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„Jetzt macht es erst richtig Spaß“

Olympionik Arne Gabius über seine bisher beste Saison

Aus der Bestzeit in Zürich wurde nichts – dennoch blickt Arne Gabius auf das beste Lauf-Jahr seines Lebens zurück. Und denkt schon an Olympia 2018: „Es ist wie bei Monopoly, man beginnt immer wieder von der gleichen Stelle“, sagt der 31-jährige im TAGBLATT-Interview.

01.09.2012

TAGBLATT: Als gebürtiger Hamburger müssten Sie doch Schmuddelwetter gewohnt sein – hat der Regen in Zürich gestört?
Arne Gabius: Es lag nicht am Wetter, die Bedingungen waren eigentlich ganz gut.

Was lief denn schief?

Es lief halt nicht. Manchmal hat man so Tage... Die Saison war lang, vielleicht war dieses Rennen einfach der eine Punkt zu viel. Aber man versucht es trotzdem, das ist eben auch Sport.

Merkt man das schon beim Warmmachen, dass man keinen guten Tag erwischt hat?

Beim Warmmachen ging es eigentlich ganz gut. Meine Freundin Anne meinte, dass sie nach circa 800 Meter gesehen hat, dass mein Laufstil nicht dem entsprach, wie ich eigentlich sonst im Wettkampf laufe. Ich selbst habe mich gut gefühlt auf den ersten 2000 Metern, dann musste ich abreißen lassen. Die 3000 bin ich in knappen acht Minuten durchgegangen, aber ich konnte nicht noch mehr Druck aufbauen. Dann hab ich mir gesagt, okay, die Saison war toll, das reicht mir jetzt mit den Bahnrennen.

Das Erlebnis Letzigrund war dennoch nicht ganz schlecht, oder?

Das war jetzt mal Warmlaufen, in zwei Jahren findet dort ja die Europameisterschaft statt. Wenn das weiter so gut läuft, wird es eine tolle EM.

Haben Sie so kurz nach dem letzten Rennen schon ein persönliches Saisonfazit gezogen?

Es ging im Februar in Karlsruhe los, als ich die 7:38 gelaufen bin, das war der emotionalste Lauf und einfach klasse. Kurze Zeit später Birmingham mit der deutschen Bestzeit über zwei Meilen, dann der achte Platz bei der Hallen-WM – für sich genommen war die Hallen-Saison schon super. Danach hatte ich ein paar Probleme, reiste krank nach Kenia ins Trainingslager, bin vorzeitig zurück geflogen und konnte die Saison dennoch gut beginnen. Insgesamt gesehen bin ich dieses Jahr in eine neue Liga gelaufen und habe den Anschluss zur Weltspitze gefunden. Bei den Europameisterschaften in Helsinki konnte ich das dann endlich auch auf internationalem Parkett zeigen...

...gleichzeitig der Höhepunkt mit dem Gewinn der Silbermedaille?

Ich würde den gesamten Juni als Höhepunkt bezeichnen, Anfang Juni bin ich in Oslo die 13:13 Minuten und Bestzeit gelaufen und habe mich das erste Mal für die Olympischen Spiele qualifiziert. Dann kamen auch schon der Gewinn der Deutschen Meisterschaften und die EM. Bei Olympia war es halt schade, dass ich im langsamen Vorlauf war.

Trauern Sie dem verpassten Olympia-Endlauf noch nach?

Nein, das muss man so akzeptieren. In vier Jahren sind wieder Olympische Spiele, man hat neue Aufgaben. Ich habe auf der Heimfahrt gedacht, Anfang Oktober geht die Vorbereitung wieder los. Das ist wie bei Monopoly, man beginnt immer wieder an der gleichen Stelle.

Haben Sie in diesem Jahr Ihre eigenen Ziele erreicht?

Absolut. Man setzt sich immer im Oktober die Ziele, und da wollte ich 7:45 in der Halle laufen und die Olympia-Qualifikation erreichen. Da hatte ich noch überhaupt nicht mit einer Europameisterschafts-Medaille gerechnet.

Formulieren Sie schon neue Ziele?

Ich schlage jetzt kein neues Kapitel auf. Das habe ich letzten Sommer gemacht, mit all den Veränderungen, und diesen Weg werde ich auch weiter gehen. Ich werde mich weiterhin selbst trainieren, das läuft sehr gut. Ich werde einige Sachen verändern oder eben schauen, was gut für mich ist.

An was denken Sie dabei konkret?

Das Ski-Trainingslager zum Beispiel, mal weg vom Laufen, eine Woche nur klassischer Ski-Langlauf. Vielleicht auch mehr auf die Athletik achten, einzelne Punkte verbessern.

Wie geht es bei Ihnen beruflich weiter, bleiben Sie Lauf-Profi?

Ja, wie seit einem Jahr. Ich habe auch im medizinischen Bereich einige Ziele, mit meiner Doktorarbeit zum Beispiel, dann will ich mich weiterhin fortbilden. Aber ich werde jetzt keine feste Stelle annehmen. Ich habe gemerkt, dass dieser Leistungssprung jetzt bei mir auch darauf zurückzuführen ist, dass ich mein Studium vor einem Jahr beendet und mich voll aufs Laufen konzentriert habe. Es geht in der Weltspitze einfach nur so: Trainieren, Essen, Schlafen.

Denken Sie in einem olympischen Zyklus oder planen Sie kürzer?

Geplant ist, bis Rio weiterzumachen. Dieses Jahr habe ich ein sehr gutes Niveau erarbeitet. Dieter Baumann lief seine Bestzeiten mit 32, ich bin jetzt 31... Wenn es mit Olympia nicht geklappt hätte, hätte ich aufgehört, aber jetzt fängt es doch erst an, richtig Spaß zu bringen, wenn man auch zu den großen Rennen eingeladen wird.

Sie haben sich in diesem Jahr immer wieder am Verband gerieben. Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, zu widersprechen?

Ja. Wenn man Position bezieht, ist es klar, dass man auch Gegenstimmen bekommt, , sogar von anderen Athleten, die sich dem System voll unterordnen. Die einzige Antwort, die ein Athlet hierauf geben kann, ist Leistung – und die habe ich in diesem Jahr gebracht. Ich hatte in der Hallen-Saison angesprochen, dass ich einfach nicht verstehe, wie ein Verband die Disziplin Laufen so vernachlässigen kann. 300 Euro pro Jahr für Trainingslagermaßnahmen sind einfach keine Förderung, das sind Alibi-Maßnahmen. Das habe ich offen angesprochen, und jetzt wird sich vieles bei mir ändern. Aber ich werde auch weiterhin meinen Mund aufmachen, wenn mir etwas nicht passt, wenn etwas gegen den Athleten geht.

Welche Rolle spielt Tübingen bei Ihrer Entwicklung, fühlen Sie sich wohl bei der LAV?

Ja, ich bin ja mittlerweile seit sieben Jahren hier und der Verein hat mich immer unterstützt – auch als alle anderen Sponsoren schon abgesprungen waren. Meine Freundin hat jetzt eine Stelle an der Uni bekommen, sie hat heute den Arbeitsvertrag unterschrieben. Wir wissen nicht, wo wir in fünf Jahren sein werden, wir entwickeln uns weiter, aber uns gefällt es hier.

Fragen von Hansjörg Lösel
Archivbild: Ulmer

Olympionik Arne Gabius über seine bisher beste Saison

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01.09.2012, 12:00 Uhr

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