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Knackig wie ein Lehrgarten-Apfel

Ofterdinger Obst- und Gartenbauverein feiert 100. Geburtstag

Über 400 kamen am Samstagabend in die Ofterdinger Burghofhalle, um das 100-jährige Bestehen des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins festlich zu begehen.

22.10.2012
  • Amancay Kappeller

Ofterdingen. Eröffnet wurde der Jubiläums-Samstag am Nachmittag mit einer „Obstsortenbestimmung für Jedermann“ im Foyer der Burghofhalle: Gartenfreunde brachten ihnen unbekannte Äpfel und Birnen mit, um die Sorte dann von Eckhardt Fritz von der Sortenerhaltungszentrale des Landes Baden-Württemberg (Hohenheim) bestimmen zu lassen. Das Angebot wurde stark genutzt, laut Udo Dietter, dem Zweiten Vorsitzenden, bildeten sich sogar richtige Schlangen vor der „Sortenbestimmungsstation“.

In der Halle waren 150 Obstsorten ausgestellt, dekorativ in auf Strohballen stehenden Körbchen platziert. Hier konnten Äpfel mit Birnen und sogar Trauben verglichen werden. Nicht wenige Sorten stammten direkt aus dem beispielhaft angelegten Vereins-Lehrgarten an der Birkenstraße. Rote, grüne, gelbe Äpfel mit allen möglichen und unmöglichen „Rufnamen“ gab es zu bestaunen, auf Schildchen war zudem Wissenswertes wie Geschmacksrichtung oder Ertragsart notiert.

Fiesta, Iduna, Luna und Bärapfel tummelten sich neben dem Schweizer Glockenapfel oder dem Geheimrat Dr. Oldenburg – letzterer laut Beschriftung ein Tafel- und Küchenapfel, der hohe Erträge bringt, dessen Früchte aber klein sind und „fade schmecken“. Nicht nur in den faden, auch in den sauren Apfel lässt sich zuweilen genüsslich beißen, etwa in Boskop oder Pink Lady. Wer’s süßer mag, greift zur Wilden Eierbirne oder der Nordhäuser Winterforelle. In einer Vitrine waren Lehrbücher des ersten Ofterdinger Baumwartes, Johannes Hausch, ausgestellt, außerdem vergilbte Fachbücher, verfasst um 1900. Die Fotofreunde Steinlachtal steuerten stimmungsvolle Streuobstwiesen-Bilder bei.

Herbert Schweiker, Erster Vorsitzender, dankte in seinem Grußwort allen, die den Verein „in den vielen Jahren mit viel Idealismus unterstützt haben“. Landrat Joachim Walter sagte, der Ofterdinger Obst- und Gartenbau-Verein sei auch nach einem Jahrhundert „alles andere als in die Jahre gekommen, mindestens so knackig wie die Äpfel im Lehrgarten“. Walter lobte das Vereins-Engagement, insbesondere den Erhalt und die Förderung der Streuobstwiesen – einer Kulturlandschaft, die ihresgleichen sucht.

Bürgermeister Joseph Reichert pries die hervorragende Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren: Um die Jahrtausendwende entstand der Lehrgarten Albblick straße, „ein Schmuckstück“. Der Obst- und Gartenbau-Verein trage entscheidend dazu bei, „die herrliche Landschaft um den Ort herum zu erhalten“. Vom Landesverband gab es die Goldmedaille.

Früher „gespritzt wie die Weltmeister“

Der Vorsitzende des Kreisverbands, Helmut Däuble, lobte den Verein als „Aushängeschild, kein Greis, eine dynamische Truppe“. Zwischen den Grußworten spielte immer wieder der Musikzug Ofterdingen unter Leitung von Ulrich Gänßle auf, das THW Ofterdingen bewirtete üppig. Die „Gartenkäfer“ priesen ihre Kinder-Erlebnisse in der Natur in Gedichtform: „Hier kreucht so vielerlei, da sind wir gleich dabei“, und „Die Blätter werden langsam braun, das ist so herrlich anzuschaun“.

Liane von Droste, die durch den Jubiläumsabend führte, gab einen Überblick über die Vereinsgeschichte. Am 5. Mai 1912 wurde der Obst- und Gartenbau-Verein mit 46 Mitgliedern gegründet, 1927 zählte er bereits 107 Mitglieder – heute sind es 213. Von diesen seien gerade mal 24 unter 50 Jahren, das sei „a bissle mager“. Immerhin 47 Mitglieder sind Frauen. Mit Kriegsbeginn 1939 endete die Vereinstätigkeit jäh, 1949 erfolgte die Neugründung. In früheren Jahrzehnten habe man im Verein das Obst „gespritzt wie die Weltmeister“, mit Kupfer, Schwefel, Kalkbrühe, sogar E 605. Der erste „Spritzenführer“ nach dem Krieg hieß Karl Speidel. Im Foyer war passend dazu eine motorfahrbare Baumspritze von 1937 ausgestellt, eine Holder „Auto-Rekord“.

Der Bürgergesangverein Ofterdingen (Leitung: Inna Wecker-Jung) gab „Griechischen Wein“, die „Tritsch-Tratsch-Polka“ und „Dschinghis Khan“ zum Besten. Friedl Heuberger, Enkelin des ersten Ofterdinger Baumwarts Johannes Hausch, trug ein selbstgereimtes Gedicht über die „Ofterdinger Wiesen“ vor: „Ohne Pflege wär’s Boomfeld öde“. Höhepunkt nach der Pause, sehr zur Belustigung der Gäste: Schwäbische Sketche mit „Frida“ – Mundart, zugeschnitten auf den Verein.

Ofterdinger Obst- und Gartenbauverein feiert 100. Geburtstag
Wer sagt denn, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen darf? Viele wohlschmeckende Früchte haben Obst- und Gartenfreunde am Samstag in der Burghof-Halle drapiert – ein Gutteil der Ernte stammt aus dem Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins.Bild: Franke

Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Inge Renz, Hans-Otto Futter, Alois Futter, Kurt Renz und Werner Steinhilber geehrt; bereits seit einem halben Jahrhundert sind Fritz Egerter und Hermann Dreher dabei.

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22.10.2012, 12:00 Uhr

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