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Rasante Polka-Rhythmen

Open-Air-Festival des Reutlinger franz. K in einladender Atmosphäre

Freitags Balkan-Party-Sound mit Rasga Rasga und Fanfare Ciocarlia, Samstags Black Music mit Jaqee und Patrice: Gute Musik und eine angenehme Atmosphäre prägte das Open-Air-Wochenende des franz. K in Reutlingen – aber auch zu wenig Publikum.

11.08.2014
  • Michael Sturm

Reutlingen. „Blasmusik ist Blasmusik. Aber so etwas habe ich noch nie gehört“, staunte der Reutlinger Franz Fröhr. Der 77-Jährige, gewiss kein Stammgast des franz. K, saß am Freitag im hinteren Teil des Festival-Areals auf einer Bierbank. Ihn wie den Rest des Publikums faszinierten die schnellen Bläserattacken der Gypsy-Musiker von Fanfare Ciocarlia. „Alles ohne Noten – großartig! Das ist keine traditionelle rumänische Volksmusik“, so Fröhr, der aus dem zu Rumänien gehörenden Banat stammt.

Hinter Sänger und Saxofonist Lazar Artulescu, mit 65 Jahren der Älteste von Fanfare Ciocarlia, versammelten sich drei Perkussionisten und sieben Blechbläser, davon allein drei Trompeter. Schon der Beginn des Konzerts war derart rasend schnell und mit hohen Notenwerten versehen, dass sich manche Zuhörer an ihre alten Plattenspieler erinnerten – mit 78 Umdrehungen in der Minute hörte sich früher alles überdreht an.

Fanfare Ciocarlia verwursteten in ihren rasanten Polka-Rhythmen mitunter Melodien aus Rock und Pop, etwa den Refrain von „Born to be wild“ oder das James-Bond-Thema. Ihr Publikum tanzte nicht, es hüpfte zumeist ekstatisch von einem Bein aufs andere. Vergleiche mit dem als wild geltenden Pogo waren durchaus zulässig.

Es war der erwartet schöne Höhepunkt des Freitags, gefeiert von einem unerwartet breit gemischten Publikum: Hippies und Rocker, Alternative und Normalos, Schicke und Scheckige, Bestiefelte und Barfüßige, Menschen in Bunthemden oder Bundfaltenhosen packte der Rhythmus gleichermaßen. Die Tübingerin Maxi Herberich, selbst Anfang 20, freute sich, dass an diesem Abend auch verschiedene Generationen vertreten waren und sich so gut mischten.

„Das franz. K hat einen guten Namen bis Stuttgart hoch“, sagte die Ludwigsburgerin Meike Müller, die sich mit ihrer Freudenstädter Freundin Iris Grimm zum Musikhören traf – und um ein ausgedehntes Schwätzle zu halten. Das Tagesticket, 23 Euro im Vorverkauf, zwei Euro mehr an der Abendkasse, sei in Ordnung, betonten beide: „Das lohnte sich bei den vielen Musikern heute auf der Bühne“, sagte Iris Grimm. Weil auch die Vorband Rasga Rasga aus Stuttgart für sie keine Unbekannten waren, genoss sie den Abend doppelt.

Gut 750 Leute kamen an diesem Tag auf die Querspange Unter den Linden vor dem franz. K – die Veranstalter durften das Gelände bis einschließlich der Parkplätze vor dem Haus nutzen. Nur die Busspur blieb für den Verkehr frei. „Wir wollten in der Stadt bleiben“, erklärt der Musik-Programmchef des franz. K, Andreas Roth. Das Festival zum fünften Geburtstag des soziokulturellen Zentrums habe man eigentlich schon im ersten Jahr kurz nach der Eröffnung machen wollen.

Neben fleischhaltigen Klassikern der Festival-Verköstigung gab es unter anderem vegane Curry- und Nudelgerichte – äußerst wohlschmeckend – und Speiseeis aus Schafmilch, mit teils ungewohnten Sorten, die überraschende Geschmackserlebnisse im Gaumenbereich hervorriefen.

„Wir wollten einfache Speisen, kleine Portionen zu niedrigem Preis, aber kein Junkfood“, so Andreas Roth zur kulinarischen Auswahl. Für diese trugen viele der franz. K-Mitarbeiter Sorge. Vor allem Freunde des Hauses bestritten das restliche Programm am Sonntag: Clownereien, Puppenshows und der Kinderliedermacher Bernhard Haage, über den Roth sagt: „Wenn ich dessen schnucklige Texte als Kind gehört hätte, wüsste ich sie heute noch.“

Das Gelände selbst, für bis zu 1500 Menschen ausgelegt, bot Abwechslung: Vor der Bühne war viel Platz für die Tanzenden. Dahinter konnten es sich die Gäste zum Essen oder Ausruhen auf Bierbank-Garnituren gemütlich machen. Auch an der Rampe zum Eingangsbereich saßen viele. Und später trafen sich viele der Zuschauer zu Elektro-Swing bei der After-Show-Party im Saal wieder.

Open-Air-Festival des Reutlinger franz. K in einladender Atmosphäre
Extrem schnell und enorm tanzbar: die Musik von Fanfare Ciocarlia. Bild: Franke

Es ist ein Abend mit subtropischen Temperaturen noch weit nach 21 Uhr und Geschäftsführer An dreas Roth vom franz. K hört begeistert zu, was Patrice als Hauptakt am Samstag auf die Bühne zaubert. „Es ist total schön, dass mit dem Festival alles geklappt hat: Das Ambiente ist stimmungsvoll, die Künstler haben die Erwartungen erfüllt, auch das Wetter hat gehalten“, sagt Roth. Ungetrübt ist seine Freude freilich nicht: Während der Freitag mit 750 Besuchern die Planzahlen von Jubilar franz. K beim fünften Geburtstag übertroffen hat, sind die 650 Gäste bei Patrice eine Enttäuschung. „Ein Plus werden wir bei der Veranstaltung nicht machen“, räumt Roth ein. „Aber das war auch nicht das Ziel. Bei diesem ersten Festival wäre es naiv gewesen, ein Minus nicht einzukalkulieren.“ Hätte das franz. K drinnen gefeiert, wäre das Open Air ohne finanzielle Probleme zu stemmen gewesen. So aber haben Infrastruktur und Technik 10 000 bis 20 000 Euro gekostet. „Aber der Platz vor dem franz. K hat sich bewährt, wir hörten viel gutes Feedback“, erklärt Roth. Es sei einfach nicht zu erwarten, dass zum Open Air wesentlich mehr Leute als normal zum franz. K kämen. Zumal mit Zaz in Rottenburg und einem Reggae-Festival in Pfullendorf klangvolle Konkurrenz auftrat. Die Premiere dieses ersten Open-Air-Festival werde nun in aller Ruhe erst einmal ausgewertet, sagt Roth.

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11.08.2014, 12:00 Uhr

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