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Oh, wie schön ist die Steueroase Panama!
Skyline von Panama-Stadt: Der Bauboom kam mit dem Ausbau der Metropole zum internationalen Finanzzentrum. Foto: dpa
Diskrete Banken und eine Politik, die fragwürdige Geschäfte fördert: Das Land ist ganz auf Millionäre eingestellt

Oh, wie schön ist die Steueroase Panama!

Panama ist eine Wohlfühloase für all jene, die ihr Geld vor der Steuer verstecken wollen. Zahlreiche Bankhäuser und Luxus-Herbergen bilden die dafür notwendige Infrastruktur. Und alles läuft sehr diskret ab.

05.04.2016
  • TOBIAS KÄUFER

Auch der Steuerfüchtling hat seinen "Schleuser". In Panama arbeiten all jene, die mithelfen, Gelder in einen sicheren Hafen zu bringen, in den mehr als 50 Banken-Palästen, die das kleine mittelamerikanische Land in seiner einzigen Metropole Panama-Stadt beherbergt. Diese "Schleuser" sorgen dafür, dass das Schwarzgeld anschließend für die Steuerfahnder dieser Welt unentdeckt bleibt. Über die Jahre ist in dem vergleichsweise wohlhabenden Land eine Symbiose entstanden, die sich gezielt um diese Klientel bemüht: Reiche Touristen aus dem Ausland auf der Suche nach diskreten Anlageformen.

Für sie wuchs in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Landschaft aus Häusern mit Luxusapartments, Nobelherbergen und eben Bankhäusern. Ihr Zentrum ist die "Punta Pacifia", ein Kreisverkehr, an dem sich zur Rush Hour die deutschen und italienischen Sportwagen Stoßstange an Stoßstange durch den Verkehr quälen. Die Straßen können mit der Dichte an Millionären schlichtweg nicht mehr mithalten.

Einer, der genau hier seine Geschäfte macht, ist US-Immobilienmogul und Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Sein "Trump Ocean Center" ist zu einem Markenzeichen der Skyline von Panama-Stadt geworden. Es ist das höchste und größte Hotel Lateinamerikas, angelegt für eine Klientel, die es teuer, luxuriös und diskret mag.

Pool, Fitnessstudio, Squash-Center, Joggingpfad und Yoga-Garten gehören zur Grundazsstattung der "Luxury-Living"-Apartments in Panama-Stadt. Immobilienmakler werfen immer mehr Wohnungen der Luxus-Klasse auf den Markt. Der Bauboom ist gezielt gesteuert. Seit die Schweiz als Steueroase nicht mehr wasserdicht ist, übernehmen andere Länder dieses Geschäft. Panama hat sich ganz bewusst in dieses System eingeklinkt.

Das mittelamerikanische Land ist im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten Nicaragua, Honduras, Guatemala oder El Salvador wohlhabend. Das liegt vor allem am Panama-Kanal, der Milliarden in die Staatskasse spült. Geschäftsprinzip des Landes ist es, nicht selbst zu produzieren, sondern seinen Anteil am Welthandel einzufordern. Ähnlich verhält es sich mit der Steuerpolitik. Panama bietet dem internationalen Steuerflüchtling eine exakt aufeinander abgestimmte Mischung: Diskrete Banken, eine Politik, die das fördert und eine Unterkunftsinfrastruktur, die den Ansprüchen der Millionäre gerecht wird.

In der Hauptstadt Panama-Stadt bilden die Bankenpaläste mittlerweile eine eigene Wolkenkratzerlandschaft. Beeindruckend hohe, seelenlose Bauten mit verspiegelten Fenstern und fast unsichtbaren Eingängen vermitteln den Eindruck einer monetären Parallelgesellschaft. Mittendrin hat auch die in die "Panama Papers" verstrickte Kanzlei Mossack ihre Räume.

Panama liebt zahlungskräftige ausländische Touristen. So sehr, dass es gleich bei der Ankunft im frisch ausgebauten internationalen Flughafen frei zugängliches Internet und eine kostenlose Krankenversicherung für Besucher gibt. Der Airport von Panama-Stadt gilt als eines der wichtigsten Drehkreuze innerhalb Lateinamerikas - auch für Privatflugzeuge. Der Weg in die Stadt ist gepflastert mit Plakaten, die zollfreie Handelszonen und Einkaufszentren anpreisen. Steuerfreiheit als Geschäftsprinzip.

Die rauschenden Poolpartys mit mehrfach schönheitsoperierten Models, vor allem aus Kolumbien und Venezuela, sind als kostspielig, legendär und verwegen verschrien. Das liegt vor allem daran, dass sich auch Lateinamerikas Drogenbosse für den Finanzplatz interessieren.

Vor gut zwei Jahren geriet Panama schon einmal in den Fokus der internationalen Presse. Anlass war ein unappetittlicher Streit zwischen Panamas Regierung und Venezuelas sozialistischen Machthabern. Auf Kritik aus Panama hin brach Venezuela damals die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen ab. Panamas Regierung reagierte gelassen: Minister Fernando Henríquez drohte damit, die Schwarzgeldkonten der Chavistas, wie die Anhänger des verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez heißen, zu sperren. "Sie plündern ihr Land und verstecken das Geld auf dem Bankenplatz Panama", wütete Henríquez. Beide Lager versöhnten sich schnell wieder. Die Vorwürfe wurden nie untersucht. Auch nicht von Panamas Behörden. Und Venezuela stellte fortan sämtliche Kritik an Panama ein.

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05.04.2016, 06:00 Uhr

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