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Ohne Vorsorge kein Empfang
Für den Empfang des neuen Fernseh-Standards sind unter Umständen weitere Geräte notwendig. Ein grünes Logo mit dem Schriftzug „DVB-T2 HD“ weist auf die kompatiblen Modelle hin. Foto: Fotolia
TV-Empfang

Ohne Vorsorge kein Empfang

2017 wird ein neuer Sende-Standard eingeführt. Wer sich nicht rüstet, könnte in die Röhre schauen.

30.12.2016
  • DPA

Berlin. Die Werbetrommel wird schon kräftig gerührt, die großen Sender riefen bereits zu bundesweiten Aktionstagen auf. Denn im kommenden Jahr könnten Fernsehzuschauer, die ihr TV-Signal über Antenne empfangen, vor einem schwarzen Bildschirm sitzen. In der Nacht zum 29. März 2017 wird das Signal von DVB-T auf den neuen Standard DVB-T2 HD umgestellt. Wer nicht vorsorgt und sich etwa eine zusätzliche Settop-Box besorgt, wird dann über das digitale Antennen-Fernsehen keinen Empfang mehr haben. Ob Handlungsbedarf besteht, kann man im Teletext der ARD auf Seite 199 nachsehen.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „TV-Spielfilm“ wussten 60 Prozent der Fernsehzuschauer noch im August nichts von der Umstellung. „Was wir vermeiden wollen, ist, dass es in den Elektronik-Shops zu Engpässen und Gedränge kommt“, sagt Stefan Schinzel vom Serviceprovider Media Broadcast, der den Umstieg für die TV-Sender organisiert. Insgesamt seien in Deutschland 7,4 Mio. Haushalte betroffen.

Mit der Umstellung wird es erstmals möglich sein, Fernsehen über Antenne in HD-Qualität zu empfangen. Und das, obwohl die für terrestrisches Fernsehen verfügbaren Frequenzen knapper werden. Denn ein Teil wurde über die so genannte Digitale Dividende für mobiles Breitband-Internet umgewidmet. „Das alte Frequenzband ist bereits an Mobilfunkunternehmen versteigert worden“, sagte Schinzel. Mit dem neuen Standard werden die Frequenzen nun deutlich effizienter genutzt. Ergebnis: Bis zu 40 Programme können in verbesserter Qualität ausgestrahlt werden.

Testbetrieb seit Mai

In ersten Ballungsgebieten sind sechs Programme in DVB-T2 HD bereits seit Mai im Testbetrieb verfügbar. Wer das Signal empfangen will, benötigt eine entsprechende Settop-Box, die auch die neue, datensparsamere Videocodierung HEVC unterstützt. Insgesamt bieten derzeit 24 Hersteller solche Geräte an, die auch das alte Signal noch empfangen. Manche neuen Fernseher-Modelle können DVB-T2 auch direkt ohne Zusatzbox empfangen. Ein grünes Logo mit dem Schriftzug DVB-T2 HD soll alle kompatiblen Geräte auszeichnen. Laut Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) unterstützen bereits 900 Geräte wie Fernseher, Settop-Boxen und Antennen den neuen Standard.

Die Privatsender Pro Sieben, Sat 1 und RTL lassen sich den Empfang jedoch bezahlen. Vom 1. Juli 2017 an sind dafür über die TV-Plattform Freenet TV 69 EUR pro Jahr fällig, also 5,75 EUR im Monat. In einer Übergangsphase von drei Monaten sollen die Privaten noch kostenlos empfangbar sein. Die öffentlich-rechtlichen Programme bleiben kostenlos.

Für einen störungsfreien Empfang über Anntenne müssen die Fernsehzuschauer also selbst aktiv werden. So mancher Streaming-Anbieter reibt sich deshalb bereits die Hände. Dies könnte für viele Zuschauer Anlass sein, über einen Wechsel der Empfangsart nachzudenken, schätzen etwa die Anbieter des Streaming-Dienstes TV Spielfilm. Zuletzt ermittelte auch der Digitalverband Bitkom, dass Streaming dem klassischen Fernsehen langsam aber stetig die Bedeutung entzieht. Vor allem bei den jüngeren Nutzern steht das lineare Fernsehen immer weniger hoch im Kurs. Und wer Streaming einmal ausprobiert hat, könne eher auf das klassische Fernsehen verzichten. In einer Umfrage gaben 35 Prozent der Streamer an, das lineare Fernsehen komplett gegen Video-Streaming eingetauscht zu haben.

Auch Anbieter wie MagineTV, Waipu.tv, TV-Spielfilm oder Elgatos EyeTV dürften sich einiges von der möglichen Verunsicherung der Verbraucher versprechen. Durch die Umstellung werde die ohnehin gesteigerte Nachfrage 2017 weiter befeuert, schätzt Michael Decker, Geschäftsführer von Geniatech Europe. Ab Ende März will Freenet TV jedoch mit „Freenet TV Connect“ ebenfalls auf das Internet setzen. Das Angebot soll die über DVB-T2 verfügbaren Kanäle über das Internet ergänzen. „Wer heute Dienste wie Netflix nutzt, nutzt auch überproportional Antennenfernsehen“, sagte Schinzel. Das DVB-T2-Angebot verstehe sich als Ergänzung für Nutzer, die heute schon interaktive und zeitversetzte Dienste nutzen. dpa

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30.12.2016, 06:00 Uhr

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