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Jodeln können alle (Video)

Öschingerin lässt ihre Stimme vom Ross- zum Filsenberg schallen

Cordula Hermenau unterrichtet gerade an der Tübinger Volkshochschule Jodeln in ausgebuchten Kursen. Wir besuchten sie in Öschingen und wollten von der Multivocalistin erfahren, ob es auch Jodler zu den Feiertagen gibt und ob sich der Rossberg zum Jodeln eignet.

03.01.2015
  • Interview: Mario Beisswenger

Tagblatt: Gibt es einen Festtagsjodler, etwa zu Weihnachten?

Cordula Hermenau: Es gibt den Sterzinger Mettenjodler, der wurde immer zur Christmette gesungen. Es ist ein sehr ruhiger, getragener Jodler, der auch unter Andachtsjodler bekannt ist.

Wie kamen Sie zum Jodeln?

Hollereidüliö zwischen Filsenberg und Rossberg

In sieben Jahren hat es Cordula Hermenau aus Öschingen von der Jodelanfängerin zur Jodellehrerin gebracht.

© Video: Schweizer 01:54 min

Das war auf einem Musikfest im Nordhessischen, auf dem Kleinen Knüllköpfchen. Dort musste man sich aus den Workshops aussuchen. Da wurde ein Chor angeleitet mit allen Anwesenden, so 300 Leuten. Da wollt ich hin. Wo ist das mit dem Chor, hab ich gefragt und bekam zur Antwort: „Das ist Jodeln.“ Nach einer halben Stunde war ich vollkommen glücklich. Das war gar keine bewusste Wahl. Da ist richtig eine Welt aufgegangen. Ich wusste nicht, dass das Jodeln ist.

Jodeln Sie nur professionell oder machen Sie das auch im Alltag?

Ich bin ganz gern oben auf dem Rossberg und jodel bis das vom Gegenberg zurückschallt. Der Filsenberg ist fantastisch zum Jodeln, da hat es ein wunderbares Echo.

Geht Jodeln bei jedem Wetter?

Schön ist jodeln, wenn es draußen schön ist. Bei düsterem Wetter wie jetzt würde ich nicht auf den Rossberg gehen.

Wo jodeln die Leute? Morgens im Auto im Stau oder doch eher draußen?

Das ist was Schönes beim Spazierengehen. Jodeln ist was für draußen, weil Jodeln laut ist. Je lauter die Hauptstimme ist, desto leichter fallen einem die Schnackler, also wenn einem die Stimme nach oben ins Falsett springt.

Wer kann jodeln ?

Jeder. Jeder der sprechen kann, kann jodeln.

Sie haben stimmlich sonst noch einiges zu bieten. Was bringt Tiefton-Gebrummel, Schreigesang oder Urtöne?

Im Hirschauer Yogazentrum biete ich Healing Voices, Yoga für die Stimme an. Wir machen da Kopfstand für die Stimme. Töne, die man vielleicht sonst nicht macht in einer Gruppe. Es geht darum, die eigene Stimme einzusetzen, Frequenzen zu erzeugen, die an verschiedenen Stellen im Körper eine heilende Wirkung entfalten – auch wenn das keine Therapie ist.

Es geht darum, dass man sich traut, seine Stimme klingen zu lassen, eigene Töne zu machen.

Ist das dann auch Jodeln?

Nein gar nicht. Jodeln ist die Kunstform.

Sie singen auch noch mit einer Rockband. Passt das zusammen? Wo ist das Verbindende?

Ich würde sagen die Stimme. Ich bezeichne mich als Multivocalistin. Ich probiere alles mit Stimme.

Und wie ist das mit dem mongolischen Obertonquietschen?

Ja, das quietscht bei mir halt. Ich kann das noch nicht richtig singen. Da mach ich gerade eine Ausbildung.

Was wäre denn am späten Vormittag ein angemessener Jodler?

Da gäbe es viele klassische Jodler. Aber die sind schöner im Chor, drei-, vier-, siebenstimmig. Es gibt aber auch Jodler, die man allein singen kann. Der Gröbminger Labhaiger zum Beispiel. Bei mir heißt das einfach Trioljo (jodelt). Der wurde gesungen, wenn man den Käse ansetzt. Es gibt auch den Wurzhorner oder den Almruf. Obwohl das ist noch kein Jodler, weil der Schnackler fehlt (jodelt Holltriajo).

Was hab ich damit meiner Umgebung kundgetan? Ich komm gleich runter?

Ja genau. Und macht mir gleich die Stalltür auf, ich bring die Ziegen mit.

Jodeln als landwirtschaftliches Kommunikationsmittel also?

Öschingerin lässt ihre Stimme vom Ross- zum Filsenberg schallen
Öschingens Topographie eignet sich auch zum Jodeln. Unterricht dazu ließe sich bei der örtlichen Multivocalistin Cordula Hermenau nehmen. Sie schätzt das Echo von Ross- und Filsenberg und probiert das bei Spaziergängen auch immer wieder aus.Bild: Rippmann

Das war eine Kommunikationsform zwischen Hirten auf der Alm. Das hieß dann vielleicht, bei mir lammen jetzt die Schafe, ich brauch Hilfe. Deshalb sind die klassischen Jodler sehr lang gezogen. Man muss da mit dem Echo leben.

Es gibt jetzt die schnellen Jodler. Das sind eher Unterhaltungsjodler, Schlager, Alpenrap (jodelt: Holdiriddel riddeldulijo). Da sind eher die Bierzeltjodeler. Die sind so schnell, so schnell kann der Berg gar nicht antworten.

Sie unterrichten eher die Klassischen?

Ja, die sind dann schön, wenn man sie mehrstimmig singen kann.

Und wie fühlt man sich, wenn man richtig ausgejodelt ist.

Entspannt und meistens ziemlich wohlgelaunt.

  • Cordula Hermenau jodelt seit sieben Jahren. Sie kommt zwar aus Niederbayern, „aber dort wird nicht unbedingt gejodelt. Außer nach drei Maß Bier. Dann kann jeder jodeln.“ Die Musikerin baute den Gesang mit Schnacklern in ihr Repertoire ein, dass von Rockgesang bis Liedermacher-Songs reicht. Dazu spielt sie auch Trommel, Djembe, Flöte und Chalumeau, eine Klarinettenvorform.
  • >„Man braucht zum Jodeln tolerante Nachbarn“, sagt die 51-Jährige. Silvester nutzte sie schon die Knallerei, um vor ihrem Haus laut zu jodeln. Bei ihrem VHS-Kurs geht sie wegen der Akustik auch in einen langen hallenden Flur. Kirchenräume böten auch ein schönes Echo.
  • >Fürs Interview bereitet sie sich mit Hustensaft und Lutschtabletten vor.

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03.01.2015, 12:00 Uhr

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