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Selten stabile Steine aus dem Schönbuch

Ohne Stubensandstein geht nichts mehr am Ulmer Münster

Der Bauhütte am Ulmer Münster gehen spätestens im neuen Jahr die Steine aus, wenn nicht bald Nachschub aus dem Schönbuch kommt. Doch die behördliche Abbau-Genehmigung braucht Zeit.

06.11.2015
  • Mario Beisswenger

Dettenhausen. „Mitte Januar gehen uns die Steine aus.“ Michael Hilbert, Chef der Bauhütte am Ulmer Münster ist schon leicht verzweifelt, weil er keinen Nachschub mehr bekommt für seine Steinmetze, die ständig an der Erhaltung des Münsters arbeiten.

Eigentlich hat er schon das optimale Material, um weiter den himmelhoch ragenden gotischen Turm zu sichern. Doch die behördliche Genehmigung für den Abbau steht immer noch aus. Der hochwertige Stubensandstein findet sich bei Dettenhausen auf dem Betzenberg, dort wo früher schon der beste Werkstein gebrochen wurde.

Mit heutigen Methoden wurde bei Probeabbauen untersucht, wo der allerbeste Stein ohne Klüfte und mit gegen Verwitterung stabilem Bindemittel zu finden wäre. In einem Probeabbau vor anderthalb Jahren wurden etwa 100 Kubikmeter Sandstein gebrochen. Rund die Hälfte hatte Münsterqualität. „Das Kontingent ist jetzt aber so gut wie aufgebraucht“, sagte Hilbert auf TAGBLATT-Nachfrage. Er kann in der Bauhütte auch noch Stein aus einer anderen Quelle verarbeiten, doch auch da stockt der Nachschub.

Nur im Winter darf im Steinbruch Betrieb sein

Beliebig mischen lassen sich die Steine so oder so nicht. „Das muss material-identisch sein.“ Wo schon Stubensandstein am Münster eingebaut ist, muss auch wieder welcher hin. Doch das dauert alles.

Albrecht Lauster, Cannstatter Naturstein-Unternehmer, der zuletzt den Stein für das Tübinger Rathaus lieferte, ist vorsichtig geworden mit Voraussagen, wann der Abbau beginnt. Nach ersten Besprechungen 2014 schien eine Abbaugenehmigung recht zügig möglich zu sein, vielleicht schon zu Beginn von 2015.

Eine baldige Genehmigung ist jetzt um so dringender als Lauster den Abbau nur zwischen September und Februar genehmigt bekommen wird. Im Prinzip scheint dem auch nichts im Wege zu stehen – außer dem Geschäftsgang der beteiligten Gremien und Behörden. Landratsämter aus Böblingen und Reutlingen sind beteiligt, die Regierungspräsidien (RPs) von Stuttgart und Tübingen.

Unglücklicherweise liegt der zukünftige Steinbruch grad in der Nähe des Punktes, wo die Kreise Böblingen, Reutlingen und Tübingen aneinander stoßen. Das RP Tübingen ist nur für die Genehmigung der Waldumwandlung zuständig, weil hier die Forstkompetenz konzentriert ist.

Ein Antrag auf Umwandlung ist aber beim RP noch gar nicht eingegangen. Wobei der Sprecher der Mittelbehörde sagt, dass wenn er eingeht, „keine unüberwindbaren Hindernisse zu erwarten sind“.

Lothar Benzel, der für den Lobby-Verband Iste der Steinbruchbetreiber in Stuttgart arbeitet, hält den Verfahrensablauf für recht zügig. „Zwei Jahre sind für so ein Verfahren gar nichts.“ Da das Naturschutzrecht tangiert ist, müsse mindestens eine Vegetationsperiode abgewartet werden, um die notwendigen Daten zu sammeln. Bei größeren Verfahren wie etwa der Steinbrucherweiterung in Frommenhausen könne das auch länger dauern.

Der wertvolle Münsterstein soll auf einer Fläche von einem Hektar gebrochen werden. Nicht alles auf einmal. Jedes Jahr werden es nur rund 1000 Quadratmeter sein. Münster-Baumeister Hilbert vermutet, dass er nicht der einzige Abnehmer sein wird für das mehr als 200 Millionen Jahre alte Gestein. „Das ist nicht nur für Ulm von Bedeutung. Das ist allgemein für den Denkmalschutz wichtig.“

Ohne Stubensandstein geht nichts mehr am Ulmer Münster
Aus dieser Grube und deren Nachbarschaft – bald zu einem kleinen Steinbruch ausgebaut – sollen die dringend fürs Ulmer Münster gebrauchten Steine kommen. Die Idylle liegt auf dem Betzenberg bei Dettenhausen etwas unterhalb des Funkturms Richtung Schaichtal. Bild: Beißwenger

Bis Ende der 1990er Jahre stammte das Steinmaterial für das Ulmer Münster aus Schlaitdorf bei Walddorfhäslach. Für das Material, mit dem die Steinmetze zuletzt den Chor des Münsters sanierten, kamen die Steine aus einer vergleichbaren Schicht in einem Bruch am Main. Die sind aber nicht ganz so witterungsstabil. Zudem ist das Vorkommen dort schon ausgebeutet. Für die Arbeiten am Hauptturm des Ulmer Münsters soll es nun der stabilere Stubensandstein vom Betzenberg sein. Da der Dettenhauser Stein früher via Neckar und Rhein verschifft wurde, ist das Material aus dem Schönbuch auch dort für die Denkmalsanierung wichtig.

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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