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Rohstoffpreise und Weltkonjunktur

Ohnmächtiges Kartell

Die Erdöl exportierenden Staaten (Opec) wollen die Förderung drosseln. Nach der überraschenden Ankündigung des zerstrittenen Kartells ist der Preis wieder über 50 Dollar pro Fass gestiegen. Vor zwei Jahren waren es 110 Dollar, ehe es bis unter 30 Dollar ging. Eine irre Achterbahn-Fahrt. Deutschlands Autofahrern und Heizöl-Käufern schwant nichts Gutes.

11.01.2017

Von HELMUT SCHNEIDER

Ulm. Dass sich die Preisspirale auf alte Höhen schrauben wird, ist aber sehr unwahrscheinlich. Denn die Opec ist nicht mehr, was sie mal war: die starke Hand, die den Ölhahn beliebig zu- und aufdrehen kann. Das ist ihr auch früher nie nachhaltig gelungen, weil die Interessen der beteiligten Länder zu weit auseinander klafften.

Der Ölmarkt hat sich längst grundlegend verändert. Die 13 Opec-Länder stehen heute nur noch für ein Drittel des weltweiten Angebots. Ohne das Nicht-Mitglied Russland, das jetzt ebenfalls weniger fördern will, wäre der Schwur der Opec buchstäblich im arabischen Sand verlaufen.

In den vergangenen Jahren ist das Öl-Fass übergelaufen. Neue Fördertechnologien, vor allem das Fracking, machten die USA zum weltgrößten Erdölproduzenten. Das politisch Verbündete Saudi-Arabien versuchte, sich den neuen Rivalen vom Hals zu konkurrieren – mit Dumpingpreisen, welche den Scheichs zwar Einnahmeverluste brachten, den Fracking-Firmen aber die Pleite. Hinzu kam die schwächere Nachfrage aus den Schwellenländern, vor allem aus China. Und dann noch die Aussicht, dass der ölreiche Iran, Hauptfeind der Saudis, nach dem Ende der Sanktionen wieder auf den Markt drängt.

Dass sich solche gegensätzlichen Interessen auf einen gemeinsamen Nenner bringen ließen, ist ebenso überraschend wie vielsagend. Zeigt es doch, dass die Not groß ist, die der spottbillige Rohstoff in den Exportländern ausgelöst hat. Mehr als 300 Milliarden Dollar an Einnahmen sollen in den vergangenen knapp zwei Jahren weggebrochen sein.

Sie sind mit den Vorteilen aufzurechnen, die billiges Öl als Schmiermittel für die Konjunktur hat. Was unter dem Strich in einer vernetzten Weltwirtschaft mehr ins Gewicht fällt, weiß niemand. Deshalb schlägt jetzt, da die Rohstoffpreise wieder angezogen haben, niemand Alarm. Zum einen überwiegt die Skepsis, dass die aus schierer Not geschmiedete Allianz nicht lange halten wird. Zum anderen wird ein steigender Preis dazu führen, dass sich Investitionen (Stichworte: Fracking in den USA, Ölsand in Kanada, Permafrost-Bohrungen in Sibirien) wieder rentieren und damit wieder mehr gefördert wird.

Die Weltwirtschaft wird von der Rückkehr des Ölkartells nicht erschüttert. Denn seine Macht ist mehr Mythos denn wirkliche Bedrohung. Das Zeitalter des Öls ist noch nicht vorbei, sein Zenit aber überschritten. Der Kampf gegen den Klimawandel wird stärker, der Elektromotor wird den Verbrennungsmotor verdrängen, die Erneuerbaren Energien sind weltweit auf dem Vormarsch. Wer am Ölhahn sitzt, kann der Welt nicht mehr den Saft abdrehen. Das ist auch für Deutschlands Autofahrer und Heizöl-Käufer eine gute Nachricht.

leitartikel@swp.de

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Erstellt:
11. Januar 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Januar 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 06:00 Uhr

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