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Ein Loblied aufs Leinöl

Ölmühle wird seit 100 Jahren von Steinhilbers betrieben

Seit 1911 ist die Dußlinger Ölmühle in der Austraße im Besitz der Familie Steinhilber. Bekannt und beliebt über die „Ländle“-Grenze hinaus ist vor allem das selbst produzierte, kalt gepresste Speise-Leinöl.

22.09.2011
  • Amancay Kappeller

Dußlingen. 1911 erfüllte sich der Großvater von Claus Steinhilber mit dem Erwerb der Ölmühle einen Lebenstraum. Sie gilt als einer der ältesten Gewerbebetriebe im Ort. Erstmalig erwähnt ist sie 1620. Wahrscheinlich existierte aber schon im 16. Jahrhundert dort eine Mühle.

Claus Steinhilber übernahm die Ölmühle 1979 von seinem Vater Christian Ernst Steinhilber, der sie 30 Jahre lang betrieben hatte. Schon als kleiner Bub habe er vorgehabt, „die Ölmühle des Opas zu erhalten“.

Seit über 30 Jahren sieht der 68-jährige Kaufmann darin seine Lebensaufgabe. Die Mühleneinrichtung ist immer noch dieselbe wie zu Großvaters Zeiten – worauf Claus Steinhilber besonders stolz ist: „Das hat Seltenheitswert.“

Bei alten Geräten gehe immer etwas kaputt, erzählt er. Gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der sich damit auskennt. Jahrzehntelang kümmerte sich der mittlerweile verstorbene Kurt Schneider um die Wartung der Geräte, berichtet Steinhilber. Seine „Nachfolge“ trat Mechanikermeister Wilhelm Schuler an.

Bis in die 1940er-Jahre wurde die Ölmühle mit Wasserkraft vom Nehrener Mühlkanal angetrieben. Das Wasserrad hatte einen Durchmesser von sechs Metern, erzählt Claus Steinhilber, und war des Großvaters „Allerheiligstes“. Es hatte ein Räderwerk aus handgefertigten Holzkämmen. Als sein Vater die Mühle 1949 übernahm, verschwand im Zuge der Umbauarbeiten auch das Mühlrad. Der Mühlkanal wurde zugeschüttet. „Hätten wir heute noch ein Wasserrad, dann hätten wir eigenen Strom“, bedauert Steinhilber.

Seit 2004 arbeitet sein Sohn Christian Carl im Betrieb mit. Der gelernte Industriekaufmann hat vor, die Mühle in der vierten Generation weiterzuführen. Den Ölmühlenalltag kennt der 31-Jährige seit Kindesbeinen. Tradition sei das eine, sagt Christian Steinhilber, zukunftsfähig müsse das Unternehmen aber trotzdem sein. Er will deshalb „ein bisschen modernisieren“ und Öle eventuell auch übers Internet vertreiben.

Bekannt ist die Dußlinger Ölmühle vor allem für ihr Speise-Leinöl. Das wird noch mit einer hydraulischen Stempelpresse kalt gepresst – laut Claus Steinhilber „die einfachste und wertschonendste Art der Pressung“. Nirgendwo sonst in Deutschland werde das noch so gemacht. „Schnecken-Pressen“ seien zwar wirtschaftlicher, die Öl-Qualität leide aber unter dem Verfahren.

Immer dienstags ist „Press-Tag“. Die Tagesproduktion liegt bei zirka 300 Litern. In einem Filter wird das Leinöl von Schwebstoffen gereinigt, im Nebenraum in Flaschen abgefüllt und noch in derselben Woche ausgeliefert. Wenn es zu lange lagert, wird das Öl bitter. Frisch schmeckt es „fruchtig-nussig – wie in meiner Kindheit“, sagt der Senior. Wer Speise-Leinöl länger aufheben will, kann es einfrieren, lautet der Verbrauchertipp vom Experten.

Claus Steinhilbers Vater Christian Ernst lernte das Leinöl, das früher oftmals zur Möbelpolitur verwendet wurde, auf einer Reise nach Schlesien kennen: Mit Quark verrührt, ist Leinöl als Beilage zu Pellkartoffeln eine schlesische Spezialität. Ab 1950 presste Claus Steinhilbers Vater deshalb für die Heimatvertriebenen in Dußlingen Speise-Leinöl. Die Rettung, denn die Ölmühle stand damals vor dem Aus. Noch heute bekommt Claus Steinhilber manchmal Briefe ehemaliger Kunden, die sein Leinölerzeugnis loben.

Leinöl gilt als eines der gesündesten Speiseöle, da es einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren hat. Es habe in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren, sagt Claus Steinhilber, von der auch die Dußlinger Mühle profitiere. Doch vom Leinöl allein kann der Dußlinger Betrieb nicht leben. Deshalb werden auch andere Speiseöle dort abgefüllt und im „Öl-Lädle“ verkauft. Ausgeliefert wird in einem Umkreis von 100 Kilometern. Abnehmer sind Großküchen, Gastronomie und Naturkostläden.

Ölmühle wird seit 100 Jahren von Steinhilbers betrieben
100 Jahre Ölmühle Steinhilber (von links): Christian, Traudel und Claus Steinhilber vor der 100 Jahre alten Stempelpressmaschine.Bild: Rippmann

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22.09.2011, 12:00 Uhr

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