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Offener Konflikt
Einander abgewandt: der Verbandsvorsitzende Thomas Bopp und die Regionaldirektorin Nicola Schelling. Foto: Ferdinando Iannone
Regionalverband

Offener Konflikt

Die Direktorin und der Vorsitzende liegen über Kreuz. Es geht um Macht und die Aufgabenverteilung. Die FDP fordert eine Lösung.

09.12.2016
  • VON DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Es wäre eine emotionslose Haushaltsdebatte gewesen, hätte es da nicht den Auftritt von Kai Buschmanns gegeben. Der Vorsitzende der FDP in der Regionalversammlung ist als Freund des provokativen Worts bekannt. In seinem vor der Sitzung am Mittwoch verteilten Redemanuskript kritisiert der Regionalrat aus Remseck ganz offen den seit längerem schwelenden Konflikt an der Führungsspitze des Verbands Region Stuttgart (VRS). Da wären auf der einen Seite die Regionaldirektorin Nicola Schelling (parteilos) und auf der anderen Seite der Verbandsvorsitzende Thomas Bopp (CDU). „Herr Bopp und Frau Dr. Schelling haben Differenzen, das ist kein Geheimnis“, schreibt Buschmann. Nun sei es deren Pflicht, diese auszuräumen.

In seiner tatsächlichen Rede am Nachmittag nennt der FDP-Mann dann zwar keine Namen, äußert aber die Sorge, dass die Unstimmigkeiten die Regionalversammlung spalten und die Verbandsarbeit belasten könnten. Den Umstand, dass die FDP in den Haushaltsberatungen so manchen Antrag nicht durchgebracht hat, bringt er mit dem Führungszwist in Verbindung. Die kommunale Erfahrung lehre, dass immer dann, wenn es Konflikte an einer Verwaltungsspitze gebe, die Gefolgschaftsfrage gegenüber der Sachpolitik dominanter werde. Buschmann hatte Schelling in der Vergangenheit wiederholt verteidigt.

Gerangel um Kompetenzen

Schelling und Bopp nehmen Buschmanns Äußerungen am Mittwoch äußerlich gelassen hin. Bopp fixiert einen Punkt im Saal, Schelling macht sich Notizen. Die beiden sitzen nebeneinander, tauschen aber keinen Blick. Seit Beginn ihrer Zusammenarbeit kämpfen Schelling und Bopp um Kompetenzen. Insidern zufolge fühlt sich Schelling von Bopp gegängelt, er regiere in ihre Aufgabenbereiche hinein, die nach dem Verbandsgesetz geregelt seien. Demnach stehe ihr die Führung der Verbandsgeschäftsstelle und die Repräsentation des VRS nach außen zu, während Bopp als ehrenamtlicher Verbandsvorsitzender zwischen Regionalversammlung und Direktorin vermitteln und die Sitzungen leiten solle.

Der 64-jährige Diplom-Ingenieur, der früher für die CDU im Landtag saß, soll Schwierigkeiten haben, Aufgaben abzugeben, nachdem er mehrfach Lücken füllen musste. Unter anderem, weil Schellings Vorgängerin Jeanette Wopperer länger als ein Jahr krank geschrieben war, bevor sie in den Ruhestand versetzt wurde. Ihr Verhältnis zu Bopp soll ebenfalls schwierig gewesen sein. In der Regionalversammlung hatte sie obendrein zuletzt keinen Rückhalt mehr. Beobachter bescheinigen Schelling zwar mehr Zähigkeit. Doch auch sie hat in den Reihen der Regionalräte nicht viele Unterstützer.

Schon der Start der promovierten Juristin war schlecht. 2013 war sie zur Regionaldirektorin gewählt worden, im März 2014 trat sie offiziell ihr Amt an. Schon wenige Monate danach geriet sie in die Kritik, als sie sich als Dienstwagen ein Auto der US-Marke Tesla bestellen wollte. Aus den Reihen der Regionalversammlung hagelte es böse Kommentare, Schelling müsse einen Wagen aus heimischer Produktion fahren. Die Regionaldirektorin, die ein Zeichen für E-Mobilität setzen wollte, leaste den Wagen daraufhin auf eigene Rechnung.

Danach, so scheint es, bekam die 49-Jährige den Fuß nicht mehr richtig in die Tür. Wiederholt fanden Vorstöße in der Regionalversammlung kein Gehör. Kritiker bescheinigen ihr nur wenig Geschick im Netzwerken und in der Arbeit mit einem politischen Gremium. Sie sei fleißig, bleibe in Sitzungen aber blass. FDP-Mann Buschmann bezeichnete Äußerungen wie diese in einem Internet-Post als „Mobbing“ und „feige“. Regionalrat Rainer Ganske von der CDU, der größten Fraktion, will von Mobbing indes nichts wissen. Ja, der Konflikt belaste die Verbandsarbeit. Als Aggressor sieht er jedoch nicht den Parteikollegen Bopp, vielmehr berge das einmalige Konstrukt der Doppelspitze per se Konfliktpotenzial. Aus seiner Sicht habe Schelling, so seine Lesart, ihre Rolle noch nicht gefunden und sei sich ihrer Kompetenzen nicht im Klaren. Wo sich Buschmann und Ganske einig sind: Der Konflikt soll behoben werden, geht es nach Ganske aber abseits der Öffentlichkeit. Zur Lösung fänden Gespräche statt, die Aufmerksamkeit solle wieder auf die Verbandsarbeit gelenkt werden.

Grenze überschritten

Das wünscht sich auch Helmut Raß, Vorsitzender der SPD, der drittgrößten Fraktion in der Regionalversammlung. Da es sich um eine interne Sache handle, werde er diese nicht weiter kommentieren. Buschmanns öffentlichkeitswirksamen Vorstoß nennt er eine Grenzüberschreitung.

Auch die beiden Hauptpersonen haben kein Interesse an einer öffentlichen Diskussion. Sie kommentiere die Aussagen einer Fraktion nicht, sagt Nicola Schelling. Nur so viel: Aus ihrer Sicht leiste die Geschäftsstelle gute Arbeit. Auch Bopp hält sich bedeckt: „Als Dienstvorgesetzter äußere ich mich grundsätzlich nicht zu internen Personalfragen.“

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09.12.2016, 06:00 Uhr

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