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Trautwein macht Druck

Offener Brief zur schlechten Schulbusversorgung an die Landtagsabgeordneten

Seinem Unmut über die schlechten Schulbusverbindungen seit Einführung der Werkrealschule Sulz-Empfingen-Vöhringen macht Dürrenmettstettens Ortsvorsteher Robert Trautwein in einem offenen Brief an die Landtagsabgeordneten Kleinmann und Teufel Luft.

07.10.2010
  • Hans-Jörg Schweizer

Sulz. Zu Schuljahresbeginn gab es in Sulz, den Teilorten und Nachbargemeinden Grund zur Klage über die Schulbussituation. Durch die Einführung einer Werkrealschule neuen Typs in Sulz mit Außenstellen in Empfingen und Vöhringen müssen jetzt nicht nur Schüler aus dem Umland nach Sulz gebracht werden, sondern auch Sulzer Schüler nach Vöhringen oder aus dem Glatttal nach Empfingen. Weil die seitherigen Buslinien darauf nicht ausgerichtet sind, kommt es immer wieder zu Verzögerungen, langen Wartezeiten und teilweise für Kinder kaum zumutbaren Fahrtzeiten.

Zwar erledigen sich erfahrungsgemäß viele Anlaufschwierigkeiten, die zu Schuljahresbeginn bei der Schülerbeförderung auftreten, in den ersten Herbstwochen von selbst, doch trotzdem bleiben einige Probleme bestehen. Denn die Busbetreiber wollen keine zusätzlichen Linien einrichten, wenn diese nicht auch gegenfinanziert werden. Vom Landkreis ist indessen kein Geld zu erwarten, denn dort wartet man seinerseits auf die versprochenen Zuweisungen des Landes.

Mit der Gesamtsituation unzufrieden hat nun Dürrenmettstettens Ortsvorsteher Robert Trautwein einen offenen Brief an die Landtagsabgeordneten Stefan Teufel (CDU) und Dieter Kleinmann (FDP) geschrieben, um in Stuttgart den Druck zu erhöhen. Denn gerade die Mettstetter Kinder sind von der schlechten Schulbusversorgung besonders stark betroffen.

Trautwein betont, dass sich die Gemeinderäte mit großer Mehrheit für die Einrichtung einer gemeinsamen Werkrealschule mit Sitz in Sulz und Außenstandorten in Empfingen und Vöhringen ausgesprochen hätten. Maßgeblich dafür sei für viele Ratsmitglieder die Zusage eines zufriedenstellenden Busverkehrs ohne zusätzliche Kosten für die drei Kommunen gewesen.

In diesem Sinne habe sich auch der seinerzeitige Kultusminister Helmut Rau gegenüber dem Sulzer Bürgermeister Gerd Hieber geäußert. „Es war sozusagen eine Zusage, dass die benötigen Gelder seitens des Landes bereitgestellt und über die Landkreise zugewiesen werden würden. Diese Einschätzung wurde durch die Stadtverwaltung Sulz so auch an die Eltern der Werkrealschüler weitergegeben“, erinnert Trautwein an die Ausgangssituation. Auch die jetzige Kultusministerin Marion Schick habe im September in einem Schreiben an Bürgermeister Hieber die Zusage des ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger eingeräumt, dass ein Teil der durch Schulschließungen eingesparten Mittel der Schülerbeförderung zugute kommen soll. Trautwein beklagt, dass sich aber nun das Landratsamt Rottweil weigert, die notwendigen Kosten für die neuen erforderlichen Buslinien zu übernehmen – mit der Begründung, das Land habe keine weiteren Geldmittel zugewiesen.

Die Eltern seien zurecht empört über das Verhalten des Landes. Denn zum Beispiel sei für Dürrenmettstetter Fünftklässler, die zur neuen Werkrealschule nach Empfingen müssen, nicht „wie versprochen und erwartet“ eine neue Buslinie von Dürrenmettstetten durchs Glatttal und Mühlbachtal nach Empfingen eingerichtet worden. Um die Schüler rechtzeitig zu Schulbeginn nach Empfingen zu bringen, sei stattdessen kurzerhand die bisherige Busabfahrt von 6.45 Uhr ab Dürrenmettstetten auf 6.28 Uhr vorverlegt worden. Die Schüler fahren nun mit diesem Bus nach Sulz, steigen dort in einen anderen um und fahren über den Umweg Betra nach Empfingen. Auch alle Mettstetter Schüler, die in Sulz zur Schule gehen, müssen deshalb jetzt schon um 6.28 Uhr mitfahren, um dann in Sulz eine halbe Stunde bis Unterrichtsbeginn zu warten. „Ähnlich negative Auswirkungen gibt es auch bei anderen Busverbindungen zum Schulstandort Vöhringen“, so Trautwein.

Die Rückfahrt von Empfingen über Dettensee, Betra und das Glatttal bis Dürrenmettstetten sei ebenso beschwerlich. „Viele Kinder haben einen Zehn- bis Zwölfstundentag, bis sie wieder zu Hause sind. Arbeitsschutzgesetze für Erwachsene und Auszubildende verbieten eine solche Belastung, aber Kindern kann man so was anscheinend zumuten“, ärgert sich Trautwein. „Ich bin der Meinung, dass das Land auch für die nötigen Ressourcen aufzukommen hat, wenn es politisch etwas durchsetzen will. Ortschaftsrat und Ortsverwaltung Dürrenmettstetten unterstützen den Protest der Eltern und sehen ihn als legitim an“, schreibt Trautwein und fordert die Abgeordneten auf, bei der Landesregierung Druck zu machen. „Dem Eindruck, dass die Politik wieder mal auf dem Rücken der Schwächsten ihre Vorhaben durchbringt, sollte entgegen gewirkt werden.“

Als ärgerliche Zugabe verweist Robert Trautwein auf die beinah skurril anmutende Tatsache, dass aufgrund der unterschiedlichen Satzungen der Landkreise Rottweil (Sulz und Vöhringen) und Freudenstadt (Empfingen) die Kinder für die Fahrt zur Schule unterschiedliche Eigenanteile von 19 beziehungsweise nur 14 Euro pro Monat bezahlen müssen.

Offener Brief zur schlechten Schulbusversorgung an die Landtagsabgeordneten
Dürrenmettstettens Ortsvorsteher Robert Trautwein (Mitte) hat an die Landtagsabgeordneten Dieter Kleinmann (links) und Stefan Teufel (rechts) einen offenen Brief geschrieben.

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07.10.2010, 12:00 Uhr

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