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Offline zum Frühstück

Geduld und Besonnenheit sind zwei Tugenden, die nur noch selten zu beobachten sind. Seit Paris sind wir alle auf Terrorangst gepolt, reagieren hypersensibel auf den bärtigen Mann in der Supermarktschlange, die Frau mit dem Kopftuch, auf jede Sirene im Umkreis von Kilometern.

23.11.2015
  • ANDREAS SPENGLER

Verrückt!

Gut, dass es in diesen Tagen Medien gibt, die im besten Fall erklären und analysieren - im schlechtesten Fall die Angst beständig am Köcheln halten. Da kann man am Frühstückstisch mit einem schnellen Klick, mal eben Online nachschauen, ob in Paris schon wieder .

Offline zum Frühstück
Anonymous. Foto: dpa

"Aufgrund technischer Probleme sind die Inhalte unserer Seiten leider nicht abrufbar", war bei "FocusOnline" am Samstag zu lesen. Auch beim Konkurrenten "SpiegelOnline" war alles offline. Das gleiche Theater bei TV-Spielfilm und Fußball.de - und spätestens letzteres war dann echt genug für die angstgeplagte deutsche Seele. Erst nehmen sie uns das Länderspiel, dann auch noch die Frühstückslektüre. Diese Terroristen, diese Hacker, wer auch immer. Aber gemeine, bitterböse Menschen ganz bestimmt.

Die Säulen der deutschen Informationskultur waren offenbar beschädigt worden. "Islamistischer Cyberterror?", fragte ein Nutzer auf Twitter. Wenig später die vermeintliche Erklärung: Auf Facebook bekannte sich die Aktivistengruppe Anonymous zu der Tat. Ausgerechnet die freigeistigen Weltverbesserer, die Guten, sie nutzen das Datenkrakenportal Facebook für ein Bekennerschreiben? Schnell wurde klar, die Anonymous-Seite war auch nur eine Fälschung.

Was für ein Hickhack! Und seit Stunden weder neue Fußball- noch Terrormeldungen. Die informationsberauschte News-Gesellschaft in der Ausnüchterungszelle.

Dann am Nachmittag die Erlösung: Alles wieder da. Die offizielle Erklärung klang wie aus der Zeit gefallen: Stromausfall in einem Rechenzentrum in Gütersloh.

Voll unrealistisch. Nein, da war sicher kein Terrorist am Werk, aber vielleicht ein besonnener Techniker, der voller Mitleid das Stromkabel gezogen hat; um die reizüberflutete Gesellschaft für ein paar Stunden zu erlösen. Wir sollten ihm dankbar sein - und in Zukunft geduldiger.

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23.11.2015, 12:00 Uhr

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