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Eine Frage des Vertrauens

Online-Kreditbörsen vermitteln Darlehen zwischen Privatleuten

Wer Geld braucht, geht gewöhnlich zur Bank und fragt nach einem Kredit. Doch es gibt Alternativen: Online-Börsen, die Kredite zwischen Privatleuten vermitteln. Diese Geschäfte sind nicht ohne Risiken.

26.04.2014

Von CAROLINE STRANG

Reutlingen Baschti25, wie er sich auf der Plattform nennt, wollte mit dem Kredit eine Versuchung loswerden. 3100 EUR brauchte der Reutlinger, um seine Kreditkartenschulden zu tilgen. Das Foto, das er zu seiner Anfrage stellte, zeigte die Kreditkarte mit einer Schere - bereit zum finalen Schnitt. "Um sorgenfreier leben zu können", schreibt er. Ein Ausweg aus dem Teufelskreis Verschuldung über Schulden? Er findet das logisch. Zuerst fragte er bei Banken nach. "Die meisten haben Nein gesagt, manche haben extreme Zinsen verlangt", erzählt er. Seine Schufa-Einstufung sei riskant.

Das Angebot der Internetplattform Auxmoney kannte er bereits. Er gab seine Daten ein, innerhalb von fünf Minuten sei die Anfrage online gewesen, innerhalb von zwei Tagen waren die Zusagen von 32 privaten Geldgebern da, die jeweils 50 bis 200 EUR boten. "Ich war sehr überrascht, wie schnell das geht", sagt Baschti25. Wenige Tage später war der Vertrag in seinem Briefkasten, zehn Tage nach Rücksendung der Betrag auf seinem Konto. Die ersten Raten sind bereits abgebucht worden. Ein Jahr lang wird es dauern, bis er den Kredit zurückgezahlt hat. "Die Zinsen liegen bei 8,8 Prozent, das sind 200 bis 300 EUR mehr, die ich zurückzahlen muss", hat er ausgerechnet. Er findet das in Ordnung. "Für mich war das eine Hilfe."

Sind die Darlehen eher Hilfe oder Ausbeutung? "Man muss sich das schon überlegen", sagt Peter Godulla, Pressesprecher von Auxmoney, neben Smava eine der beiden großen Plattformen in Deutschland. Die Höhe der Zinsen müssten den Kreditsuchenden bewusst sein. Der Kreditgeber könnte mit seinem Geld aber durchaus auch helfen. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich weiß, was mit meinem Geld passiert", sagt er. Die Projekte sind häufig ausführlich beschrieben, verschiedene Werte sollen Indizien zur Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers bieten. Die Gründe für die Geldnot sind sehr unterschiedlich, 80 Prozent der Anfragen werden von den Portalbetreibern gar nicht erst zugelassen. Weltreisen, so die Erfahrung von Godulla, finden häufig keine Geldgeber. Projekte von Selbstständigen, die von Banken nicht finanziert werden, schon. Er berichtet von etwas zwielichtigen Angeboten. "Eine Dame wollte mit 2000 Euro Kredit ein Bordell eröffnen", erzählt er. Der Clou: Sie bot an, die Schulden materiell abzugleichen. Die Anfrage flog von der Seite. Andere skurrile Kreditsuchen wurden zugelassen - und finanziert. Eine Dame zeigte auf dem Foto ihren Fuß. Sie hatte einen Zeh verloren und wollte eine 3000-EUR-Prothese finanzieren. Die Nutzer liehen ihr das Geld. Ein anderer suchte 2000 EUR für eine Gitarre. "Vieles aber ist einfach aus dem Leben gegriffen, das sind ganz normale Wünsche", sagt Godulla. Wer seine Kreditraten nicht bezahlen kann, bekommt Besuch von Inkasso-Unternehmen. Da werden alle gängigen Mittel genutzt, um doch noch an das Geld für die Kreditgeber zu kommen, sagt Godulla.

Für Kreditsuchende haben die Portale trotzdem Vorteile, sagt Niels Nauhauser, Experte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Schließlich bieten sie weitere Möglichkeiten, zu vergleichen und womöglich günstiger an einen Kredit zu kommen. "Da spricht nichts dagegen", sagt er. Vorsicht sei nur bei den Bedingungen geboten, "manche Portale verlangen unabhängig vom Zustandekommen des Kredits Geld." Stiftung Finanztest sieht in den Anbietern ebenfalls eine Alternative, rät aber immer zum umfassenden Vergleich. Geld anzulegen hingegen sei riskant. "Man muss sich im Klaren sein, dass es keine Einlagensicherung gibt", sagt Nauhauser. Hier gelte ganz einfach, je höher der Zins, desto höher das Risiko. Für die Finanztester können nur "risikofreudige Geldgeber" gute Renditen erzielen. Auch wenn die Ausfallquoten, die die Anbieter angeben - zwischen 3 und 8 Prozent - nicht hoch klingen: Der Zeitraum ist zu kurz, um valide Zahlen zu bekommen. "Sie werden auf Basis von wenigen Geschäftsjahren ermittelt, länger gibt es die Plattformen noch nicht".

Nauhauser rät davon ab, sein ganzes Geld in solchen Angeboten zu investieren. Auch Stiftung Warentest schreibt: "Legen Sie keinesfalls Ihren Notgroschen an." Wer sich an die Projektfinanzierung wagt, sollte die Risiken streuen und sein Geld in mehrere Projekte stecken, empfiehlt Nauhauser. "Die Unsicherheit über die Ausfallquote bleibt, die Anleger tragen das Risiko."

Baschti25 aus Reutlingen kümmert das wenig. Wenn er mal Geld hätte, sagt er am Ende des Gesprächs, würde auch er Projekte über die Plattform finanzieren.

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Erstellt:
26. April 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. April 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. April 2014, 12:00 Uhr

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