringen. 27 000 Dauerkarten bei 23 500 Einwohnern - ein Novum. Damit es allen gefällt, haben 100 Hausbesitzer ihre angrenzenden Immobilien herausgeputzt. Die Begeisterung ist so groß, dass auch der Handels- und Gewerbeverein im Blick auf gute Geschäfte von der Euphorie ergriffen wurde. Vorsitzender Norbert Groß glaubt an "eine der interessantesten Landesgartenschauen Deutschlands" und träumt schon mal von einem "neuen Besucherrekord".

Dafür möchte der Künzelsauer Unternehmer und Kunstsammler Reinhold Würth, vor 80 Jahren in Öhringen geboren, einen spektakulären Beitrag leisten. Aus seiner gut 17 000 Objekte umfassenden Schatzkammer ließ er zwölf groß geratene Skulpturen auf dem Laga-Areal aufstellen. Dazu gehören drei Figurinen des Briten Tony Cragg, die Würth an seinem Hauptwohnsitz Salzburg als "Weltkunstwerk" spontan gekauft hat: "Die haben mich so beeindruckt." Die sieben Meter hohen Bronzegebilde namens "Points of View" (Standpunkte) - Experten behaupten, sie "tänzeln" - stehen jetzt auf dem Rasen in der Mitte zwischen dem Schloss und dem Hoftheater. "Es gibt keine schönere Sichtachse auf der ganzen Welt", behauptet OB Michler.

Auch wenn Würth die Kunstwerke im Herbst wohl wieder abtransportieren lässt, obwohl er sie dort gerne belassen dürfte, sieht Michler seine Stadt auf Dauer aufgewertet. Es blieben ja ein moderner Park mit drei Spielplätzen, ein Kletterturm, ein Jugendhaus, eine Skateranlage, ein neues Wegesystem: "Eine perfekte Gesamtplanung für die ganze Stadt." So aufgestellt, werde nicht allein der Tourismus angekurbelt. Öhringen werde auch als Wohnort immer attraktiver, ist der oberste Verwalter des einstigen Residenzstädtchens überzeugt. Die verkehrsgünstige Lage an der Autobahn 6, umweltfreundliche Verbindungen mit der Stadtbahn bis in den Schwarzwald, perfekte schulische Infrastruktur haben 1300 zusätzliche Einwohner überzeugt. 60 Plätze eines neuen Baugebietes namens Limespark sind verteilt, von weiteren 90 Grundstücken eines anderen Abschnitts sind 75 reserviert. "Das ist wirklich der Wahnsinn", kommentiert Michler diese Entwicklung, die schnurstracks auf 25 000 Einwohner zustrebe.

Den Vorzügen Öhringens konnte auch der Landrat nicht widerstehen. Matthias Neth hat sich in der größten Stadt seines Beritts einen Bauplatz gekauft, auch wenn sein Amtssitz im über 20 Kilometer entfernten Künzelsau ist.

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12.04.2016, 06:00 Uhr

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